Das Titelbild des Berichtes zeigt die Ausgrabungsstätte an der Jurastrasse, und zwar auf einer Flugaufnahme von Peter Brotschi. Über die hochinteressanten Ausgrabungen berichtet die Archäologin Mirjam Wullschleger, welche das Ausgrabungsteam leitete. Man vermutete seit längerer Zeit, dass in der Gegend der heutigen Jurastrasse ein römischer Gutshof bestand.

So soll im Jahre 1911 beim Bau des Landwirtschaftsgebäudes Ris unweit der aktuellen Grabungsstelle an der Ecke Maria-Schürer-Strasse und Jurastrasse römisches Mauerwerk entdeckt worden sein. Die Autorin des Berichtes führt die Lesenden durch die in verschiedenen Zeiten gemachten Entdeckungen.

Im Bericht über die aktuellen Ausgrabungen schildert die Archäologin die verschiedenen Funde. So wurde festgestellt, dass im Hause eine Schmiede existiert haben musste. Hinweise lieferten bereits früher Schlackenschichten. Über die «verschlackten Überreste» berichtet in der Arbeit von Mirjam Wullschleger der Archäologe Ludwig Eschenlohr. Sehr detailliert wird im Bericht das Fundmaterial vorgestellt. Zahlreiche wissenschaftliche Zeichnungen unterstützen die Ausführungen. Neben den Tonscherben stechen hier besonders einige Funde aus Metall hervor.

Drei der interessantesten Fundobjekte werden im Bericht im Bild vorgestellt: Eine emailverzierte Fibel mit Backenscharnier aus Buntmetall (man muss sich vorstellen, dass diese Fibel wie eine Brosche getragen wurde); eine weitere Fibel zeigt die Umrisse eines Hasen und ist aus Buntmetall gefertigt. Besonders interessant ist ein römischer Klappmessergriff aus Buntmetall. Abgerundet wurde dieser Bericht durch verschiedene Kapitel zur Siedlungsgeschichte, zur Bedeutung der Strassen, und schliesslich erfährt man, dass zwischen Solothurn und Grenchen heute elf römische Villen bekannt sind.

Münzen und Hundeskelette

Im Gebiet der Ausgrabung wurden drei Münzen gefunden. Der Historiker, Archäologe und Münzfachmann Christian Weiss stellt die drei Funde aus Grenchen vor. Sie gehören, so Christian Weiss, zu «den typischen Münzfunden unserer Gegend». Sie vermitteln Kenntnisse zur Besiedelung Grenchens zur Zeit der Römer und erschliessen uns die damalige Ideenwelt der der Menschen.

Gefunden wurden ein Dinar des Konsuls Marcus Antonius (32/31 v. Chr.) aus Silber; ein Dinar des Tiberus, ebenfalls aus Silber, und schliesslich eine Buntmetallprägung, deren Zustand nicht derart gut ist, dass eine sichere Zuordnung möglich ist.

Bemerkenswerte Knochenfunde

Dr. Elisabeth Marti-Grädel schuf sich in Fachkreisen einen hohen Ruf als Kennerin von Knochenfunden. Sie beschreibt im Bericht über die Ausgrabung in Grenchen detailliert die beiden gefundenen Hundeskelette und die anderen aufgefunden Tierknochen auf dem Gebiet der ehemaligen römischen Villa.

Das erste Hundeskelett befand sich zusammen mit Teilen eine gossen Vorratsgefässes in einem Graben. In diesem fanden sich insgesamt 465 Knochenreste, darunter einige eines zweiten Hundes. Beim Skelett des ersten Hundes entdeckte man Anzeichen dafür, dass dem Tier das Fell abgezogen wurde.

Dieser 17. Band des Berichtes des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie stellt eine hochinteressante Ergänzung und Erweiterung der Grenchner Geschichte dar.