Die Schwanenkolonie an der kleinen Schüss ist seit über 110 Jahren ein beliebter Ausflugsort in Biel, insbesondere für Familien mit Kindern, die den Schwänen, Enten und den unzähligen Wellensittichen, Papageien und anderen Vogelarten in den Volieren stundenlang zusehen können. Bekannt vor allem wegen der schwarzen Schwäne, die dort anzutreffen sind. Doch das ist nicht alles: Seit Jahrzehnten konnten dort verletzte Vögel, aus dem Nest gefallene Enten oder andere Jungvögel in die Obhut der professionellen Tierpfleger übergeben werden. Vor einigen Jahren wurde sogar eine Notfallklappe eingerichtet, in der man die Findeltiere abgeben kann.

Die gemeinnützige Institution kämpft aber seit Jahren ums Überleben. Eine Stiftung steht hinter der Schwanenkolonie, sie wurde durch private Spenden sowie einen jährlichen Beitrag der Stadt finanziert. Letzten Dezember allerdings trat der gesamte Stiftungsrat zurück und eine neue Leitung wurde etabliert.

Nachdem der Stadtrat im Rahmen des Sparpakets beschlossen hatte, den jährlichen Beitrag der Stadt von 81 000 Franken ab 2016 komplett zu streichen – schon im Jahr zuvor war der Beitrag um 40 000 Franken gekürzt worden – gab der neue Stiftungsausschuss Anfang Juni bekannt, dass die Schwanenkolonie im September definitiv schliessen müsse. Ein Spendenaufruf brachte zwar rund 30 000 Franken ein, das reicht aber bei weitem nicht: die jährlichen Ausgaben belaufen sich auf rund 150 000 Franken.

Eine externe Stiftung aus Biel hat zwar einen jährlichen Beitrag von 120 000 Franken für drei Jahre in Aussicht gestellt, allerdings nur, wenn die Schwanenkolonie innerhalb der Zeit  finanziell unabhängig werde.

Spendenaktion über Facebook

Nun haben sich Private zusammengetan und eine Facebookgruppe «Pro Schwanenkolonie» gegründet. Man will versuchen, die Schliessung im September zu verhindern. Die Gruppe zählt inzwischen rund 220 Mitglieder und wächst stetig weiter. Initiantin Anke Jung meinte gegenüber dem «Bieler Tagblatt»: «Wenn wir nicht wollen, dass die Kolonie stirbt, müssen wir etwas unternehmen. Man kann nicht immer nur die öffentliche Hand bitten.» Jung schätzt die Schwanenkolonie sehr. Sie selber habe auch schon zusammen mit ihrer elfjährigen Tochter einen jungen Spatz zur Schwanenkolonie gebracht, der dort wieder aufgepäppelt wurde und später sogar wieder fliegen konnte.

Letzten Donnerstag veranstaltete die Gruppe - unter ihnen auch der ehemalige Stadtrat Daniel Andres – auf dem Zentralplatz eine erste Spendenaktion. Gönnerinnen und Gönner konnten sich dort für sieben Jahre zu einem jährlichen Beitrag in frei wählbarer Höhe verpflichten. 24 047 Franken an Gönnerzusagen pro Jahr und 2800 Franken in bar kamen bei der Spendenaktion zusammen.

Ein verheissungsvoller Schritt, um die fast 120-jährige Institution zu retten. Bis im Dezember müssen rund 50 000 Franken zusammenkommen. Die Gruppe plant, im Sommer mit weiteren Aktionen Geld und Gönner zu sammeln, man zieht die Gründung eines Vereins in Betracht. Allerdings stehen die Zeichen für die Stiftung laut BT auf Auflösung: Den beiden Mitarbeitern der Schwanenkolonie hat man gekündigt und der neue Stiftungsrat will so oder so im September zurücktreten. Im Juli will man sich mit Vertretern der Stadt und der Firma Siegel treffen, mit der ein Baurechtsvertrag besteht. Denn im Fall einer Schliessung muss die Schwanenkolonie zurückgebaut werden, und wer das bezahlen soll, ist noch offen.

Sammeln für den Weiterbetrieb

Allerdings sollen die gesammelten Gönnerbeiträge nicht für einen allfälligen Rückbau verwendet werden, haben die Initianten auf Facebook klargemacht. Man will die Kasse der Stiftung füllen, damit sie weiterarbeiten kann. Die Reserven der Stiftung reichten bis in den Herbst, meinte Ernest Schweizer, Vizepräsident des Stiftungsrats gegenüber dem BT. Stiftungspräsident Roland Biedermann allerdings äusserte sich skeptisch.

Denn selbst wenn es den privaten Gönnern gelinge, den Betrag zusammenzubringen, sei dies nur kurzfristig von Nutzen. Denn wenn die externe Stiftung nach 2017 ihren Beitrag von 120 000 nicht mehr leiste, stehe man wieder vor demselben Problem. Ausserdem seien für sofortige Instandstellungsarbeiten rund 100 000 Franken nötig.

Eine letzte Hoffnung bleibt allerdings bestehen: Theoretisch könnte der Entscheid der bürgerlichen Mehrheit im Stadtrat im November noch gekippt werden. Die Schwanenkolonie ist nun etwas ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Mit dem Engagement der privaten Gruppe könnte man den Betrieb bis Ende Jahr sicherstellen. Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand sei der Betrieb undenkbar, meinte Biedermann noch vor Monatsfrist. Gut möglich, dass sich der eine oder andere Politiker auch für die Sache einspannen lässt und man mit der Stadt eine Lösung findet. Sonst verliert Biel die einzige Auffangstation und ein historisch wichtiges Kleinod, «ein kleines Paradies für Tier und Mensch», wie Schweizer sagt.