Grenchen
Roboter arbeiten mit stoischer Präzision, rauchen nicht und sind nie krank

Die Hausmesse des grössten Schweizer Roboterherstellers im Velodrome Suisse verschafft faszinierende, auch nachdenklich stimmende Einblicke. An der Messe zu sehen war auch der schnellste Roboter der Welt.

Andreas Toggweiler
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Interessiert beobachten Fachleute, wie ein Roboter ein Werkstück auf Hochglanz poliert.

Interessiert beobachten Fachleute, wie ein Roboter ein Werkstück auf Hochglanz poliert.

Andreas Toggweiler

Die Szenerie ist faszinierend und gespenstisch zugleich. Auf dem Parkett des Velodrome stehen zwei Dutzend Glaskästen verschiedener Grössen. Hinter den Plexiglasscheiben greifen Roboter nach Werkstücken, spannen sie in eine Werkzeugmaschine, die ihr mehrminütiges Bearbeitungsprogramm abspult.

Der Automat greift unterdessen nach dem nächsten Stück und wartet brav. Es wird ihm nie langweilig. Mit stoischer Präzision füttert er das 7-Achsen-Bearbeitungszentrum von Schaublin mit neuen Teilen und versorgt die Fertigen. Nie macht er eine Rauchpause, nie lässt er etwas fallen, nie ist er krank.

Technik statt Manpower

Daneben poliert ein weiterer Roboter ein Schmuckteil auf zwei verschiedenen Maschinen auf Hochglanz, sein «Kollege» ein paar Schritte weiter ist am Sandstrahlen. Es ist offensichtlich: Hier ist zu sehen, wie man Arbeitsplätze für Un- und Angelernte erfolgreich wegrationalisiert.

Doch die Industrie, auch in der Region, ist zu diesen Schritten zunehmend gezwungen, will sie auf dem Weltmarkt mithalten. Das zeigen Gespräche mit Messebesuchern an der «Robomize», der Hausmesse des bedeutendsten Schweizer Roboterherstellers Stäubli. Die Familienfirma aus Horgen im Kanton Zürich hat in der Robotertechnik die Nase weit vorn und führte diese Woche ihre Leistungsschau für Kunden erstmals im Velodrome durch. Den Standort habe man gewählt, weil man damit für Kunden aus der Deutschschweiz wie aus der Westschweiz gut erreichbar sei.

Stäubli, 1892 im Textilsektor gegründet, hat inzwischen weltweit 4500 Mitarbeiter. Laufende Firmenzukäufe brachten Technologien für verschiedene Branchen. So wurde 2004 die Robotersparte von Bosch übernommen. Stark verwurzelt seien Stäubli-Roboter in der Uhrenindustrie oder der Medizinaltechnik, wie Christian Gugenberger, Regionalverkaufsleiter Robotik, an der «Robomize» sagte. Da man eine Familienfirma sei und keinen Shareholdern verpflichtet, werde ein Grossteil des Ertrags in Forschung und Entwicklung investiert.

Zu sehen war unter anderem der laut Stäubli zurzeit schnellste Roboter der Welt, TP 80. Firmenvertreter berichteten von den mannigfaltigen Anwendungen und von Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Einsatz von Robotern. Und natürlich ist es nicht nur so, dass Roboter Arbeitsplatzkiller sind: Ihr produktiver Einsatz muss zuerst programmiert und getestet werden, sie erfordern die Aufmerksamkeit von kompetenten Mechatronikern und Produktionsfachleuten. Und jemand muss auch noch die Roboter bauen. Stäubli produziert ihre allerdings in Frankreich.

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