Windpark Obergrenchenberg

Rückzieher wegen Druck von oben?

Ob der Windpark dereinst die Idylle auf dem Obergrenchenberg zerstört oder den Publikumsverkehr vermehrt, wird sich erst zeigen - sofern er gebaut wird.

Ob der Windpark dereinst die Idylle auf dem Obergrenchenberg zerstört oder den Publikumsverkehr vermehrt, wird sich erst zeigen - sofern er gebaut wird.

Die Pächter des Obergrenchenbergs, Annemarie und Alfred Schmidig, haben ihre Unterschriften auf einer Sammeleinsprache von Pro Grenchen wieder entfernen lassen. Dies war von gut unterrichteten Quellen zu erfahren.

Die Einsprache richtet sich gegen das Projekt der SWG, auf dem Grenchenberg einen Windpark zu errichten. Schmidigs wollten sich selber weder zu den Gründen äussern, warum sie ihre Unterschriften unter die Sammeleinsprache gesetzt hatten, noch weshalb sie sie jetzt wieder entfernen liessen.

Laut Auskunft von Bürgergemeindeverwalter Renato Müller, habe man seitens der Bürgergemeinde davon erfahren und sei doch sehr erstaunt gewesen. Man habe nicht gewusst, dass die Pächter die Sammeleinsprache unterschrieben hatten. Offensichtlich hatte man vonseiten der Vereinigung Pro Grenchen die Pächter überredet, ihre Unterschriften auf die Sammeleinsprache zu setzen, sprich, dem damit beauftragten Anwaltsbüro eine Vollmacht zu erteilen.

Keine Nachteile für Pächter

Pikant hingegen: Die in der Sammeleinsprache vorgebrachten Argumente, wie sie schliesslich der Baudirektion übergeben wurden, hätten in keiner Weise den Befürchtungen der Schmidigs entsprochen. Das habe sich herausgestellt, als man mit diesen das Gespräch suchte. Denn die Pächter hatten sich zu Recht um die Zukunft ihres Landwirtschaftsbetriebs gesorgt. Die von «Pro Grenchen» angeführten Einwände, wie beispielsweise die Grundwasserverschmutzung, Lärm, Schattenwurf oder gar ein drohender Bergsturz seien für Schmidigs nie ins Gewicht gefallen. Vielmehr seien Punkte, wie ein möglicher Verlust an Kulturland, neue Bewirtschaftungsordnung etc. Thema gewesen. «Diese Punkte konnten wir unseren Pächtern erläutern und erklären. Schliesslich haben wir uns als Grundbesitzer von Anfang an auch für unsere Pächter eingesetzt. Uns liegt sehr viel daran, dass ihnen durch den Windpark keine Nachteile entstehen», meinte Müller auf Anfrage.

Beispielsweise habe man aufzeigen können, dass kein Kulturland verloren gehe, weil die erforderlichen Rodungsflächen im Wald selber kompensiert würden. Das neue Mahdregime zum Schutz der Greifvögel (wir berichteten) beeinträchtige den Landwirtschaftsbetrieb nicht wesentlich.

Auf die Frage, ob die Bürgergemeinde Druck auf ihren Pächter ausgeübt habe, weil sie als Landeigentümerin Baurechtszinsen erhält, meinte Müller: «Nein, natürlich nicht. Einige Punkte waren einfach noch nicht ganz klar, und diese Bedenken konnten wir ausräumen.»

Rückzug hatte andere Gründe

Dieser Aussage widerspricht der Verein Pro Grenchen ganz klar. Schmidigs hätten ihre Unterschrift unter die Sammeleinsprache gesetzt, weil sie unter anderem befürchteten, ihr Gastronomiebetrieb werde darunter leiden, wenn da oben eine Industriezone eingerichtet und das Naherholungsgebiet zerstört werde, erklärt Elias Meier, Präsident von «Pro Grenchen». «Ich habe vor kurzem mit Schmidigs telefoniert. Sie sagten, sie hätten die Einsprache dem Frieden zuliebe zurückgezogen.» Laut Meier seien sie von der Bürgergemeinde enorm unter Druck gesetzt worden. Für die Pächter seien nicht nur die Befürchtungen um die wirtschaftliche Rentabilität ihres Restaurants ausschlaggebend dafür gewesen, dass sie die Einsprache mitunterzeichnet hätten, sondern auch ihre eigene Lebensqualität. «Schmidigs leben schliesslich auf dem Berg und ihr Wohnstandort ist durch den Windpark unmittelbar betroffen. Sie wehren sich auch gegen den Lärm und gegen all die anderen negativen Einflüsse, die ihnen durch die grossen Kraftwerke entstehen würden», so Meier.

Er selber habe Gespräche mit Vertretern der Bürgergemeinde geführt, unter anderem auch mit deren Präsidenten, Franz Schilt. Die Bürgergemeinde sei auf das Projekt Windpark angewiesen, weil sie für das zur Verfügung gestellte Land hohe Zinszahlungen erhalte, die Bergstrasse mit geringen Kostenfolgen für sie selber endlich saniert werde und auch das Abwasserproblem gelöst werde, weswegen ihr der Kanton schon länger im Nacken sitze. «Das Projekt kommt der Bürgergemeinde sehr entgegen. Das Verhalten, dass sie nun an den Tag gelegt hat, ist allerdings nicht korrekt», meint Meier. Er habe aus verschiedenen Quellen vernommen, dass Schmidigs ein grosses Donnerwetter hätten über sich ergehen lassen müssen. «Ethisch ist das einfach nicht korrekt und mir tun die Bergbauern leid. Denn sie waren nur ehrlich und es ist eine Frechheit, dass man so viel Druck auf sie ausgeübt hat. Aber so ist das, wenn es um viel Geld geht. Ihre für Grenchen wertvolle Arbeit hätte eindeutig mehr Wertschätzung verdient.» Auf die Frage, ob so ein Windpark nicht vielleicht mehr Menschen auf den Berg locken könnte, weil sie sich die Anlage aus der Nähe anschauen wollten, meinte Jürg Allemann, «Pro Grenchen»Vize-Präsident: «Man sieht es in Deutschland: Anfangs war die Euphorie bei Windparks gross, ‹oh, da dreht sich etwas›. Inzwischen überwiegt aber eher ‹oh, da macht aber etwas gewaltig Lärm›.»

Die Behandlung der Einsprachen durch die Baudirektion sei weitgehend abgeschlossen, so Jürg Vifian, stellvertretender Stadtbaumeister. Den Einsprechern liege die Stellungnahme der SWG vor. Als Nächstes müssten die Einsprecher entscheiden, ob sie ihre Einsprache zurückziehen wollen oder nicht. Dann wird das Geschäft von der Bau-, Planungs- und Umweltkommission Bapluk weiterbehandelt.

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