Grenchen

Restaurant Parktheater: Rodania zieht Baugesuch zurück

Der Eingang in der Mitte des Anbaus sollte geschlossen und nach ganz links versetzt werden – dort, wo er früher einmal war. Das hat zur Einsprache der Architekten geführt.

Der Eingang in der Mitte des Anbaus sollte geschlossen und nach ganz links versetzt werden – dort, wo er früher einmal war. Das hat zur Einsprache der Architekten geführt.

Die Architekten des Parktheaters in Grenchen beharrten auf ihrem Urheberrecht und erhoben Einsprache gegen die geplanten Veränderungen. Die Rodania zieht ihr Baugesuch nun zurück, um das Vorhaben weiterführen zu können.

Letztes Jahr ging ein Aufatmen durch die Stadt. Die Genossenschaft Parktheater unter der Leitung ihres Präsidenten, des ehemaligen Stadtbaumeister Claude Barbey, konnte nach langer Suche einen neuen Pächter für das Restaurant Parktheater präsentieren: Die Rodania übernimmt das Haus, ist verantwortlich für den Restaurationsbetrieb und die Bewirtschaftung der Säle.

Nachdem ein langjähriger Wirt endgültig gescheitert war und die Cateringfirma «Cucina Arte» nach acht Monaten das Handtuch geworfen hatte, drohte im Restaurant Parktheater ein Stillstand.

Ein Glücksfall also. Aber dennoch sind Anpassungen nötig. Vorgesehen ist, den bestehenden Eingang zum Restaurant zu schliessen und einen neuen Eingang am Südende des Anbaus nahe bei der Fassade des Theaters zu schaffen. Von dort wäre der direkte Zugang rechts ins Restaurant oder links ins Foyer des Theaters und den Garten möglich.

Das würde es erlauben, den Restaurantbereich im Sommer zeitweise zu schliessen und nur die Gartenwirtschaft zu betreiben. Des Weiteren will die neue Pächterin im Inneren kleinere Anpassungen vornehmen und das Restaurant modernisieren. Insbesondere soll der bestehende kleine Saal aufgehoben werden.

Einsprache wegen Urheberrecht

Das ganze Projekt wurde detailliert in einem Baugesuch aufgelegt. Nun haben aber die beiden Architekten Ernst Gisel und Erich Senn Einsprache erhoben und beziehen sich auf ihr Urheberrecht. Gisel ist der Architekt, der das 1955 fertiggestellte Parktheater entworfen und realisiert hatte. Gisel und Senn waren als Architektengemeinschaft in den Neunzigerjahren verantwortlich für den Umbau des Anbaus, der in seiner ursprünglichen Form wesentlich schmaler war und Hotelzimmer im oberen Stock beinhaltete.

Das Gebäude hatte nur einen Eingang, den jetzt noch bestehenden Zugang zum Obergeschoss. Beim Umbau 1994 wurde ein neuer Eingang ins Restaurant realisiert und durch ein plastisches Element akzentuiert.

In ihrer Einsprache wehren sich die beiden Architekten gegen eine Verschiebung «in die hinterste verborgene Ecke». Das würde den Eingang «praktisch unauffindbar machen, ohne eine organisatorische Verbesserung zu erreichen.» Und weiter: «Es bestünde die Gefahr, dass weitere Eingriffe vorgenommen würden, was den Beginn einer schleichenden Zerstörung wäre (wehret den Anfängen).»

Auch im Innenbereich möchten die Einsprecher möglichst keine Veränderungen: Eine Zusammenfassung des Restaurants – also die Aufhebung des Sälis – sei denkbar aber nicht zwingend. Die jetzige Unterteilung sei im ursprünglichen Raumprogramm gefordert worden und habe sich während 17 Jahren bewährt.

«Es besteht der Verdacht, dass dem Raum ein neues innenarchitektonisches Kleid verpasst werden soll, bekanntlich sind diese Eingriffe der Mode unterworfen, diese ändert alle 5 - 10 Jahre.» Weiter: «Wir haben vor 20 Jahren wesentliche Teile vom alten Restaurant integriert, z.B. Teile des Bodens (Klinker), die von Gisel entworfene Möblierung. Dies soll nun alles zerstört werden?»

Damit dies nicht geschehe, sei das Parktheater unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden (siehe Box). Die Renovation des Theatertraktes habe gezeigt, wie man es machen müsse. Die beiden Einsprecher fordern, dass der Restaurant- und Konferenztrakt mit ebensolcher Sorgfalt behandelt werde. «Es geht uns um die Sache, nicht darum, das Ganze zu torpedieren», so Senn auf Anfrage. Eigentlich wolle er sich gar nicht dazu äussern, denn man sei mit den Kontrahenten auf gutem Weg, eine Einigung zu erzielen.

Baugesuch wird zurückgezogen

Eine Stellungnahme der Genossenschaft Parktheater zur Einsprache lässt allerdings vermuten, dass man von einer einvernehmlichen Lösung weit entfernt ist. Zwar fand laut Präsident Claude Barbey noch vor der Einsprache ein zweieinhalbstündiges Gespräch statt, in dem Vertreter der Genossenschaft Parktheater und der Rodania den Architekten zu erklären versuchten, was genau sie planten und ihnen die Beweggründe schilderten. Die Einsprache liess sich dadurch aber nicht verhindern.

Aus der Stellungnahme geht hervor, dass die Rodania ihr Baugesuch nun zurückzieht, um das Vorhaben weiterführen zu können. Der Eingang bleibt vorläufig dort, wo er ist. Innen aber wird umgebaut. Die Genossenschaft schreibt unter anderem: «Das vorliegende Raumkonzept wurde eng mit der kantonalen Denkmalpflege, der Baudirektion und der Genossenschaft Parktheater erarbeitet und entspricht vollumfänglich der heute geltenden Bau- und Zonenordnung. Die im Inneren erforderlichen Anpassungen bedürfen keiner Baubewilligung, entsprechen der bisherigen Nutzung und der kommunalen Bauordnung.»

Und falls die Einsprecher an ihrer Einsprache festhielten, sei die Legitimation gestützt auf das Urheberrecht keinesfalls gegeben. Eine urheberrechtliche Verletzung liege sowieso nicht vor, auch ohne Rückzug des Gesuchs. Der Eingriff mit einem neuen Eingang und der Anpassungen innerhalb des Restaurants sei geringfügig, sodass der Werkintegritätsanspruch der beiden Architekten nicht berührt würde.

Starten wie geplant

Patrick Marti, Gesamtleiter der Rodania erklärt: «Uns geht es in erster Linie darum, im April starten zu können und das Parktheater wieder zu einem belebten Treffpunkt in Grenchen zu machen. Die Einsprache hätte uns unter Umständen für Monate blockiert.» Die Rodania will ihren Mahlzeitendienst vom Parktheater aus organisieren und im Restaurant und der Küche auch geschützte Arbeitsplätze anbieten.

Man habe bereits Personal engagiert und es lägen enorm viele Reservationen vor, von Hochzeiten über Verbandsanlässe bis zu Vereinen, die wieder ins Parktheater zurückkehrten. Zum Umbau meint Marti: «Wir respektieren das Gebäude in höchstem Mass und sind uns der kulturhistorischen Bedeutung bewusst. Was die Verschiebung des Eingangs betrifft, werden wir aber zu einem späteren Zeitpunkt ein neues Baugesuch aufgleisen. Denn der ist einfach nicht dort, wo er im neuen Betriebskonzept Sinn macht.»

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