Schon erstaunlich, was Kurt Gilomen und sein 30-köpfiges Helferteam Jahr für Jahr mit viel Engagement hinzaubern. Grenchens Marktplatz verwandelte sich am Samstag wiederum in eine prächtige «Partymeile». Viel Wert wurde auf Regionalität gesetzt. Bei den Sponsoren, den Lieferanten, den Dienstleistern. Und auch bei den Musikerinnen und Musikern. Aus der Region ja, deswegen aber noch längst nicht provinziell. Im Gegenteil. Die Auftretenden entführten das Publikum in die grosse weite Welt des Rock ’n’ Roll und seiner musikalischen Geschwister. Nicht mehr regional ist indes die Herkunft der Besucher. Es muss sich in der ganzen Schweiz herumgesprochen haben, dass da ein exquisiter Anlass entstanden ist. «Wichtig ist für uns zudem, dass das Rockfest auch ein eigentlicher Musikertreff ist», weist Kurt Gilomen auf einen weiteren Punkt hin. Tatsächlich waren in der Besuchermenge zahlreiche regionale und nationale Grössen des Genres auszumachen.

Bewährt hat sich das Konzept mit zwei Bühnen. Die Besucher wurden zum Zirkulieren animiert, die Wartezeit während der Umbaupausen auf der Hauptbühne kreativ überbrückt. Das musikalische Programm liess kaum Wünsche offen. Newcomer spielten ebenso auf wie bereits gestandene Musiker, diverse Stilrichtungen kamen zum Zuge. Ganz offensichtlich hat man wieder Gespür für Publikumsnähe bewiesen.

Von Höhepunkt zu Höhepunkt

Auf der Nordbühne liessen es «WilDC», Drummer Thomas Wild und seine Kumpels, mit ihrer Leidenschaft für AC/DC so richtig krachen. Vielseitigkeit zeichnete den Auftritt von «25 Rock Avenue» aus. Ob Blues, Rock oder Hardrock, die vier Seeländer trafen in jeder Hinsicht den richtigen Ton. Innovativ die Darbietung von Kulturpreisträger J.J. Flueck und «The Next Movement». Einflüsse aus Hip-Hop, Funk, Reggae und Soul vermischten sich zu einer groovigen Einheit, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Den «Opener» auf der Hauptbühne übernahmen diesmal die drei Jungs der «6UP Bluesband» und zeigten auf, wie abwechslungsreich der Blues sein kann. «Brainholz» wussten danach mit erfrischendem Retro-Rock zu gefallen. Als kurz darauf «Generell 80» die Zuschauenden in das namengebende Jahrzehnt des vergangenen Millenniums entführten, hielt es etliche schon nicht mehr auf den Sitzen. Die mit einer prägenden Stimme gesegnete Sängerin Suzy und ihre Mitmusizierenden waren packende Reiseführer in eine Zeit, die Hits am laufenden Band produziert hat.

Danach «Silverhead». Auch eine Zeitreise. Zu den Eagles, ihren Gitarrenlicks und ihrem mehrstimmigen Chorgesang. Die Band brachte die diversen balladenhaften Stücke einfühlsam dar, überzeugte gegen Schluss auch mit härteren Riffs und verzückte das Publikum mit den Welthits «Desperado» und «Hotel California».

Spätestens jetzt war der Marktplatz proppenvoll. Und als dann aus dem Off «Vo Gränche bigott» den Auftritt der Lokalmatadoren ankündete, befanden sich die Sitzenden endgültig in der Minderheit. Aus ihrem prall gefüllten musikalischen Koffer packten «Light Food» diesmal vor allem gradlinige Rocknummern aus, vom Beatles Klassiker «Get Back» bis zu diversen Songs aus ihrem neusten Album «Party Approved». Mitgebracht hatten sie zudem äusserst illustre Gäste. Zusammen mit «George» zelebrierten sie ein berauschendes Medley diverser Nummern der Kultrocker von Creedence Clearwater Revival. Fesselnd schliesslich ihre Performance mit Rock ’ n’Roll-Urgestein Jacky. Er haute in die Tasten, etwa bei Chuck Berrys «C’est la vie» oder seinem eigenen Boogie-Woogie; Ralph Schaffer, Mattias Haldimann, Fabio Zanco und Kurt Gilomen rollten ihm dazu den musikalischen Teppich aus.

Es war in er Folge nicht ganz einfach, diese positiv aufgeheizte Stimmung nicht abkühlen zu lassen. Allein, mit «Bad Ass Romance» machte sich eine geballte Ladung musikalischer Erfahrung daran, dieses Unterfangen erfolgreich zu gestalten. Krokus-Gitarrist Fernando von Arb, Drummer Dee Dee Kaufmann (Jackys, George) und «China»-Bassist Dan Grossenbacher zelebrierten temporeich und voller purer Spielfreude noch einmal Rockmusik, eher auf der härteren Seite, mit dem einen oder anderen Ausflug ins Bluesige.
Kurt Gilomen konnte so sehr zufrieden auf einen Tag zurückblicken, der einige Höhepunkte aufwies und das Verbindende der (Rock-)Musik eindrücklich aufzeigte, beispielhaft etwa, wenn Zehnjährige tanzend ihr Smartphone zücken, um den Auftritt eines über Siebzigjährigen und seiner Mitmusiker filmisch festzuhalten.