Anfangs Juli weilten Jugendliche und Begleiter aus der französischen Ortschaft Saint Jean du Gard in Grenchen. Die Ortschaft in den Cevennen mit gut 2700 Einwohnern liegt etwa 60 km nordöstlich von Nîmes und ist eine Partnergemeinde der reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach.

Denn die Cevennen waren ein Rückzugsgebiet der Hugenotten (Protestanten), welche nach dem Edikt von Nantes (1684) vom französischen König vertrieben bzw. verfolgt wurden. Viele Hugenotten flüchteten in die Schweiz, aber auch ins heutige Deutschland. Sie brachten unter anderem die Handwerkskunst der Uhrmacherei mit. Den «Huguenots et Camisards» widmet St. Jean jeweils im Sommer ein Festspiel, welches das Schicksal der Minderheit, welche für die Gewissensfreiheit kämpfte, thematisiert.

«Die Partnerschaft mit Saint Jean du Gard besteht schon seit Jahrzehnten, wurde aber in jüngster Zeit wiederbelebt», erklärt der reformierte Pfarrer Donald Hasler. So wurden die beiden letzten Grenchner Konfirmandenlager im Dörfchen Mialet in der Nachbarschaft von Saint Jean du Gard durchgeführt. Dabei wurden zwischen den Grenchner Jugendlichen und den dortigen jungen Protestanten einige Kontakte geknüpft, die dank Internet bzw. WhatsApp auch anhalten.

Und so war es an der Zeit, dass auch Konfirmanden aus Frankreich einmal zu einem Besuch nach Grenchen eingeladen wurden. Letzte Woche war es soweit und fünf Teenager aus Frankreich konnten während vier Tagen Grenchen und die weitere Region kennenlernen. Die Jugendlichen und ihre Begleitpersonen waren bei Privatpersonen der Kirchgemeinde untergebracht und ihnen wurde ein interessantes Programm geboten.

Auf den Spuren der Täufer

Nach der Anreise vom Montag begab man sich am Dienstag auf die Spuren der Täuferbewegung, eine reformierte Gruppierung die insbesondere im Kanton Bern im 16. und 18. Jahrhundert verfolgt und vertrieben wurde. «Dass auch Protestanten andere Protestanten verfolgen können, war für die Jugendlichen wohl eher neu», meint Hasler. Doch es war eine Tatsache. Der Fürstbischof von Basel erlaubte schliesslich, dass die Täufer im Jura auf einer Höhe ab 1000 Meter siedeln durften. Erst in jüngster Vergangenheit wurde das Unrecht überhaupt thematisiert und teilweise aufgearbeitet.

Am Mittwoch folgte ein Besuch in der Kanti Solothurn, sinnigerweise in der Französischlektion, aber auch in weiteren Fächern. Danach gabs eine Stadtführung durch Solothurn und eine Schifffahrt zurück nach Grenchen. Dank dem guten Wetter waren auch noch andere Outdoor-Aktivitäten möglich, wie eine Trottinettfahrt vom Unterberg hinunter in die Stadt oder ein Badi-Besuch.

Am Donnerstag hiess es nach einer Grenchner Stadtführung schon wieder Abschied nehmen. Der Bürgermeister von Saint Jean du Gard, Michel Ruas, reiste höchstpersönlich mit dem Kleinbus an, um seine «Schützlinge» wieder in Empfang zunehmen und nach Hause zu chauffieren. Unter den gegebenen Umständen machte Ruas natürlich auch noch Stadtpräsident François Scheidegger im Hôtel de Ville seine Aufwartung.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen wurden Ansprachen und Geschenke ausgetauscht und der besondere Moment vor der Mazzini-Statue im Gruppenbild festgehalten. Denn immerhin war Mazzini auch ein Flüchtling, wie einstmals die französischen Protestanten. Die übrigens auch heute noch in Frankreich eine krasse Minderheit sind: 1 Million auf gesamthaft etwa 65 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner der «Grande Nation».