Amtsgericht Solothurn-Lebern

Rechtsmediziner: «Das Messer wurde mit hoher Energie eingesetzt»

Tötungsdelikt vor dem Grenchner Club «Luxory». (Archiv)

Tötungsdelikt vor dem Grenchner Club «Luxory». (Archiv)

Amtsgericht Saban B.* stach mit aller Kraft zu und seine dissoziale Störung ist nicht therapierbar. Diese Erkenntnisse brachte der dritte Prozesstag, an dem das Amtsgericht Solothurn-Lebern die medizinischen Gutachter zum Tötungsdelikt im Luxory Club vom 3.April 2011 befragte.

«Das Messer wurde mit hoher Energie eingesetzt», beschrieb der Rechtsmediziner Thomas Ketterer die sieben Stichwunden, die er bei der Untersuchung der Leiche des 22-jährigen deutschen Türstehers vorfand. Die detailgenauen Beschreibungen der grauenhaften Verletzungen waren schwer zu ertragen.

Bei den beiden Stichen in den Bauch sei sogar das Fettgewebe durch den Messergriff gequetscht worden, weil die Klinge bis zum Ansatz in den Rumpf gestossen wurde, fuhr Ketterer fort. «Das Opfer war jung, gesund und athletisch. Keine der Verletzungen war sofort tödlich, er war noch eine gewisse Zeit handlungsfähig.» Die beiden tiefen Stiche von vorne bis in die Leber hatten einen enormen Blutverlust zur Folge.

Die beiden Stiche von der Seite und von hinten in die Lunge führten zum Kollaps eines Lungenflügels. «Das Zusammenwirken dieser vier gefährlichen Verletzungen führte zum Tod», erklärte der Rechtsmediziner. «Die anderen drei Stiche führten nur zu Muskelverletzungen, banal gesagt sind das Fleischwunden.»

Opfer konnte sich nicht wehren

Dazu fand der Rechtsmediziner noch zwei Wunden durch stumpfe Verletzungen am Kopf und eine am Rumpf. «Ich gehe davon aus, dass es Schläge mit einem längeren Gegenstand gewesen sind, zum Beispiel mit einer Stange. Diese Verletzungen trugen aber nicht zum Ableben bei.»

Dann wollte Gerichtspräsident Rolf von Felten wissen, ob sich der Türsteher gewehrt habe. «Es gab keine Abwehrverletzungen, die man üblicherweise an den Händen oder Armen findet», erklärte Thomas Ketterer. «Gab es Angriffsverletzungen, hat er zum Beispiel mit den Fäusten zugeschlagen?», insistierte der Gerichtspräsident. «Nein, an den Händen gab es gar keine solchen Verletzungen», ergänzte der Rechtsmediziner.

Als zweiter Experte wurde der forensische Psychiater Lutz-Peter Hiersemenzel befragt. Der erklärte das Resultat eines Tests, den er mit Saban B. zur Impulsivität durchgeführt hatte. «So extreme Resultate sind sehr selten», sagte Hiersemenzel. «Je höher der Wert dieses Tests, desto höher das Rückfallrisiko und umso geringer die Therapiermöglichkeit. Er kommt in die höchste Risikogruppe.»

Täter kaum therapierbar

Hiersemenzel beschrieb die beiden Seiten des Messerstechers: «Wenn er in guter Stimmung ist, dann kann er sozial und hilfsbereit sein. Wenn seine Stimmung umschlägt, dann kann er schnell aggressiv werden.» Seine geringe Frustrationstoleranz mache ihn gefährlich.

Während die Verteidigung therapeutische Massnahmen wünscht, rät der Psychiater davon ab, da er Saban B. als gar nicht therapierbar einstuft. Trotzdem gibt Hiersemenzel die Hoffnung nicht ganz auf: «Man unterschätzt den Einfluss der Straferfahrung auf Gewalttäter. Feste Tagesstrukturen und Arbeitszeiten können positiv wirken.

In ein paar Jahren müsste man überprüfen, wie er sich entwickelt hat.» Denn laut Hiersemenzel lässt die Problematik der emotionalen Instabilität oft im Alter von 30, 35 Jahren nach.

*Name von der Redaktion geändert

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