Grenchen

Rodania, Stiftung für Schwerbehinderte realisiert neues Zuhause für Aussenwohngruppe

Patrick Marti, Gesamtleiter der rodania Stiftung für Schwerbehinderte und Gizem Kaymaz, seine Stellvertreterin und Projektleiterin für den Neubau vor der Baugrube an der Güterstrasse 11

Neubau Güterstrasse

Patrick Marti, Gesamtleiter der rodania Stiftung für Schwerbehinderte und Gizem Kaymaz, seine Stellvertreterin und Projektleiterin für den Neubau vor der Baugrube an der Güterstrasse 11

Die Bauarbeiten für das neue Domizil der Aussenwohngruppe Delphin haben begonnen. Hierhin sollen in zwei Jahren 11 Menschen mit Behinderungen und einem höheren Grad an Selbstständigkeit von ihrem jetzigen Standort beim Südbahnhof umziehen.

An der Güterstrasse wurde in den letzten Wochen eine Baugrube ausgehoben und ein Kran gestellt. Momentan ist man daran, im Untergeschoss die Rohre unter dem Fundament zu verlegen und an die Kanalisation anzuschliessen. Hier soll ein dreistöckiges Gebäude mit Einstellhalle erstellt werden, das neue Daheim für die Aussenwohngruppe Delphin der rodania, Stiftung für Schwerbehinderte (ssbg). Bauherr ist die Aare Wohnraum AG in Büren.

Bei der Wohngruppe Delphin handelt es sich um ein Pilotprojekt aus dem Jahr 2013 für Menschen mit einer Behinderung mit einem grösseren Grad an Selbstständigkeit, die begleitet ein Leben in grösstmöglicher Autonomie führen können. Aktuell ist die Delphin im 1. Stock bei Velo Süd beim Südbahnhof untergebracht (siehe Kasten unten).

Seit sieben Jahren in einem Provisorium

Die rodania war schon länger auf der Suche nach einem neuen Zuhause für die Aussenwohngruppe, wie Gesamtleiter Patrick Marti erklärt. «Wir haben bereits 2015/16 angefangen, geeignete Objekte, Häuser und Wohnungen zu suchen, da der Standort der Aussenwohngruppe Delphin beim Bahnhof von Anfang an als Provisorium gedacht war.»

Nach eineinhalb Jahren seien sie fündig geworden. Die Aare Wohnraum AG aus Büren an der Aare verfügte bereits über ein Neubauprojekt für ein Wohn- und Gewerbegebäude, das auf die Bedürfnisse der rodania angepasst wurde und schlüsselfertig übernommen werden kann. Der Stiftungsrat stimmte dem Vorhaben nach eingehender Prüfung im letzten Sommer zu, die Verträge wurden vor wenigen Tagen beglaubigt und in den nächsten Tagen im Grundbuch eingetragen.

Beim neuen Gebäude handelt es sich um ein barrierefreies, dreistöckiges Gebäude mit insgesamt sieben komplett ausgestatteten Wohnungen. Im Untergeschoss befindet sich eine Einstellhalle. Ein grosser Gemeinschaftsraum mit Gartenterrasse dient im Erdgeschoss als Treffpunkt für alle Hausbewohner. Weiter befinden sich eine 4,5-Zi-Wohnung, eine 3,5-Zi-Woh im EG. Im 1. Stock sind eine 4,5-Zi-Wohnung mit Pflegebad, zwei 3,5-Zi-Wohnungen – alle mit eigenem Balkon – und ein Pikettzimmer geplant.

Die rodania benötigte schon länger mehr Büroflächen.

Im 2. Stock kann man ein lang ersehntes Vorhaben umsetzen, sagt Marti: «Wir haben an der Riedernstrasse fast keinen Platz mehr, verfügen beispielsweise nur noch über ein einziges Sitzungszimmer. Auch ist ruhiges Arbeiten in unserer manchmal sehr lebendigen Umgebung schwierig. Daher freuen wir uns darauf, im 2. Stock des Gebäudes zusätzliche Büroflächen für die Verwaltung und Schulungsräume beziehen zu können».

Das 3. Obergeschoss schliesslich, die zwei Attikawohnungen, dienen als «Ferien- und Entlastungszimmer», erklärt Marti: «Wir möchten anderen Institutionen ermöglichen, im schönen Grenchen beispielsweise Ferien zu verbringen, Familien zu entlasten oder können, während am Hauptsitz an der Riedernstrasse dringend notwendige Sanierungen gemacht werden, selber mit einzelnen Wohngruppen für eine gewisse Zeit hierhin ausweichen.»

Die Wohnungen der Wohngruppe Delphin bieten Platz für 11 Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Betreuungspersonen, zusätzlich gibt es Raum für drei Entlastungs- oder Ferienbetten.

Partizipation und Inklusion der Menschen werden gefördert

«Der Neubau an der Güterstrasse trägt allen Belangen einer möglichst selbstbestimmten Lebensführung unserer begleiteten Menschen Rechnung. Hier ist eine konsequente Umsetzung des Begleitkonzepts uneingeschränkt und nachhaltig möglich», heisst es im Projektbeschrieb. Teilhabe, Partizipation und Inklusion der Bewohnerinnen und Bewohner würden in den neuen Wohnungen gefördert. Beispielsweise könnten Paare jetzt gemeinsam eine Wohnung beziehen, was bis jetzt nicht möglich war. Das Betreuungspersonal könne viel besser und individueller auf die Bedürfnisse der begleiteten Menschen eingehen.

Eine Wohnform in kleineren Einheiten habe eine positive Wirkung auf die Menschen. Jeder Einzelne nehme mehr Eigenverantwortung wahr, die Beziehung zu sich selber und zur Umwelt werde verbessert und das führe zu einem stärkeren Selbstbewusstsein und mehr Ruhe und Zufriedenheit. Und da der Neubau inmitten eines belebten Quartiers liegt, könne der Betreuungsansatz der Inklusion noch besser umgesetzt werden. Es können nachbarschaftliche Beziehungen aufgebaut werden, was dazu beiträgt, die gesellschaftliche Teilhabe der begleiteten Menschen zu verstärken.

Der Neubau ist Ende April 2022 bezugsbereit. Das Gebäude ist nach Minergie-Standard isoliert, die Fassade wird mit vorvergrautem Holz verkleidet. Wärme und Energie werden mittels Erdsonden und einer Solarstromanlage auf dem Flachdach nachhaltig erzeugt.

Der Neubau kostet schlüsselfertig 5,7 Mio. Franken. Davon finanziert die Stiftung 1,425 Mio. Franken aus Eigenmitteln, weiter nimmt man eine Hypothek über 2,775 Mio. Franken auf und 1,5 Mio. Franken sollen über ein Fundraising generiert werden, das kürzlich gestartet wurde.

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