Uhrencup
Rolf Bieri hat die Demokratie selbst mit Füssen getreten

Der Auftritt der Uhrencup GmbH bestätigte am Mittwoch das, was in Grenchen längst die Runde gemacht hatte und niemanden mehr erstaunen konnte.

Daniel Weissenbrunner
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Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen

Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen

Hans Peter Schläfli

Wer den Bericht von Sascha Ruefer und seiner Uhrencup-Crew liest, kann zu keinem anderen Schluss kommen: Die Führung des FC Grenchen hat sich mit ihrem Verhalten, um es in der Fussballersprache auszudrücken, ins Abseits gestellt. Die Kommandozentrale des Traditionsklubs, oder was davon noch übrig ist, gibt darin ein klägliches Bild ab. In dem über 30-seitigen Dossier wird ersichtlich, dass der Klub und vor allem sein Präsident Rolf Bieri jeglichen Anstand vermissen lassen. Fairness und Vertrauen mit Füssen treten.

Ausgerechnet Rolf Bieri: Der polarisierende Boss erzählt bis heute gebetsmühlenartig, dass er als unbescholtener Bürger nur seine demokratischen Rechte wahrgenommen habe. Er meint die eingereichte Strafanzeige im Zusammenhang mit den Markenrechten am Uhrencup. Nur, lieber Rolf Bieri, zu den Spielregeln einer Demokratie gehören nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Unter anderem die Respektierung des «politischen» Gegners und die Fähigkeit einer angemessenen Diplomatie.

Fingerspitzengefühl zählt nicht zur Kernkompetenz von Rolf Bieri. Der charismatische Unternehmer bevorzugt die brachiale Methode. Er und seine Entourage packen wenn notwendig den verbalen Vorschlaghammer aus und setzen zum Rundumschlag an. Klubmitglieder, Medienschaffende, Behörden werden bei fehlender Linientreue entweder beschimpft, ausgeschlossen oder verunglimpft.

Demokratische Grundregeln werden ausgehebelt. Zutrittsberechtigten Personen wird an der Generalversammlung der Einlass verweigert, den Medienschaffenden wird mit Stadionverbot gedroht, bei schriftlich formulierten Fragen stellt der ansonsten redselige Bieri auf stumm. Wenn er dann doch etwas sagt, glänzt er mit Zynismus.

Den Grenchnern ist die prekäre finanzielle Lage des Vereins freilich bekannt. Rolf Bieri und seinem Geschäftsführer Paul Kocher sollte aber langsam eines bewusst werden: Wollen sie den FC Grenchen nachhaltig auf einen finanziell gesunden Sockel stellen, dann ist ihr Verhaltensmuster kaum zielführend. Die Realität präsentiert sich ohnehin anders: Den Grenchnern ist ihr FCG scheinbar egal. Sonst hätte der Souverän vor zwei Jahren das Kunstrasenprojekt gebilligt.

Hätten Supporter, Gewerbetreibende, Mäzene ein ernsthaftes Interesse an Spitzenfussball im Stadion Brühl, hätte sich längst irgendeine Brieftasche geöffnet. Statt sich vor diesem Hintergrund bescheidenere Ziele zu setzen, will die Vereinsführung die Mannschaft in drei Jahren im Profifussball positionieren. Um dort zu bestehen, müsste das heutige Budget, das schon jetzt mit Bieris Privatgeld ausgeglichen wird, mindestens um ein Dreifaches erhöht werden.

Man muss kein vorweihnachtlicher Prophet sein: Auf den FC Grenchen kommen ungemütliche Wochen zu. Der Graben zwischen dem FC Grenchen und der Bevölkerung hat sich zu einem Krater vergrössert. Vom Wunsch, unter dem Christbaum das Paket eines Supersponsors zu öffnen, kann keine Rede mehr sein. Das schönste Geschenk würde sich Rolf Bieri machen, wenn er den jetzigen Spielbetrieb zumindest bis Saisonende sicherstellt – und das mit Anstand.

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