In Anwesenheit von allerlei Lokalprominenz fand am Montag die Vernissage des 45. Grenchner Jahrbuches statt. Thomas Schärli, Leiter der Redaktionskommission, konnte zu diesem Anlass diesmal in den Räumen des Lindenhauses begrüssen. «Es geht immer darum, wie sich eine lebensfrohe Gesellschaft zeigt und damit, wie sie feiert», stellte Schärli als Zitat an den Anfang seiner Betrachtungen zur jüngsten Jahrbuch-Ausgabe.

Das Jahr sei denn auch im Zeichen von zahlreichen Festivitäten gestanden, allen voran dem Grenchner Fest, das nach mehrjähriger Pause heuer ein grosser Erfolg war. «Dazu gab es ein Bachtelen-Jubiläum zu feiern, eine Bahn-Europameisterschaft mitzuerleben oder einen erstmals durchgeführten Flohmarkt einer Kita, der gleich zu einem Familienfest wird und das noch an einem Wochenende, an dem drei weitere Feste in der Stadt stattfinden.»

Nicht zu vergessen das «Rock am Märetplatz», das Organisator Kurt Gilomen unter anderem den diesjährigen «Chappeli-Tüfel» einbrachte. «Es steht gut um Grenchen, denn die Stadt zeigt sich beim Feiern und Festen», lautete denn auch Schärlis Bilanz zum vergangenen Jahr.

Kritik an Sparmassnahmen

Und genau besehen könnte man noch allerhand Weiteres feiern, beispielsweise, dass Grenchen inzwischen wieder mehr als 17 000 Einwohner aufweise oder den Umstand, dass die Schnellzüge weiterhin am Bahnhof Grenchen Süd halten werden. Feste seien denn auch mehr als ein von der Obrigkeit missbilligend geduldeter Ausbruch aus dem Alltag. «Verbote von Festen sind jedenfalls noch nie gut angekommen.»

Im Gegenteil: «Kultur ist eine Staatsaufgabe, auch wenn es nicht alle so sehen wollen», brachte Schärli auch eine deutliche Kritik an den Sparentscheiden des Gemeinderates an. Ziemlich unverhohlen denn auch sein Aufruf: «An der nächsten Gemeindeversammlung bietet sich die Möglichkeit, um beispielsweise Institutionen und ihre Aufgaben gefährdende Kürzungen beim Kunsthaus und beim Kultur-Historischen Museum, also bei Herzstücken einer attraktiven Stadt, zu korrigieren.»

Verweis auf Opfersymmetrie

Stadtpräsident François Scheidegger konterte die Kritik mit der Bemerkung, dass auch die Kultur nicht vom «Grundsatz der Opfersymmetrie» ausgenommen werden könne. «Ich bin zuversichtlich, dass das Museum und das Kunsthaus diese Kürzungen werden verkraften können.» Trotz der schwierigen Finanzsituation werde die Stadt weiterhin einen grossen Beitrag an die Kultur leisten. «Auf Kürzungen bei den Vereinen haben wir gänzlich verzichtet, auch die im Entstehen begriffene Stadtgeschichte ist nicht tangiert.»

Scheidegger zeigte sich auch erfreut über die Ausgabe des Jahrbuches, welches er als die «wichtigste Chronik der Stadt» bezeichnete, die überdies seit nunmehr 45 Jahren lückenlos erscheine und somit eine wichtige zeitgeschichtliche Quelle darstelle, nicht zuletzt für die Erstellung der Stadtgeschichte. «Ohne das Jahrbuch hätte viel Wissen unter mühsamer und zeitraubender Archiv-Recherche zusammengesucht werden müssen respektive ohne Jahrbuch wäre dieses Wissen vermutlich schon lange verloren.»

«Der Mensch im Zentrum»

Im Grenchner Jahrbuch, das in dieser Form in Kanton einzigartig sei, werde «das vergangene Jahr kritisch begutachtet, politische Themen kommen zur Sprache ebenso wie städtebauliche Veränderungen und kulturelle Highlights der vergangenen zwölf Monate. Bei allem steht aber der Mensch im Zentrum». Der Stadtpräsident bedankte sich bei der Redaktionskommission, beim Autorenteam, beim Gemeinderat, beim Kanton und bei den privaten Sponsoren.

Das Titelbild des Jahrbuches wurde von Claude Barbey gestaltet, weitere Illustrationen stammen von Pino Simili. Die hundertseitige, durchgehend vierfarbige Publikation enthält wie immer auch einen chronologischen Rückblick auf wichtige Ereignisse, Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten und statistische Angaben zur Stadt.

Das Jahrbuch ist ab 7. Dezember für 20 Fr. hier erhältlich: Buchhandlung Lüthy Balmer Stocker, Grenchen Tourismus/BGU-Büro, Kultur-Historisches Museum, Kunsthaus, Stadthaus sowie am Stand des Künstlerarchivs Grenchen am Grenchner Weihnachtsmarkt.