Grenchen
«Rein privates Interesse der Flugplatzbetreiberin reicht nicht aus»

Ob Bauern, Umweltverbände oder die Gemeinde Selzach: Die Stellungnahmen zur geplanten Pistenverlängerung fallen kritisch aus und sehen noch zahlreiche Hürden.

Lucien Fluri
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Kritik an der Pistenverlängerung

Kritik an der Pistenverlängerung

Hanspeter Bärtschi

Jetzt liegen die ersten Stellungnahmen zur geplanten Pistenverlängerung des Grenchner Flughafens vor. Bis am vergangenen Freitag hatten Behörden, Verbände und Organisationen Zeit, dem Kanton ihre Meinung zum Projekt kundzutun. Mit diesen Papieren endet die erste Runde der Koordinationsgespräche zwischen Flughafen, Behörden und Verbänden. – Die Gespräche hatten im September stattgefunden. Im Januar folgt eine weitere Gesprächsrunde, allenfalls eine dritte im Frühling. Erst dann wird die Solothurner Regierung entscheiden, ob die Pistenverlängerung überhaupt realisiert werden soll.

Bauern: Schutz von Ackerland

Noch zahlreiche Hürden sieht der Solothurner Bauernverband. Sollte der Pistenausbau kommen, ist für die Landwirte besonders wichtig, dass sie kein Ackerland verlieren. Ein Dorn im Auge sind den Bauern ökologische Ersatzmassnahmen auf Ackerland: «Soweit als möglich sind ökologische Ersatzmassnahmen nicht nur im Landwirtschaftsgebiet, sondern auch im Bereich der Uferbestockung des Flusses oder auch in etwas weiter entfernt liegenden Wäldern zu suchen», heisst es in der Stellungnahme des Bauernverbandes. Ausgleichsmassnahmen wie Tümpellandschaften oder Hecken auf Ackerland kommen für den Bauernverband nicht in Frage.

Selzach: Mehr Lärm befürchtet

Ein klares Nein zur Pistenverlängerung kommt aus Selzach. Die Gemeinde sieht grundsätzlich gar «keinen Bedarf nach einer weiteren Pistenverlängerung». Der Flughafen könne seinen Zweck auch mit der heutigen Infrastruktur erfüllen, heisst es relativ absolut in der Stellungnahme der Gemeinde. Schliesslich sei «in keiner Art und Weise nachgewiesen, dass es eine entsprechende Nachfrage gibt». – «Offenbar erhofft sich der Regionalflugplatz zusätzliche Flugbewegungen in dieser Sparte, um dadurch die Rentabilität zu steigern.»

Selzach befürchtet zusätzlichen Lärm über Altreu und dadurch nicht nur weniger Standortattraktivität, sondern auch einen Wertverlust der Häuser. «Es ist nach Meinung des Gemeinderates illusorisch, zu glauben, dass die einfachste Anflugroute nicht die direkte über Altreu darstellt», schreibt der Gemeinderat, der zudem keinen gerechtfertigten Grund für den Eingriff in die Witi-Schutzzone ausmachen kann. Das «rein private wirtschaftliche Interesse der Flugplatzbetreiberin reicht nicht aus, um eine Änderung der Zonenvorschriften der kantonalen Landwirtschafts- und Schutzzone Witi zu rechtfertigen.»

Naturschutz: Kein Eingriff in Witi

Klar ablehnend ist auch die Haltung mehrerer Umweltschutzverbände (Pro Natura, Vogelschutzverband, WWF, Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare, «Für üsi Witi», VCS, Fischereiverband, Storch Schweiz und Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz). Sie schreiben, sie hätten vergeblich versucht, in den bisherigen Gesprächen ihre Anliegen einzubringen. Dort sei dem Natur- und Landschaftschutz nur «ungenügend Rechnung getragen» worden. Die angebotenen Ausgleichsmassnahmen halten die Verbände für «ungenügend, nicht fundiert abgeklärt und nicht umsetzbar».

In den Augen der Umweltschützer ist die Pistenverlängerung nicht mit der kantonalen Landwirtschafts- und Schutzzone Witi vereinbar. Denn das Projekt habe zu grosse negative Auswirkungen auf die Tierwelt und deren Lebensraum. «Die Auswirkungen auf Weissstorch und Hase wären gravierend», schreiben die Umweltverbände in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Sie befürchten eine «massive Dezimierung der Storchenpopulation». Die Tiere könnten durch die Anflüge gestört oder vergrämt werden, wenn die Anzahl der Flüge in der Nähe von Altreu zunimmt. - Der Flughafen selbst hat allerdings betont, das bisherige Anflugregime möglichst beizubehalten. Auswirkungen befürchten die Umweltverbände auch auf den Wildtierkorridor, der den Austausch der Wildtiere zwischen der ersten Jurakette und dem Gebiet Leuzigenwald sicherstellen soll.

Fluglärm-Komitee: Mehr Zahlen

36 Seiten dick und mit vielen Bedenken versehen ist die Stellungnahme des «Komitee gegen unverhältnismässigen Fluglärm». Dieses sieht eine Pistenverlängerung in krassem Gegensatz zur Energiestrategie des Kantons. Grundsätzlich hält es fest: «Bevor ein Grundsatzentscheid der Regierung betreffend weiterführens des Verfahrens überhaupt zu fällen ist, muss zuverlässigeres Zahlenmaterial mit Ausssagen über mehrere Jahre hinweg beschafft
werden.»

Überraschend ist die Kritik in den Stellungnahmen nicht: Es war bereits bekannt, wie heftig gewisse Kreise das Projekt ablehnen. Und andererseits könnte der eine oder andere mit einer harten Haltung jetzt an den kommenden Verhandlungsrunden ein besseres Resultat herausschlagen.