Grenchen
Rita Ris strebt den 40. Schweizer Meister-Titel an

39-mal war Rita Ris schon Schweizer Meisterin im Minigolf, jetzt will es die Grenchnerin nochmals wissen. Wissen möchte auch die CVP, wie man Grenchens «vergessene Minigolfanlage» wieder auf Vordermann bringt.

André Weyermann
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Die 39-fache Schweizer Meisterin Rita Ris erklärt, wie die verschiedenen Minigolfbälle funktionieren.

Die 39-fache Schweizer Meisterin Rita Ris erklärt, wie die verschiedenen Minigolfbälle funktionieren.

André Weyermann

Ein Stock, ein Ball. Wer den «Hüttenwart» etwas besser kennt, bekommt noch einen zweiten, der ein wenig mehr bandet. Dann geht es ab auf die Runde mit den 18 Bahnen, die perfiderweise mit unzähligen Hindernissen und Schikanen gepflastert sind. So kennen wohl die meisten das Minigolfen.

Und staunen ob gewisser anderer Personen auf der Anlage, die für jede Bahn einen neuen Ball aus der Tasche oder dem Koffer zaubern und diesen dann auch noch im Loch versenken, als wäre es das Einfachste der Welt. Hobbyspieler trifft so den ambitionierten Klub-Spieler. Tatsächlich können diese «Profis» auf ein schier unbegrenztes Arsenal an Bällen zurückgreifen.

Erstaunliche Eigenschaften

Jeden Tag werden zwei neue dieser mit dem Stock zu schlagenden Dinger produziert. Es gibt in der Zwischenzeit Zehntausende verschiedenster Beschaffenheit und mit unterschiedlichsten Eigenschaften: harte, weiche, mittlere, solche, die «tot» auf dem Boden liegen bleiben, wenn man sie fallen lässt, andere, die den physikalischen Gesetzen zu trotzen scheinen und beinahe höher wieder aufspringen, als von wo man sie losgelassen hat. Und dann halt alles, was dazwischen liegt.

Rita Ris, das sportliche Aushängeschild des Minigolfclubs (MC) Grenchen, nennt zirka 1500 Bälle ihr Eigen. «Je nach Bahn, Witterung, Temperatur versucht man den geeignetsten herauszufiltern», erklärt sie und gibt schmunzelnd zu, dass sie noch nicht jeden ihrer Bälle auch schon benutzt hat. Es versteht sich von selbst, dass es nebst Talent eine Menge an Training und Erfahrung braucht, um im richtigen Moment auf das richtige Spielgerät zu setzen. Dies ist nämlich beinahe eine Wissenschaft für sich.

Besonders, wenn man weiss, dass seit einiger Zeit auch sogenannte Thermokoffer existieren, die einen Ball je nachdem abkühlen oder erwärmen, ihn also auf die gewünschte Temperatur bringen. Und dann zeigt uns Rita Ris noch etwas Besonderes: Einen «Ball of Fame». Für die herausragenden Spielerinnen und Spieler der Zunft wird ein solcher mit deren Namenszug hergestellt. Der von ihr präsentierte Ball trägt nicht ihren Namen. Dazu ist sie viel zu bescheiden. Aber natürlich gibt es einen Ball «Rita Ris». Gilt sie doch als die erfolgreichste Schweizer Spielerin aller Zeiten. Zwischen 1984 und 2004 hat sie nicht weniger als 39 Schweizer-MeisterTitel (24 Einzel, 15 Mannschaft) erspielt und holte zwei Mal Gold an den Europameisterschaften.

Folgt der 40. Titel?

Seither hat sie das Training aus beruflichen Gründen (sie besitzt zusammen mit ihrem Bruder eine Firma für Autozubehör) stark reduzieren müssen. Und trotzdem: Obwohl sie seit einiger Zeit bei den Seniorinnen mitspielen könnte, will sie es bei der Elite noch einmal wissen. Auf jeden Fall hat sie die Qualifikation für die Schweizer Meisterschaften in Reconvilier vom 18. bis 20. Juli wieder geschafft. Folgt gar der 40. Titel? «Mal schauen. Es ist eine Challenge für mich. Und wenn man einmal dabei ist, kann alles passieren», erklärt Rita Ris dazu.

CVP-Fraktion fordert Aufwertung der «vergessenen» Anlage

Der bauliche Zustand der Grenchner Minigolfanlage ist Gegenstand eines Vorstosses, den die CVP-Fraktion an der letzten Gemeinderatssitzung vor den Ferien eingereicht hat.

