Grenchen

Radballer wehren sich für ihre Halle

Radballturnier in der alten Turnhalle Grenchen. Die Sportler suchen nach einer alternativen Lokalität, bis jetzt ohne Erfolg. (archiv)

Radballturnier in der alten Turnhalle Grenchen. Die Sportler suchen nach einer alternativen Lokalität, bis jetzt ohne Erfolg. (archiv)

2018 soll die alte Turnhalle zur neuen Stadtbibliothek umgebaut werden. Die Grenchner Radballer verlieren ihre Trainings- und Turnierhalle und wehren sich.

François Scheideggers Woche begann mit einem bösen Brief: Kevin Gander, Präsident des Radballvereins ATB Grenchen, beschwerte sich in einem Email beim Stadtpräsidenten darüber, dass man den Radballern die Halle nehmen will, in der sie die letzten 15 Jahre trainiert und ihre Turniere durchgeführt haben: «Im Jahr 2015 hatte uns die Stadt Grenchen angekündigt, dass wir die Alte Turnhalle, wegen den Umbauplänen zu einer Bibliothek, verlassen müssten. Nach einer Verschiebung der Umbaupläne erfuhren wir noch im selben Jahr, dass unser Umzug erst per 2018 anstehen würde. Gleichzeitig wurde unserem Verein eine Anschlusslösung in Aussicht gestellt. Unser Verein hat sich seither äusserst kooperativ und offen gegenüber neuen Trainingsstandorten gezeigt. Etwas überrascht nehmen wir zur Kenntnis, dass diesbezüglich bis heute kein Fortschritt festzustellen ist. Dies obwohl wir unsererseits Vorschläge gemacht haben.»

Die Nordbahnhofs-Turnhalle würde sich laut Gander als Ersatz eignen, zumal dort sogar ein Radballspielfeld aufgezeichnet ist und der Radballverein in früheren Jahren dort auch schon Trainings und Turniere durchführte. Selbst die Befürchtung, der Gummiboden könnte leiden, wird entkräftet: «Die meisten anderen uns bekannten Radballvereine trainieren seit Jahren auf einem Gummiboden, ohne diesen beschädigt zu haben und ohne Reklamationen seitens der Gemeinden.»

Trotz mehrfachen Vorschlägen ihrerseits habe die Stadt einschlägige Hallen nicht einmal geprüft, sondern verfolge weiterhin die Idee, die Radballer ins Velodrome zu schicken. Aber: «Nach einer genauen Prüfung zusammen mit der Stadt ist dieser allerdings keine Option. Der Betreiber lässt keinen Radballbetrieb zu. Ausserdem wäre eine Einstandsinvestition von über 20 000 Franken notwendig.»

Das hatte auch Peter Wirz, Geschäftsführer des TissotVelodromes bei anderer Gelegenheit gegenüber dieser Zeitung bestätigt: Um einen Trainingsbetrieb für die Radballer möglich zu machen, wenn gleichzeitig Betrieb auf der Bahn ist, müssten zusätzlich neue Netze hochgehängt werden. Deshalb die hohen Investitionskosten.

Als Bibliothek wirklich geeignet?

Gander geht in seinem Schreiben jedoch noch weiter: die alte Turnhalle sei für den Verein der ideale Austragungsort für Trainings und Turniere und man hege grosse Zweifel an der Eignung der Halle als Bibliothek. «In den Trainings, verteilt über das ganze Jahr, stellen wir grosse Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen fest.»

Dies seien «äusserst schlechte Voraussetzungen für die Lagerung von Büchern. Eine hohe Luftfeuchtigkeit führt zu welligen Seiten und kann zur Schimmelbildung beitragen. Ausserdem kann eine direkte Lichteinstrahlung Bücher durch Ausbleichen beschädigen», argumentiert der Sportverein.

Zusätzlich seien im Fall einer Bibliothek auch weitere bauliche Massnahmen notwendig, wie zum Beispiel die Gewährleistung der Rollstuhlgängigkeit für den geplanten zweiten Stock. «Unter Berücksichtigung der finanziellen Situation der Stadt Grenchen sowie dem Umstand, dass die Stadt bereits über intakte Bibliotheken in sämtlichen Schulhäusern verfügt, die allenfalls erweitert werden könnten, erachten wir die Umsetzbarkeit einer Stadtbibliothek in der alten Turnhalle als schwierig und die Notwendigkeit als fraglich.»

Gander ersucht die Stadt, den Radballern eine Lösung für den Trainingsbetrieb zu unterbreiten, weil man schon bald in die Planungsphase für die Bibliothek eintrete. «Es wäre unserem Verein, sowie dem Partnerverein VMC, der mit uns trainiert, sehr gedient, wenn unsere aktiven Radballer auch während dem Planungsjahr noch in der Alten Turnhalle trainieren könnten. Sollte dies tatsächlich nicht möglich sein, sind wir offen für Alternativvorschläge.»

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