Die Stiftung für Schwerbehinderte Rodania hat eine Aussenwohngruppe eröffnet. Sechs der selbstständigsten Bewohner sind von nun an im ersten Stock des ehemaligen Hotels beim Südbahnhof zu Hause. Damit löst die Stiftung zwei Probleme auf einmal: Ihre Entlastungs- und Ferienbetten, die durch Notfälle blockiert waren, werden wieder frei, und überbetreute Klienten erhalten mehr Freiraum.

«Mit der Wohngruppe ‹Delphin› schaffen wir nichts Neues. Wir haben unsere Leute auf dem Weg hierher begleitet», sagt Patrick Marti, der Gesamtleiter der Stiftung für Schwerbehinderte. Der Punkt, an dem diese Bewohnerinnen und Bewohner nun angekommen sind, lässt sich am besten mit dem Begriff «mehr Selbstständigkeit» umschreiben. Die drei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen Mitte zwanzig und sechzig Jahre können ohne Begleitperson Bus fahren und sich in der Stadt bewegen. Sie sind aber (noch) nicht so weit, dass sie ohne Hilfe leben können. Überdies werden sie nach dem Umzug ins «Bahnhöfli» letzten Samstag weiterhin bei der Tagesstätte der Rodania beschäftigt sein. Dasselbe gilt für die Person, die in Kürze den sechsten Platz der neuen Wohngruppe füllen wird.

Personal nach Bedarf im «Delphin»

André Baerel wird Leiter des «Delphin». Nach zehnjähriger Tätigkeit bei der Stiftung reizt ihn die Herausforderung, einer Einheit vorzustehen, deren Vision die Umwandlung in eine unbetreute Wohngemeinschaft ist. «Es wäre toll, wenn sie eines Tages ohne uns auskämen», fasst Patrick Marti den Wunsch in Worte. Die neue Wohngruppe soll die Kosten tief halten. Nachts wird ein Betreuer im «Delphin» Pikettdienst leisten, tagsüber wird das Personal nach Bedarf dort eingesetzt. Aus Spargründen hat die Stiftung entschieden, die Dépendance nicht rollstuhlgängig zu gestalten. «Im Hauptgebäude ist alles rollstuhlgängig, deshalb haben wir hier auf diesen aufwendigen Umbau verzichtet», argumentiert der Gesamtleiter.

Im «Delphin», dessen Name die Bewohner ebenso selbst gewählt haben, wie ihre Zimmer und das Mobiliar, gibt es ein Gästebett. Die Bewohner sollen die Möglichkeit haben, Freunde auch einmal über Nacht zu beherbergen. Über die Modalitäten des Alltags zerbricht sich André Baerel noch nicht den Kopf. «Das werden wir er-leben, also gemeinsam aufbauen», sagt er gelassen. Mehr Gestaltungsmöglichkeiten bedeuten mehr Verantwortung. Ihm ist es deshalb wichtig, dass die Bewohner mitdenken.

Wieder für Notfälle gerüstet

Dank der Eröffnung der Aussenwohngruppe werden die drei Entlastungsbetten im Hauptgebäude ab sofort wieder ihren Zweck erfüllen. Sie stehen für Ferienaufenthalte und Notfälle zur Verfügung. Wenn zum Beispiel eine Person, die einen schwerbehinderten Angehörigen betreut, plötzlich krank wird, muss dieser oft innerhalb von Stunden oder Tagen bei einer Institution Platz finden.