FC Grenchen
Rolf Bieri verzichtet auf 80'000 Franken und macht Weg frei für Sanierung

Ex-Präsident Rolf Bieri verzichtet auf die 80'000 Franken, die er dem FC Grenchen als Darlehen überlassen hat. Bieri will nicht schuld sein am Untergang des Vereins.

Michael Schenk
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Weil er alles dafür tun wollte, dass es dem FC Grenchen gut geht, wählte Rolf Bieri oft die falsche Tonart – diesmal nicht.

Weil er alles dafür tun wollte, dass es dem FC Grenchen gut geht, wählte Rolf Bieri oft die falsche Tonart – diesmal nicht.

Hans Peter Schläfli

«Ich habe mich nach der GV mit meiner Frau und meinem Geschäftsführer besprochen und wir sind zum Schluss gekommen, dass ich auf das Geld verzichte», sagt Rolf Bieri. Genauer auf 80 000 Franken, die bislang als Darlehen in der FCG-Rechnung standen und von denen Treuhänder Jürg Scheidegger an der GV sagte: «Solang dieses Darlehen da ist, werden sich keine neuen Geldgeber finden.»

«Man soll mir nicht auch noch anhängen können, dass ich am Untergang des FC Grenchen schuld bin», sagt Bieri. Das wäre effektiv «too much»; denn eines kann man dem Ex-Präsi wahrlich nicht vorwerfen, nämlich dass er sich nicht mit allem, was Leidenschaft hergibt, für den FC Grenchen engagiert. Allein an Geld hat er, ohne dem Klub der Superreichen anzugehören, im Verlauf der letzten zwei Jahre weit mehr als besagte 80 000 Franken investiert. «Ich wollte sportlichen Erfolg und dachte mir, dass dann wieder mehr Zuschauer, Sponsoren und Leute kämen, die den FCG unterstützen würden. Das war ein Fehler», so Bieri. Ein Irrtum, der freilich nur möglich war, weil Bieris Herz für den FC Grenchen erheblich heftiger schlägt als das vieler anderer. Der Haustechnik-Unternehmer kann sich schlicht und einfach nicht vorstellen, dass es Leute eiskalt lässt, ob der FC Grenchen – auch in anderer Hinsicht als allein der sportlichen – ein Spitzen- oder Schwanzklub ist. Letztlich war es just dieses Desinteresse seitens der Bevölkerung und des Umfelds, das jedoch schon Bieris Vorgänger, Urs Erb, den Bettel hatte hinschmeissen lassen. Damals brachte die verlorene Abstimmung über einen Kunstrasenplatz das Fass zum Überlaufen.

Der Erfolg, den Bieri wollte, blieb mit der letztjährigen rund 500 000 Franken teuren Elf nicht aus. Gekommen ist jedoch keiner. Heute ist die Mannschaft so günstig wie nie zuvor. Im Bestreben, sich auch abseits des Rasens das zu holen, was dem Klub seiner Meinung nach zusteht, etwa von der Uhrencup GmbH, hat Bieri öfter als weniger oft die so typische helvetische Diplomatie arg vermissen lassen. Entstanden sind so teils unkontrollierbare und unlöschbare Brandherde. «Er ist ein riesiger Fan des FC Grenchen», sagt Rolf Probst, Präsident des Donatoren-Clubs 200, über Bieri. Und: «Dafür, dass er jetzt auf das Darlehen verzichtet, muss man ihm danken.» Der Weg zu einer Sanierung sei so geebnet. Ob dieser Weg weiter Spitzen-Amateurfussball beinhaltet oder doch Richtung Feierabend-Kicken in der 2. Liga geht, wird sich weisen.

Was jetzt primär ansteht, ist die Erstellung eines Sanierungsplans und dessen Umsetzung. So wies tönt, kann der Klub weiter auf die Dienste von Rolf Probst und Treuhänder Jürg Scheidegger zählen. «Wir haben zudem Leute, die mit Kreditoren reden, um auch da allfällige Abzahlungsvereinbarungen oder Verzichtserklärungen auszuhandeln.» Zudem hätte er Feedbacks von Mannen erhalten, die nun Bereitschaft erkennen lassen, etwas zu investieren. Und wenn es vorerst nur die zweite Hälfte des Donatoren-Beitrags ist, der zuletzt zurückgehalten wurde. Rund um den Vorstand bildet sich derzeit so quasi eine zweite, aber starke inoffizielle Helfer- und Geber-Reihe. Auf dass der FC Grenchen aus seiner Finanz- und Sport-Krise findet.

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