Muslime
Rundgang in der Moschee «Ebu Hanife»: «Wir möchten ein Teil von Grenchen sein»

Besucherinnen und Besucher der neuen Moschee in Grenchen suchten an einem Anlass von Granges Mélanges das Gespräch mit islamischem Theologen.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Besucherinnen und Besucher von Granges Mélanges in der neuen grenchner Moschee

Besucherinnen und Besucher von Granges Mélanges in der neuen grenchner Moschee

Michel Lüthi

Einige Dutzend Interessierte aus der Region benutzten am Donnerstag die Gelegenheit einer Granges Mélanges-Veranstaltung, um einen Blick in die Räume der neuen Moschee «Ebu Hanife» an der Maienstrasse in Grenchen zu werfen. Das stattliche Gebäude wurde im April 2019 eingeweiht und ist sehr geschmackvoll ausgestattet. Auch die Umgebung wurde unterdessen mit vielen Blumen parkähnlich gestaltet. Trägerschaft der Moschee ist der Verein «Islamisch Albanische Glaubensgemeinschaft Grenchen» AIG.

«Für die Blumen in der Umgebung sind unsere Senioren zuständig», hiess es anlässlich der Führung in mehreren Gruppen durch die Räume der Moschee. Auch beim Bau der Moschee wurde sehr viel ehrenamtliche Arbeit geleistet, wie Fuat Bajrami, Vizepräsident der AIG, bei der Vorstellung der Institution betonte. Denn sonst hätten die 2,7 Mio. Fr., welche die Moschee gekostet hat, wohl kaum gereicht, wie er einräumte.

Ein Verein mit rund 350 Mitgliedern

«Die AIG wurde 1999 gegründet und hatte damals 12 Mitglieder, heute sind es rund 350», berichtete Bajrami. Die alte Moschee befand sich auf dem Industrieareal nebenan und hatte kaum Fenster. «Jetzt haben wir sehr viele schöne Fenster», meinte Bajrami schmunzelnd. Sie sorgen nicht nur für einen lichtdurchfluteten Moscheeraum, sie symbolisieren auch die Weltoffenheit des Vereins, der sich als Teil der Schweizer Gesellschaft versteht. «Wir möchten ein Teil von Grenchen sein», betonte er gegenüber den Besuchern, die sich mit der nötigen Corona-Distanz auf dem weichen roten Teppich auf den Boden gesetzt hatten. «Viele Moscheebesucher sind Fabrikarbeiter in Grenchen. Manche, die während der Coronakrise keine Arbeit hatten, haben als freiwillige bei der Spitex Grenchen ausgeholfen.»

Waschraum für Frauen
21 Bilder
Empore, wo die Frauen beten können
Blick in eine der drei kleinen Kuppeln
Der grosse Gebetsraum für die Männer
Die Wände sind mit Koransprüchen verziert
Blick in die grosse Kuppel
Rendnerpult für den Imam
Besucher von Granges Mélanges
Mosaik im Foyer
Edle Materialien wurden verbaut. Schränke für die Schuhe
Informationsscreen
Verschiedene Koranausgaben
rechts arabisch, links die Übersetzung
Der islamische Theologe Besir Emini referierte über das Almosengeben
Beleuchtete Elemente im Saal
Waschraum der Männer im Untergeschoss
Bistro
Es wird gerne und gut Fussball gespielt...
Die Umgebung der Moschee wurde schön gestaltet
Eingangsbereich mit Skulptur

Waschraum für Frauen

Andreas Toggweiler

Im Saal versammeln sich täglich Gläubige, um die im Islam vorgeschriebenen rituellen Gebete zu verrichten. Ausser zum Freitagsgebet (Freitag ist der «Sonntag» der Muslime) ist eine Moscheepräsenz dafür aber nicht zwingend. Eine eigene App der AIG hilft beim Einhalten der fünf täglichen Gebetszeiten.

«Geben ist seliger denn Nehmen» - auch im Islam

Die Besucherinnen und Besucher des Vereins Granges Mélanges, der sich dem Dialog mit ausländischen Einwohnern Grenchens verschrieben hat, kamen nach der Führung noch in den Genuss eines Vortrages eines islamischen Theologen. Besir Emini referierte über «Zakat», die Pflicht der Almosengabe. Wobei Zakat von seiner Natur her eher wie eine geschuldete Steuer zu verstehen sei. «Diese ist zweckgebunden und darf nur für acht genau bezeichnete Gruppen verwendet werden», betonte Emini. Wobei er einräumte, dass es auch in islamischen Ländern bisweilen mit der Erhebung des Zakat hapere: «Wenn alle ihren Beitrag leisten würden, gäbe es genug für alle und niemand müsste Hunger leiden.»

Die geistliche Komponente des Zakat ist gemäss seinen Ausführungen weitgehend mit dem christlichen Gedanken «Geben ist seliger denn Nehmen» vergleichbar. «Wieviel jeder geben will oder kann, ist letztlich eine Sache zwischen ihm und Gott», erklärte Emini. Wobei im Islam ein Richtwert bestehe: 2,5 % des Vermögens mit einer relativ tiefen Freigrenze von gut 3000 Franken.

Zakat-Gelder dürfen beispielsweise nicht für Bau und Betrieb einer Moschee verwendet werden. Die Kosten für die Moschee würden durch Spenden und die Vereinsbeiträge der AIG gedeckt, ergänzte Bajrami. Der Mindestbeitrag für die Mitglieder betrage zurzeit 365 Franken jährlich.

Dringend gesucht:deutschsprachige Imame

Mit diesem Betrag muss der Moscheeverein auch seine Imame finanzieren, wobei Bajrami bedauerte, dass man zurzeit keinen festen Imam in Grenchen habe. Deutschsprechende Imame seien leider eine Seltenheit. Aber eigentlich sehr wünschenswert, da in Grenchen Gläubige mit verschiedenen Muttersprachen die Moschee besuchen. «Es wäre sehr wichtig, dass wir in der Schweiz eigene Imame ausbilden könnten, denn hierzulande spricht man Deutsch», betonten die AIG-Vertreter.

Die Besucherinnen und Besucher wurden auch von AIG-Mitgliedern durch alle Räume geführt. Fotografieren war erlaubt. Die Moschee hat separate Eingänge und Waschräume für die rituellen Waschungen von Männern und Frauen. Letztere finden sich im oberen Stock zum Gebet ein. Die Grundfläche des Gebäudes beträgt 400 m2, die Gebäudehöhe 8 Meter (mit Kuppel 11 Meter).
Die insgesamt vier Kuppeln (eine grosse und drei kleine) wurden von Kalligrafen aus Frankreich reich verziert, ebenso die Frontseite der Moschee. Sprüche aus dem Koran in verschiedenen Sprachen (darunter auch die Schweizer Landessprachen) schmücken den «Kirchenraum». Der ganze Bau wirkt sehr stilvoll und nicht überladen.

Kein Freitagsgebet während Coronazeit

Im Untergeschoss des Gebäudes befindet sich ein Bistro, das für Anlässe (z. B. Hochzeiten) genutzt wird sowie Gruppenräume für Freizeitnutzung durch die Jugendlichen. Die Moschee fasst im Normalfall über 500 Personen. Während der Coronazeit wurden keine Anlässe durchgeführt. Bei den ersten Lockerungen waren im Hauptraum lediglich 142 Personen zugelassen, heute sind es wieder rund 300.