Bettlach-Grenchen

Reformierte Kirchgemeinde streicht Pfarrstelle

Reformierte Zwinglikirche Grenchen. Die Kirchgemeinde will sparen und entlässt die Pfarrerin.

Reformierte Zwinglikirche Grenchen. Die Kirchgemeinde will sparen und entlässt die Pfarrerin.

Auf Ende 2017 muss sich die Pfarrerin der reformierten Kirche eine neue Stelle suchen. Der Grund: Die Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach muss sparen.

Die reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach macht Ernst mit Sparen. Auf das Ende der Amtsperiode im Jahr 2017 wird das Seniorenpfarramt (75 Stellenprozent) aufgehoben. Das hat die mit knapp 100 Personen überdurchschnittlich gut besuchte Kirchgemeindeversammlung mit relativ knappem Mehr beschlossen. Das heisst im Klartext, dass sich die bisherige Stelleninhaberin, Pfarrerin Kornelia Fritz, eine neue Wirkungsstätte suchen muss.

An diesem Punkt schieden sich denn auch die Geister. Während die einen im Sinne des Kirchgemeinderates von der Aufhebung einer Stelle, die mit einer Kündigungsfrist von über einem Jahr sozial verträglich sei, argumentierten, sprachen die anderen von Entlassung; und dies sei einer Kirchgemeinde unwürdig.

Warum nicht warten bis 2019

Der ehemalige Kirchgemeindepräsident Rolf Enggist formulierte denn auch einen Rückweisungsantrag. Das Pfarrstellenmodell mit 300 Stellenprozent (anstatt 375%) sei zwar einzuführen, jedoch erst auf das Jahr 2019. Zu diesem Zeitpunkt geht Pfarrer Roland Stach in Pension. Das neue Modell könnte also mit dem alten Personal realisiert werden. In einer geheimen Abstimmung unterlag dieser Antrag dann mit 51 zu 41 Stimmen.

Zuvor hatte der aktuelle Kirchgemeindepräsident Martin Joss die Beweggründe für die Neustrukturierung dargelegt. Die finanzielle Grundlage für 375 Stellenprozent sei nicht gegeben. Tatsächlich hat die Rechnung in den letzten 5 Jahren teilweise massiv defizitär abgeschlossen. Man lebe auf Kosten des Vermögens (liquide Mittel ca. 1,4 Millionen) und dies könne nicht nachhaltige Politik sein. Dazu komme, dass weiterhin mit Kirchenaustritten (Mindereinnahmen bei den natürlichen Personen) zu rechnen sei und der Finanzausgleich sowie die Unternehmenssteuerreform 3 bei den juristischen Personen negative finanzielle Auswirkungen haben werden.

Mit dem neuen Modell bleiben die drei Pfarrkreise (West, Ost, Markus Bettlach) bestehen. Eine Arbeitsgruppe hat unter Mitwirkung der Pfarrpersonen zudem ein Konzept zur Umsetzung entwickelt. So soll sichergestellt werden, dass die bisherigen Leistungen auch in Zukunft angeboten werden können.

175'000 Franken für Fluchtweg

Im Weiteren hat die Versammlung einen Kredit von 175'000 Franken für einen zusätzlichen Fluchtweg mit Notbeleuchtung aus dem Zwinglisaal mit 50 gegen 30 Stimmen gutgeheissen. Ein Antrag, der sowohl die Kosten als auch die Zweckmässigkeit der vorgeschlagenen Lösung in Frage stellte, wurde mit diesem Ergebnis abgelehnt. Man folgte so mehrheitlich der Argumentation des Kirchgemeinderates. Dieser hatte betont, dass die baulichen Massnahmen aufgrund einer Intervention der Gebäudeversicherung nötig seien. Bei Nichtbefolgen befürchtete man Einschränkungen bei der Benützung des Saales.

Rechnung genehmigt

Einstimmig gutgeheissen wurde die Rechnung 2015. Diese schliesst zwar mit einem Defizit von gut 57'000 Franken ab, fällt damit aber um einiges besser ab als der budgetierte Fehlbetrag von 265'000 Franken. Der Präsident der Finanzkommission Urs Neuhaus betonte, dass das relativ gute Rechnungsergebnis auf die Sparbemühungen in allen Bereichen und von allen Mitarbeitenden zurückzuführen sei. Dass die finanzielle Lage der reformierten Kirchgemeinde angespannt ist, zeigt auch die Tatsache, dass im Berichtsjahr kein einziger Franken investiert wurde.

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