Spitex Grenchen
Restaurant Parktheater kocht nicht mehr für die Spitex wegen Kurzarbeit

Die Parktheaterküche kochte Menüs für Spitex-Klienten. Da die Gäste generell ausbleiben, hat das Restaurant die Öffnungszeiten massiv reduziert. Ein Teil der Mitarbeitenden ist in Kurzarbeit und der Mahlzeitendienst für die Spitex-Klienten wurde kurzfristig ebenfalls eingestellt. Ein No Go, sagt die Spitex-Leiterin.

Oliver Menge
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Das Alterszentrum Weinberg liefert den grössten Teil der Mahlzeiten für Spitex-Klienten

Das Alterszentrum Weinberg liefert den grössten Teil der Mahlzeiten für Spitex-Klienten

Oliver Menge

Ans Licht kam die Sache, nachdem der Wirt des Restaurants Parktheater, Argim Asani, auf den sozialen Medien verkündete, dass man ab sofort die Öffnungszeiten massiv reduziert: Ab sofort ist das Restaurant nur noch von Dienstag bis Freitag von 11 bis 14 Uhr sowie Freitag und Samstag von 17.30 bis 23 Uhr geöffnet. Auf Anfrage bestätigt Asani, dass ein Teil der Mitarbeitenden in Kurzarbeit geschickt wurden, zudem hat er aktuell zwei Leute, die krank sind, aber zum Glück wenigstens nicht mit Covid-19.

Nebst den Mahlzeiten für die Gäste des Restaurants werden im Parktheater auch Mahlzeiten für die rodania, Stiftung für Schwerbehinderte zubereitet. Zudem kamen auch Spitex-Klienten oder Grenchnerinnen und Grenchner, die durch die Spitex vermittelt wurden, in den Genuss von Mahlzeiten aus der Parktheaterküche, die ihnen geliefert wurden. Doch letzte Woche beschlossen die Verantwortlichen des Parktheaters, diese Dienstleistung per sofort einzustellen.

Der Bedarf an einem Mahlzeitendienst ist unbestritten

«Das hat mich schon sehr irritiert, um nicht zu sagen, enttäuscht gestimmt», sagt Cristina Pitschen, die Leiterin der Spitex Grenchen. Der Bedarf an einem Mahlzeitendienst sei ganz klar da. «Es sind meist ältere Leute, denen man nicht einfach sagen kann ‹geht selber einkaufen oder geht doch ins Migros-Restaurant›. Gerade sie sollten in der aktuellen Situation zu Hause bleiben können, so wie das vom Bundesrat auch empfohlen wird.» Eine der betroffenen Personen, die nun plötzlich nichts mehr zu essen erhielt, konnte auch nicht auf die Hilfe ihrer Angehörigen zählen, weil die ganze Familie aktuell in Quarantäne stecke.

Für sie gehe einfach nicht ganz auf, dass man Leute in die Kurzarbeit schicke und gleichzeitig Aufträge ablehne, sagt Pitschen. Zwar hatte die Spitex Grenchen die Personen, die den Mahlzeitendienst beanspruchten – zwischen 10 und 20 an der Zahl – lediglich vermittelt, weil diese Personen sich an die Organisation gewandt hatten, und hatte selber keinen Vertrag mit dem Restaurant Parktheater abgeschlossen.

Grenchner Restaurants wollten nicht aushelfen

Dass dann aber der Mahlzeitendienst für diese Leute quasi von einem Tag auf den anderen hätte eingestellt werden sollen, brachte die Angestellten der Spitex Grenchen echt in die Bredouille. «Dank Gesprächen konnten wir wenigstens erreichen, dass der Mahlzeitendienst noch bis Ende letzter Woche durch das Restaurant Parktheater gewährleistet und nicht von einem Tag auf den anderen eingestellt wurde. Aber auf der Suche nach einem Grenchner Restaurant, welches für die rund 15 Mahlzeiten pro Tag hätte einspringen können, erhielt ich einen Korb nach dem anderen. Überall hiess es, das Personal sei in Kurzarbeit und man könne sie jetzt nicht wegen dieser Sache zurückrufen.» Zwei Restaurants wären zwar bereit gewesen, die Mahlzeiten zuzubereiten. Den Lieferdienst hätten sie aber nicht übernehmen wollen.

«Da hätte man möglicherweise auch hier anderweitig eine konstruktive Lösung gefunden, um nicht Kurzarbeit anmelden zu müssen», sagt Pitschen dazu. «Für mich ist das irgendwie auch eine ethische Frage», sagt Pitschen, die sichtlich enttäuscht ist über die fehlende Solidarität mit den älteren, kranken und rekonvaleszenten Bürgerinnen und Bürgern.

Erst in Bettlach wurde sie fündig: Das Hotel Restaurant Urs und Viktor wird in die Lücke springen und gewährleistet zukünftig den zusätzlichen Bedarf am Mahlzeitendienst für diese Grenchnerinnen und Grenchner. Darüber sei sie sehr froh und gleichermassen dankbar, sagt die Spitex-Leiterin.

Mahlzeiten für bis zu 80 Spitex-Klienten

Die Spitex Grenchen bezieht den grössten Teil ihrer benötigten Mahlzeiten beim Alterszentrum am Weinberg, wo sie in speziellen Boxen abgepackt und vor Ort bei den Klienten auf einer passenden Induktionsplatte innerhalb einer Stunde aufgekocht werden, erklärt Spitex-Leiterin Cristina Pitschen. Die Spitex Grenchen verfügt über 80 solcher Boxen und gewährleistet den eigenen Lieferservice. Das aktuelle Angebot deckt aber die heutige Nachfrage nicht mehr: Einige Klienten, die auch pflegerische Dienstleistungen von der Spitex erhalten, profitieren von einem zusätzlichen, externen Mahlzeitendienst an sieben Tagen die Woche. Diese Mahlzeiten werden in normalen Warmhalteboxen geliefert.

Die Spitex vermittelt die Klienten an das jeweilige Restaurant, das dann mit ihnen gegebenenfalls einen Vertrag abschliesst. Darunter sind auch Personen, meist ältere, die nicht Klienten der Spitex sind, aber von dieser Dienstleistung gehört haben und über die Spitex vermittelt werden.

Dass das Alterszentrum am Weinberg den Dienst ausbauen könnte, stehe momentan ausser Frage, der Aufwand sei viel zu gross, und ausserdem verfüge die Spitex genau über die 80 vorhandenen Spezialboxen mit Induktionsplatten, sagt die Leiterin der Spitex Grenchen, Cristina Pitschen. Eine Anschaffung zusätzlicher Boxen stehe momentan nicht zur Diskussion, da der Spitex keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, obwohl es sich zeige, dass der Mahlzeitendienst systemrelevant sei.

Seit Beginn des Covid-19-Ausbruchs brachen laut Pitschen bei der Spitex die Spenden-Beiträge stark ein, obwohl gerade in dieser anspruchsvollen Zeit für die Pflegenden Anerkennung wichtig wäre.