Grenchen
Reformierte Kirche rutscht in die roten Zahlen

Erstmals seit 2005 musste die Reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach für das Jahr 2012 ein Defizit verbuchen. Der Rückgang an Mitgliedern hält an.

Andreas Toggweiler
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Zwinglikirche in Grenchen

Zwinglikirche in Grenchen

Oliver Menge

Die Gemeindeversammlung unter der Leitung von Präsident Rolf Enggist musste Kenntnis nehmen von einem Defizit in der Höhe von 135 529 Fr., dies bei Einnahmen von 2,648 Mio. Fr. und Ausgaben von 2,499 Mio. Fr. Es ist das erste Defizit seit mehreren Jahren. Laut Angaben von Kirchenverwalter Ruedi Köhli wurden letztmals in den Jahren 2005 und 1999 rote Zahlen geschrieben.

Laut Urs Neuhaus, Präsident der Finanzkommission, hat man zwar einen leichten Ausgabenüberschuss budgetiert, nicht aber in dieser Höhe. Massgeblich für die Budgetabweichung waren vor allem zwei Faktoren: Die Stadt Grenchen, für den Steuerbezug zuständig, habe die erwarteten Steuerererträge in den Jahren 2008-2011 zu hoch eingeschätzt. Für diese Jahre mussten Minuskorrekturen in der Höhe von rund 88 000 Franken verbucht werden.

Weniger Steuern

Ferner lag der Steuerertrag bei den natürlichen Personen 96 000 Franken unter dem Budget, während bei den juristischen Personen ein leichtes Plus von 17 000 Fr. und bei der Grundstückgewinnsteuer ein solches von 6000 Fr. verzeichnet wurde. «Insgesamt nahmen wir 146 000 Fr. weniger Steuern ein, als budgetiert», sagte Neuhaus. Gegenüber der Rechnung 2011 gingen die Steuereinnahmen gar um 238 000 Fr. zurück.

Ein grosser Teil der Mindereinnahmen sei auf die letzte Steuergesetzrevision zurückzuführen, bei der die Entlastung beim Vermögenssteuerertrag wirksam werde. Auch die allgemeine Wirtschafts- und Finanzsituation spiele eine Rolle. Die Gegenwartsbesteuerung mache zudem eine Einschätzung der Erträge schwieriger.

Mitgliederrückgang hält an

Ein weiterer Aspekt, der allerdings an der Versammlung ungenannt blieb, ist aus den Kennzahlen ersichtlich: der Rückgang der Kirchenmitglieder. Die Statistik weist für das Jahr 2012 noch 5846 Reformierte in Grenchen und Bettlach aus. Im Jahr 2011 waren es noch 6255. Allerdings kam es 2012 nicht zu 409 Kirchenaustritten. Laut Ruedi Köhli wurde letztes Jahr die Statistik überprüft und bereinigt; beispielsweise wurden Wochenaufenthalter gestrichen.

Doch auch so hält der Rückgang der Mitglieder, z. B. durch Kirchenaustritte an. «Eine Trendwende ist leider zurzeit nicht feststellbar», bestätigt Köhli. Zwar verzeichne die Region Zuwanderung, oft aber von Personen keiner oder anderer Religionszugehörigkeit.

Offene Steuerforderungen

Auf die entsprechende Frage von Rolf Dysli bezifferte Ruedi Köhli den Betrag von ausstehenden Steuerguthaben: 565 000 Fr. haben sich in den vergangenen acht Jahren angehäuft. Man rechne mit uneinbringlichen Forderungen von etwa 35 000 Fr. pro Jahr.

Einstimmig beschlossen die 29 anwesenden Stimmberechtigten ferner eine total revidierte Gemeindeordnung (GO). Pfarrer Roland Stach (Bettlach) erläuterte die wichtigsten Änderungen. Die Reformen seien durch das 2009 beschlossene Projekt «Lebendige Gemeinde» angestossen worden. Verschiedene Pflichtenhefte und Reglemente wurden überarbeitet oder neu erstellt.

Die GO sei stark von den Vorgaben des Gemeindegesetzes geprägt und lehne sich in wichtigen Bereichen an die neue GO der Stadtsolothurner Reformierten an. Im neuen Organigramm ist insbesondere die neue Kommission «Kirchliches Leben» zu erwähnen, welche die Bereiche mittleres Alter, Erwachsenenbildung und Senioren abdeckt.

Verankert wird ein «Konvent» der kirchlichen Mitarbeiter als Koordinationsgremium. Die Rechnungsprüfung kann ausgelagert werden, was gemäss Präsident Rolf Enggist angestrebt wird. Der Kirchgemeinderat umfasst weiterhin 13 Mitglieder, davon bis auf weiteres einen Vertreter französischer Muttersprache. Das im April still gewählte Gremium tritt am 28. August zur konstituierenden Sitzung zusammen.

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