Die gut einjährige Vorbereitungszeit hat sich gelohnt: Die Track Cycling Challenge, ein Rennen der höchsten Klasse des Weltverbandes UCI, bot im Grenchner Velodrome während zweier Tagen ausgezeichneten Bahnrad-Sport mit starken Schweizer Leistungen und vielen spannenden Entscheidungen.

Grossbritannien geschlagen

Emotionaler Höhepunkt war der Sieg des Schweizer Vierers in der Königsdisziplin Mannschaftsverfolgung. Dabei zeigten Claudio Imhof, Olivier Beer, Loïc Perizzolo und Tristan Marguet eine feine Leistung und besiegten im Final – angetrieben von einem begeisterten Publikum – das Team aus Grossbritannien, den amtierenden Olympiasieger.

Auch wenn die Briten nicht mehr in der gleichen Formation wie in Rio angetreten sind: Ein Erfolg über die grosse Bahnrad-Nation ist immer etwas Besonderes. Der Bieler Nationaltrainer Daniel Gisiger freute sich denn auch über die Leistung seiner Schützlinge, fügte aber gleich an, dass der Weg bis zum erklärten Ziel – «Olympische Spiele Tokyo 2020» – noch ein weiter sei. Angetan zeigt er sich insbesondere von der Tatsache, dass sich seine Fahrer just zum richtigen Zeitpunkt noch einmal steigern und die Zeit aus dem Vorlauf unterbieten konnten.

Schweizer Nachwuchshoffnung

Die erstmals in neuem Format ausgetragene Omnium-Prüfung (in vier Einzeldisziplinen werden Punkte gesammelt) sah mit Claudio Imhof einen in Grenchen schon bekannten Sieger. Der 26-Jährige liess sich an der Stätte, wo er vor etwas mehr als einem Jahr bereits die EM-Bronzemedaille (Punktefahren) ergattert hatte, auch dann nicht auch aus der Ruhe bringen, als im abschliessenden Punktefahren niemand geringerer als der Medaillengewinner von Rio (Mannschaftsverfolgung), der Däne Casper von Folsach, mächtig Druck machte. Imhof blieb aber cool, verfuhr nach dem Motto «agieren statt reagieren» und sicherte sich in dieser Vielseitigkeitsprüfung letztlich souverän den ersten Platz.

Auch Tristan «The Rocket» Marguet kehrte erfolgreich ins Schweizer Nationalstadion zurück. Der Silbermedaillengewinner von 2015 im «Scratch» meisterte in dieser Disziplin das starke Feld nach einer taktisch klugen Leistung dank seiner Endschnelligkeit. Ein Mammutprogramm absolvierte eine der grossen Schweizer Nachwuchshoffnungen.

Der 18-jährige Ittiger Marcel Hirschi war in nicht weniger als sieben Disziplinen am Start, machte auch gegen zum Teil einiges ältere Konkurrenten eine gute Figur und überraschte am Mikrofon des ehemaligen Weltklasse-Athleten Franco Marvulli mit der Aussage, dass sein Traum die Teilnahme an der Tour de France sei.

Auf die Beziehung zu seinem Miteinwohner Fabian Cancellara angesprochen, meinte er mit einem entwaffnenden Augenzwinkern: «Klar kenne ich ihn. Mit oder gegen ihn zu fahren, wird aber erst ein Thema, wenn dieser nicht mehr so in Form ist.»

Möglicherweise hat Grenchen auch den Beginn einer neuen Ära miterlebt. Im Sprint der Frauen düpierte die erst 20-jährige Belgierin Nicky Degrendele, die übrigens in Aigle trainiert, die frühere Olympiasiegerin und diesjährige Dritte in Rio, die Deutsche Miriam Welter. Diese zeigte indes den in Bahnrad-Kreisen durchaus üblichen «Fighting-Spirit»: Obwohl nach einem frühen Sturz sichtlich gehandicapt, biss sie sich bis in den Final durch, wo sie nur ganz knapp scheiterte. Überraschendes ereignete sich auch im Männer-Sprint.

Dem Junioren-Europameister Martin Cechman (Tschechien) gelang das «Kunststück», im Halbfinal den Holländer Jeffrey Hoogland auszuschalten und in einer dramatischen Ausmarchung schliesslich auch den Wettbewerb für sich zu entscheiden. Hoogland war zuvor auf der Grenchner Bahn unbesiegt gewesen (dreifacher Europameister 2015, Sieger im «Keirin» am Wochenende).

120 Sportler aus 22 Nationen

120 Fahrerinnen und Fahrer aus 22 Nationen waren an diesem Event auf Weltklasse-Niveau am Start. Über 50 Personen, davon 44 Freiwillige, sorgten für einen reibungslosen Ablauf des Anlasses, der wiederum auch als gesellschaftlicher Treffpunkt bestens funktionierte. Mehr als 1800 Zuschauer verfolgten das über 20-stündige Spektakel vor Ort.

Damit wurde das budgetierte Ziel von 1000 Eintritten bei weitem übertroffen. Ein klares Indiz dafür, dass die Faszination Bahnrad-Sport in Grenchen immer mehr Anhänger findet.

Ausführliche Resultate sind auf www.velodromesuisse.ch aufgeschaltet.