Das Postulat mit Erstunterzeichner Marco Crivelli fordert bauliche Investitionen und eine Verbesserung der Signalisation. Die Stadt Grenchen weise zwar «ein tolles Sport- und Freizeitangebot» auf; dies komme allerdings vor allem dem Vereinssport oder individuellen bzw. «aktiven» Sportlern zugute. «Was fehlt, ist ein Angebot für Familien mit Kindern oder ältere Personen, die zwar gerne im Freien sind, es aber lieber etwas gemütlicher nehmen möchten», schreibt die CVP-Fraktion. Für diese Gruppe sei insbesondere die Minigolfanlage der Stadt, welche nach Ansicht der CVP «ein wenig in Vergessenheit geraten» sei.

Auch seien «gewisse Anlagenteile in die Jahre gekommen». Insbesondere der Eingangsbereich oder der Aufenthaltsbereich beim Restaurant seien nicht mehr zeitgemäss. Die CVP untermauert dies mit zusätzlich eingereichten Bildern. Aufgezählt werden folgende Mängel: Die Signalisation zum Auffinden der Minigolfanlage sei ungenügend, das Vordach beim Kassabereich defekt, der Sitzplatz vor dem Kiosk schräg, («sodass die Tische auf einer Seite mit Holzlatten unterlegt werden müssen, damit die Getränke nicht rutschen»), das Dach aus Plexiglas sei verschmutzt und die Aussenwände beim Sitzplatz nur mit Blachen bespannt. Überhaupt mache einiges einen «gebastelten» Eindruck.

Die CVP bittet die Stadt deshalb in einem Postulat um vier Verbesserungen: Beschriftung, Aufwertung von Eingang und Aufenthaltsbereich, Überprüfung der Umgebungsbeleuchtung (Pilze) sowie Verbesserung der Bewerbung der Anlage in Zusammenarbeit mit Grenchen Tourismus. Die Mittel dafür sollen ins Budget des kommenden Jahres aufgenommen werden.

Stadtschreiberin Luzia Meister erklärt auf Anfrage, dass die Baudirektion mit entsprechenden Abklärungen beauftragt wurde. Sie geht davon aus, dass «die eine oder andere Sofortmassnahme» rasch umgesetzt werden könnte. Die Erheblichkeit des Postulates muss allerdings zuerst vom Gemeinderat beschlossen werden. Eine Traktandierung ist gemäss Protokoll in einer der beiden nächsten Gemeinderatssitzungen vorgesehen. (at.)

Die Anlage in Grenchen wurde übrigens 1955 eröffnet und ist damit eine der ältesten und bestimmt eine der schönsten in der Schweiz. Die Politik fordert jetzt, dass die Stadt als Eigentümerin die Anlage wieder etwas auf Vordermann bringt. Nur zwei Jahre später wurde der Club gegründet. Und auch dessen Palmarès kann sich sehen lassen. 71 Schweizer- Meister-Titel wurden bisher errungen und 7 Cup-Siege. Dazu kommen 6 goldene Auszeichnungen an Europa- oder Weltmeisterschaften. Und auch die «Champions League des Minigolf-Sports», den Europa-Cup, holte man schon in die Uhrenstadt.

Wie die meisten übrigen Klubs plagen auch den MC Grenchen Nachwuchssorgen. Minigolf gilt halt von jeher eher als Familien- und Freizeitsport.

Zum Anfang reichen drei

Die Verantwortlichen des MC Grenchen tun alles, um dem Trend entgegenzuwirken. Dieses Wochenende zum Beispiel steht das traditionelle Volksturnier an. Im Rahmen des Ferienpasses organisiert man auch jeweils ein Schülerturnier. Ambitionierte Hobbyspieler sind ebenfalls jederzeit willkommen. Ihnen wird mit Rat und Tat beigestanden (offizieller Trainingstag: Dienstag ab
18 Uhr).

Ob des riesigen Angebots an Bällen muss einem Neueinsteiger übrigens nicht bange werden. «Es reicht, wenn man mit 3 bis 4 Stück beginnt. Und sich dann nach und nach weitere besorgt», meint dazu Rita Ris. Und sie muss es ja wissen.

www.mc-grenchen.minigolf.ch. Das Minigolf-Volksturnier für Jedermann auf der Anlage beim Parktheater (Lindenstrasse 38) beginnt am Freitagabend um
17 Uhr (Spielbetrieb bis 22 Uhr); am Samstag 10 bis 22 Uhr. Es ist keine Anmeldung nötig.