Es war ein regnerischer Sonntagnachmittag, dieser 19. April 1959. Dies und die Tatsache, dass während der Woche YB noch ein Europacup-Spiel im Wankdorf absolviert hatte, drückte etwas auf das Zuschauerinteresse. Trotzdem wollten immerhin noch an die 20'000 Zuschauer den Cupfinal zwischen Servette Genf und dem FC Grenchen miterleben. Die Westschweizer galten als Favoriten.

Andreas Fankhauser erinnert sich: «Servette hatte eine starke Mannschaft mit den Ungarn Valer Nemeth, Didier Makay und Peter Pazmandy sowie dem dribbelstarken Schweizer Internationalen Jaques Fatton.» Dazu hatte Grenchen ein Problem: Stamm-Torhüter Carlo Campoleoni stand verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Sein Ersatz, Hanspeter Gutknecht, war erst 17 Jahre alt.

So kam man auf die Idee, den «Schwarzen Panther» Erwin Ballabio (41) zu reaktivieren. Dazu Walter «Petit» Löffel: «Wir wussten um die Schussstärke der Genfer und haben uns deshalb für diese Lösung stark gemacht.» Vor allem einen habe man gefürchtet: Gilbert Facchinetti. Der spätere «Monsieur Xamax» hatte in der Saison zuvor noch beim FC Grenchen gespielt. Unter Tränen habe er vor dem Cupfight mitgeteilt, dass er nicht zur Startformation gehöre. Zu dieser gehörten beim FCG mit Gilbert Raboud (Raboud II) und Ernst Karrer zwei weitere Akteure, die noch unter uns weilen.

Als Ersatz nominiert wurden überdies Jean Pierre Dubois und Hans Roth, der kurz zuvor als noch nicht 18-Jähriger sein Debut in der Fanion-Mannschaft gegeben hatte: «Für den Cupfinal setzte man auf bewährte Kräfte. Trotzdem war ich unglaublich nervös und zitterte natürlich mit dem Team», entsinnt er sich.

«Prachtstag für Servette-Goalie»

Der Match an sich entwickelte sich dann anders als vorgesehen: «Wir waren besser, Servette-Goalie Georges Stuber erwischte aber einen Prachtstag», erklärt Andreas Fankhauser. «Wir kamen schon früh zu Chancen und hätten das Spiel entscheiden müssen, aber da war eben dieser Teufelskerl im gegnerischen Kasten», sieht es Walter Löffel ebenso. So dauerte es bis zur 80. Minute, ehe René Hamel die Grenchner mit dem siegbringenden 1:0 erlöste. «Aber auch das war noch ein Geknorz», gibt Löffel zu Protokoll, «der Ball lag erst im dritten Nachschuss hinter der Linie.»

Taktisch wurde ein 4-2-4 gespielt, wobei der FCG mit einem klassischen Libero agierte. Die Fachpresse war sich einig: Der FCG hat dem Spiel den Stempel aufgedrückt, das sah der «Sport» so, aber auch die damals noch zahlreichen Publikationen aus der Westschweiz. Die Solothurner Zeitung fasste wie folgt zusammen. «Nehmen wir es gleich vorweg: Grenchen hat dieses Spiel verdient gewonnen und die berühmten Genfer über weite Strecken klar dominiert.

Die Spielanlage der Grenchner war in taktischer Hinsicht sehr gut. Der gefürchtete Genfer Sturm kam nie richtig zur Entfaltung. In Grenchens Verteidigung war kein schwacher Punkt festzustellen. Altmeister Erwin Ballabio löste seine Aufgabe gut und gab der Mannschaft viel Selbstvertrauen. Die beiden Flügelbacks (Aussenverteidiger) Löffel und Karrer bildeten trotz ihrer kleinen Statur wahre Eckpfeiler in Grenchens Abwehr. Die beiden Aufbauläufer Fankhauser und Raboud II überzeugten restlos und wirkten sowohl in der Verteidigung wie im Angriff tatkräftig mit. Hamel, der Torschütze des einzigen Treffers, dirigierte den Angriff aus dem Hinterhalt, um dann doch wieder mit dabei zu sein, wenn es vor dem Tor seiner bedurfte...»

Die Cup-Sieger Prämie belief sich übrigens auf 500 Franken. «Aber nur für die, welche zum Einsatz kamen. Wir Ersatzspieler mussten uns mit 40 Franken begnügen», ergänzt Hans Roth. Überhaupt konnte man zu dieser Zeit mit Fussball nicht reich werden. Üblicherweise wurden nur Punkteprämien ausbezahlt (40 Franken pro Punkt). «Erst gegen Ende meiner Karriere habe ich ein Salär von 1000 Franken im Jahr bezogen», präzisiert Andreas Fankhauser.

1960 erneut im Final

Der FC Grenchen stand übrigens nur ein Jahr später bereits wieder im Cupfinal, unterlag jedoch dem FC Luzern mit 0:1. Erstaunlicherweise findet man keinen der «Cup-Helden» vom Vorjahr in der Aufstellung. Andreas Fankhauser hatte sich mit Trainer Linken überworfen, Gilbert Raboud war zu Cantonal Neuenburg abgewandert. Walter Löffel zog es beruflich nach England. Er spielte nach seiner Rückkehr noch kurz beim FC Basel, zog aber bald einen Schlussstrich unter seine Karriere, da er auf den Beruf setzte und in der Folge erfolgreicher Unternehmer wurde.

Hans Roth zog es nach Thun und Porrentruy, ehe auch er die Fussballschuhe an den Nagel hängte und ebenfalls Karriere als langjähriger Geschäftsführer in der Privatwirtschaft machte (Décolletage AG). Andreas Fankhauser hinterliess im Sport noch seine Spuren. Als Spielertrainer brachte er Moutier in die höchste Spielklasse, ein Kunststück, das er einige Jahre später als Trainer (Coach: Ballabio) beim FCG wiederholte. Auch im Amateurfussball hatte er Erfolg und realisierte mit diversen Mannschaften den Aufstieg.