Remo Bill, vor einem Jahr haben Sie das Amt von Thomas Furrer übernommen. Drei Jahre sind Sie erst politisch aktiv und übernehmen gleich ein Parteipräsidium. Wie schmerzhaft war der Sprung ins kalte Wasser?
Remo Bill:
Gar nicht. Ich bin mit meinem ersten Jahr als Präsident zufrieden. Ich habe versucht, der Partei neue, einfachere Strukturen zu geben. Wir werden intern ein neues Ressortsystem einführen, damit die Vorstandsmitglieder stärker in die Verantwortung genommen werden. Den Arbeitsaufwand im ersten Jahr habe ich unterschätzt, aber mit dieser Straffung der Parteiorganisation würde ich entlastet.

Mehr Arbeit für die anderen Vorstandsmitglieder. Eine mutige, erste Amtshandlung.
Nun ja, das eine oder andere Mitglied gilt es, noch zu überzeugen. Zurechtgefunden habe ich mich allerdings rasch. Durch meinen Beruf und meine achtjährige Zeit als Präsident der OL-Gruppe Biberist-Solothurn weiss ich, wie man eine Organisation führt.

Nicht nur im Vorstand, sondern auch bei der Kommunikation wollen Sie Lücken schliessen. Wieso?
Weil die Kommunikation nach innen ein zentrales Führungselement ist. Deshalb habe ich die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit gegründet. Heute versenden wir regelmässige SP-News an Mitglieder und Sympathisanten und das «rote Blatt», welches die gesamte Grenchner Bevölkerung über unsere Aktivitäten informiert.

So dringen auch keine Neuigkeiten ungefiltert nach aussen, oder?
Ja. Es geht keine Info mehr aus der Partei, welche vorher nicht über meinen Schreibtisch gegangen ist.

Eine schwierige Aufgabe ist das Werben neuer Mitglieder. Wie steht die Partei heute zahlenmässig da?
Wir haben im letzten Jahr den Bestand halten können. Über die genaue Zahl gebe ich keine Auskunft. Mich dünkt aber, dafür, dass Grenchen im Kanton Solothurn eine SP-Hochburg ist, dürfte die Mitgliederzahl noch höher liegen. Neue Mitglieder zu generieren, ist nicht einfach. Wir versuchen einiges, mit Standaktionen, einer neuen Facebook-Gruppe und der aktuellen Homepage. Das alles macht aber wieder Arbeit – und für mehr Arbeit bräuchten wir mehr Leute.

Eines Ihrer angekündigten Ziele war es, bei der Bevölkerung mehr Vertrauen in die Politik zu schaffen. Wie kommen Sie damit voran?
Ich arbeite daran. Wir sind noch nicht am Ziel, und diese Vertrauensbildung wird mich bestimmt während meiner gesamten Amtszeit beschäftigen, sie beschäftigt letztlich alle Parteien. Manchmal ist es schon bedenklich, wenn man sieht, wie wenig Interesse das Stimmvolk an der Politik hat. Stehen an einer Gemeindeversammlung keine grossen Geschäfte an, ist die Beteiligung mit 30 oder 40 Personen viel zu tief. Da muss man sich gleichzeitig aber auch fragen, ob es sich denn noch lohnt, über die wichtigen Projekte abstimmen zu lassen.

Weshalb?
Nehmen wir das Beispiel der letzten Gemeindeversammlung im Dezember, die mit über 300 Anwesenden gut besucht war. Wegen des Velodromes, das auf dem Fussballtrainingsfeld gebaut wird, waren sehr viele kritisch gestimmte Fussballer gekommen. Wegen der Kosten für den Zivilschutz und ihrem Ärger über die neue Blaulichtorganisation «Schutz & Rettung Grenchen» war ausserdem eine ganze Schar Feuerwehrmänner erschienen. Das sind aber Betroffene mit Partikularinteressen, die das Gesamtbild stark beeinflussen können.

Sie betonen immer wieder, dass Ihnen die Infrastruktur der Stadt wichtig ist. Wieso?
Die Infrastruktur verändert sich, und die Entwicklung einer Stadt ist wichtig für die Identität der Menschen, die dort leben. Derzeit wird sehr viel gebaut in Grenchen, und es entsteht neuer Wohnraum. Mit dem Velodrome wird Grenchen endlich die lang ersehnte Mehrzweckhalle erhalten. Grenchens architektonisches Erbe kann sich ebenfalls sehen lassen, wie die Auszeichnung mit dem Wakkerpreis bewiesen hat. Der Preis ist aber auch eine Verpflichtung für die Zukunft.

Eine Verpflichtung wozu?
Zur Architektur Sorge zu tragen, neue Gebäude so zu bauen, dass sie das Stadtbild prägen und nicht stören.

Denken Sie dabei an bestimmte Bauprojekte?
Sagen wir es so: Es gibt bestimmt Baustellen, die man im Auge behalten darf. Dazu gehören nicht zuletzt die geplanten Gebäude der SWG im Brühl, welche eine Visitenkarte für die Stadt sein werden sowie die Pläne auf dem Spitalareal. Dort scheint ja jetzt einiges zu gehen, dennoch musste das Siegerprojekt aus dem einstigen Architekturwettbewerb wieder aufgegeben werden. Ebenfalls kritisch blicke ich auf das Vorhaben der Baudirektion, im Lingeriz-Quartier alles abzureissen und neu aufzubauen. Das kann zwar eine Lösung sein, aber sanfte Massnahmen in Zusammenarbeit mit den Liegenschaftsbesitzern würde ich vorziehen.

Und was sind gute Bauprojekte?
Der SP Grenchen ist sicher wichtig, dass der Flughafen seine Pistenverlängerung und die SWG den Windpark realisieren kann. Hinter beiden Projekten stehen wir. Ausserdem bin ich sicher, dass der Stadt eine Markthalle guttun würde. Es gäbe ja beim SoBa-Hinterhof oder hinter dem alten EPA-Gebäude genügend Baulücken, die man schliessen könnte. Das Stadtzentrum muss als Erstes verdichtet werden.

Zu den kommunalen Wahlen im nächsten Jahr. Wird Stadtpräsident Boris Banga nochmals antreten?
Darüber geben wir noch keine Auskunft. Ich habe mir natürlich auch schon Gedanken gemacht, wie es denn «ohne Boris» wäre. Es gibt in unseren Reihen durchaus Personen, die für sein Amt infrage kämen.

Zum Beispiel?
Ich werde keine Namen nennen.

Sie selbst?
Nein (lacht), ich bestimmt nicht.

Urs Wirth?
(Wartet kurz.) Ich will dazu wirklich nichts sagen. Aber wir werden bestimmt noch im Verlaufe dieses Jahres über die Kandidaten informieren.