Elektrogeräte und Elektronik kosten heutzutage wenig. Das verleitet die meisten Leute dazu, ein Gerät einfach zu ersetzen, wenn es einmal kaputt geht und das alte wegzuwerfen. Reparaturen beim Fachhändler – sofern es den überhaupt noch gibt – lohnen sich kaum noch. Entweder gibt es die Ersatzteile nicht mehr oder eine Reparatur würde annähernd so teuer, wie ein neues Ersatzgerät. Und böse Zungen behaupten gar, dass es für die Hersteller nicht von wirtschaftlichem Interesse sei, langlebige, robuste und auch reparierfähige Geräte herzustellen, weil damit das Wachstum dieser Industrie gebremst würde. Also baut man solche, die möglichst kaputt gehen und sich nicht oder nur schlecht reparieren lassen (siehe auch separater Artikel).

Diese Wegwerf-Mentalität ist manchen ein Dorn im Auge: Anfang Februar wurde aus einer Initiative des Forums Grenchen der Verein Repair Café Grenchen gegründet, mit dem Hintergrund, eine nachhaltigere Lebensweise zu fördern. Der Verein wird am Samstag, 29. Juni erstmals ein Repair Café im Parktheater durchführen, wo Leute ihre kaputten Haushaltsgeräte oder Unterhaltungselektronik, die ausgestiegen ist, vorbeibringen und bei der Reparatur dabeisein können. Aber nicht nur elektrische oder elektronische Geräte werden repariert, auch mechanische Dinge, wie Spielsachen oder kaputte Textilien, bei denen man beispielsweise nur einen Flicken aufnähen muss.

«Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die Leute für einen nachhaltigeren Umgang mit den Ressourcen zu sensibilisieren», erklärt Sascha Nussbaumer, Präsident des inzwischen 11 Mitglieder zählenden Vereins. «Pro Jahr fallen weltweit rund 50 Millionen Tonnen an Elektroschrott an, und nur gerade 20% werden rezykliert.» Dies, obwohl die Geräte Gold, Silber, Kupfer, Platin oder Palladium enthalten – wertvolle Rohstoffe, die schon in naher Zukunft knapp werden, wie diverse Studien zeigen (Kupfer, Zink, Gold und Silber, Zinn beispielsweise schon innerhalb der nächsten 10-30 Jahre). In der Schweiz sind es pro Jahr rund 129 000 Tonnen Elektroschrott, die jährlich entsorgt werden.

Vater und Sohn

Der 43-jährige Software-Entwickler, gelernte Elektroniker und als Bereichsleiter in einer Firma in Solothurn tätig, die Hardware und Software entwickelt, hat die Begeisterung fürs Reparieren verschiedenster Dinge von seinem Vater Peter Nussbaumer mitbekommen. Der 71-Jährige ist im Vorstand des Vereins und wird am Repair Café ebenso eine aktive Rolle spielen, wie die anderen Mitglieder des Vereins, alle mit ähnlichem Hintergrund und derselben Leidenschaft fürs Basteln und Tüfteln – Ingenieure, Elektrotechniker, Mechaniker und Modellbauer. Denn Peter Nussbaumer, der lange bei der EWG tätig war, hat sein Leben lang «herumgestromert», wie er sagt. Auch noch zu Zeiten, als Geräte nicht einfach weggeschmissen wurden, wenn sie einmal defekt waren. «Wir hatten damals ein riesiges Lager an Ersatzteilen, sei es für Bügeleisen, Staubsauger oder andere Elektro-Haushaltgeräte. Denn damals kosteten solche Geräte wesentlich mehr als heute, wo man Staubsauger für 39.90 Fr. kaufen kann. Also wurden sie geflickt, wenn sie nicht mehr liefen.»

Etwa fünf Vereinsmitglieder werden sich um die Reparatur von Elektrik und Elektronik kümmern, zwei um mechanische Reparaturen, zwei Frauen um Textilien. Die Reparaturen sind kostenlos, nur das zur Reparatur notwendige Material wird verrechnet.

Keine Konkurrenz fürs Gewerbe

Der Verein will dem Gewerbe nicht schaden: «Wir sehen ja meist schnell, ob etwas überhaupt innert nützlicher Frist zu reparieren ist, oder ob die Reparatur unsere Möglichkeiten übersteigt. Dann werden wir unsere Kunden zu einer Servicestelle des entsprechenden Herstellers schicken – oder aber wir sehen, dass sich etwas beim besten Wissen und Gewissen nicht reparieren lässt. Dann können wir dem Kunden mit gutem Gewissen empfehlen, das Gerät zu entsorgen.

Meist seien es kleinere Schäden, gelöste Lötstellen oder defekte Sicherungen, die ein Gerät dazu bringen, den Geist aufzugeben. Schäden, die man leicht reparieren könne, «sofern wir das Gerät überhaupt öffnen können», meint Sascha Nussbaumer schmunzelnd. Denn gerade bei moderneren Geräten sei oft die Krux, dass man zum Öffnen der Gehäuse schon fast Spezialwerkzeuge benötige. Aus diesem Grund wird man auch keine Handys oder TVs für eine Reparatur annehmen.

Kommt ein Besucher mit einem defekten Gerät an, muss er erst einmal einen Haftungsausschuss unterschreiben. «Auch wenn wir elektrische Geräte nach einer Reparatur einer strikten Prüfung streng nach Protokoll unterziehen, können wir keine Haftung für zukünftige Schäden übernehmen.» Geräte mit sicherheitsrelevanten Schäden werden nicht angenommen, also beispielsweise Mixer, bei denen die Befestigung der Messer defekt sei oder Toaster mit defekten Heizschlangen. «Solche Geräte müssen wir ablehnen.» In einer Triage begutachtet einer der Experten den Schaden und schätzt, wie lange die Reparatur wahrscheinlich dauert, welche Reparaturen gerade in Arbeit sind und wie lange der Kunde warten muss. «Da hat man dann Zeit, um im Restaurant Parktheater einen Kaffee zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen.»

Ist das kaputte Gerät an der Reihe, wird der Kunde gerufen und ist bei der Reparatur dabei. Er kann sogar selber mithelfen. «Wir wollen schliesslich nicht einfach nur flicken, sondern die Leute auch beraten und ihnen zeigen, wo der Fehler liegt.» Für schwierige Fälle könne man eventuell auch die Hilfe des Internets in Anspruch nehmen, sagt Nussbaumer: «Oft gibt es für spezifische Geräte Reparaturanleitungen auf Youtube, die wir zu Rate ziehen können».