Radsport

Radrennfahrer trainiert auf Strassen und Bergen - im Winter auch im Velodrome

Velofahrer Alex Kaufmann erklärt den Unterschied zwischen einem Bahnrad (rechts) und einem Velo für die Strasse.

Velofahrer Alex Kaufmann erklärt den Unterschied zwischen einem Bahnrad (rechts) und einem Velo für die Strasse.

Alex Kaufmann legt wöchentlich bis zu 360 Kilometer auf dem Velo zurück. Um seine Kondition über den Winter beizubehalten, nutzt er die Meisterschaftsstrecke im Velodrome.

Nicht nur professionelle Bahnfahrer kommen für ihre Trainings von weit her ins Velodrome, um auf der in der Schweiz einzigartigen Bahn zu fahren. Es ist auch eine neue Strömung entstanden: Radrennfahrer halten sich durch die 250 Meter lange Meisterschaftsstrecke im Winter fit, um im Sommer den Radrennsport ohne Verluste der eigenen Ausdauer aufzugreifen. Alex Kaufmann, SP-Gemeinderat und Bau- und Projektleiter, ist einer von ihnen.

Vor acht Jahren begann er mit dem Radsport. Davor fuhr er lange Mountainbike. «Bereits als Kind bin ich gerne Velo gefahren», erklärt der bald fünfzigjährige Grenchner. «Als die Mountainbikes die Schweiz erreichten, wollte ich das ausprobieren. So hat es vor zwanzig Jahren angefangen.»

Vor der Zeit des Velodrome hat Kaufmann durch Fitness seine Kondition über die kalten Monate beizubehalten versucht. Fitness macht er nach wie vor, doch das Bahnfahren hat klare Vorteile. «Es gibt effektivere Ergebnisse», beschreibt der passionierte Hobbyfahrer. Er habe nach dieser ersten Wintersaison im Velodrome bemerkt, dass er mehr Kraft in den Sommer mitnehmen konnte. Zudem sei das Pedalen beim Rennvelo nun viel leichter geworden.

«Das Bahnfahren macht Spass; man fährt in Gruppen. Dadurch macht man neue Bekanntschaften und man eignet sich eine neue Art zu fahren an.» Auf der Bahn fahre man sehr eng zusammen, man müsse aufeinander achten. «Ich konnte viel dazulernen. Nach der sportlichen Aktivität im Velodrome geht man zusammen im Restaurant etwas trinken. Das gehört einfach dazu.»

Spezielle Fahrräder

Kaufmann hat ein Rennvelo (BMC) und ein Bahnrad (Pinarello). Gerade Letzteres mag für solche, die es nicht kennen, speziell erscheinen. Auf einer Strasse könnte man es nicht benutzen. «Da es ein Velo ist, das mit Starrlauf funktioniert, muss man immer in die Pedale treten, man kann nicht im Leerlauf fahren», so Kaufmann. Es hat keine Gänge und keine Bremsen. Kaufmann: «Bremsen wären auf der Bahn fatal. Es würde zu abrupt kommen und die nachfolgenden Fahrer hätten keine Möglichkeit zu reagieren.»

Zwar gibt es Bahnräder mit Schlauchpneus, aber diese werden, wenn überhaupt nur von Einsteigern verwendet. Die anderen Pneus (Collie), sind aufgeklebt und ohne Schlauch. Wenn sie platzen, dann hat der Sportler Zeit zu reagieren, während beim Schlauchpneu der Schlauch abgerollt wird. Die empfindlichen Collie-Pneus können auf der Strasse schnell kaputt gehen.

Karbon versus Alu

Doch eine Verwandtschaft zum Rennrad gibt es: Man sitzt in einer ähnlichen Position und muss ständig konzentriert sein, denn bei so hoher Geschwindigkeit zu fahren ist nicht ungefährlich.

Auf der Bahn benutzt Kaufmann ein Velo mit Alurahmen. «Es ist ein Einsteigermodell und schwerer als das Carbonrad», erläutert Kaufmann. Mit dem Carbonrad liesse sich aggressiver fahren, was gerade bei Wettkämpfen die Entscheidung einbringen könne. Das Carbonrad würde zudem aus einem Stück hergestellt, das Alurad hingegen aus mehreren Teilen zusammengeschweisst, was man an den Nähten erkenne.

Grundgeschwindigkeit einhalten

Die Bahn des Velodrome ist im Sommer leer. Sie ist bis zum 4. August wegen der Sommerferien geschlossen. Man kann aber auch nicht einfach so auf der Bahn fahren. Zuerst muss man einen Kurs absolviert haben und die Grundgeschwindigkeit einhalten können. «Unter dreissig Stundenkilometern rutscht man ab. Man kann bis zu sieben Meter tief fallen und die anderen Fahrer mitziehen», beschreibt Kaufmann das Szenario.

Er bewegt sich zwischen dreissig und vierzig Stundenkilometern. Im Winter trainiert er zweimal wöchentlich über die Mittagszeit (je 90 Minuten), im Sommer steigt er bis zu drei Mal die Woche aufs Rennrad und legt jeweils zwischen 70 und 120 Kilometern zurück. Die Paradestrecke: Um den Bielersee (75 Kilometer). Bei günstigen Windverhältnissen braucht Kaufmann dafür zwei Stunden und fünfzehn Minuten.

Rundfahrten und Events

An Rennen nimmt Kaufmann aber weder beim Bahn- noch beim Radsport teil. Aber er macht bei Rundfahrten und Events mit. Das Fahren auf dem Rennrad sei «eine Sucht»¸ lacht Kaufmann. «Es ist dynamisch, man will eine Strecke in einer bestimmten Zeit bewältigen, was anspornt.» Sein Ziel ist, sein erreichtes Level jetzt beibehalten zu können.

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