Lange war es – wenigstens vordergründig – ruhig um den vor drei Jahren abgewählten Stadtpräsidenten Boris Banga. Nun aber scheinen alte Wunden zwischen ihm und seinem Nachfolger François Scheidegger wieder aufzubrechen. Auslöser war der Artikel zum Agglomerationsprogramm des Bundes und die Feststellung, dass Grenchen in dieser Runde leer ausgeht.

Dafür machte der jetzige Stadtpräsident François Scheidegger unter anderem Versäumnisse in der Amtszeit seines Vorgängers verantwortlich. Boris Banga reagierte pikiert und bezeichnete seinen Nachfolger als «Löli». Das brachte Daniel Graf, den Präsidenten der FDP Stadt Grenchen, in Rage, und in einem Leserbrief machte er sich Luft. Grund genug, nachzuhaken.

Daniel Graf, Sie enervieren sich in Ihrem Leserbrief über den ehemaligen Stadtpräsidenten Boris Banga. Weshalb?

Daniel Graf: Dreckige Wäsche zu waschen ist nicht unser Ding. Ich habe aber die Hartnäckigkeit und auch irgendwie die gewisse Boshaftigkeit unterschätzt, mit der Boris Banga ständig Angriffe gegen das bürgerliche Lager fährt. Tatsache ist: Der Gemeinderat hat in der Vergangenheit unter der roten Führung verpasst, Massnahmen und Vorkehrungen für schlechtere Zeiten zu treffen und den «Apparat» zum Teil weiter ausgebaut.

Wie meinen Sie das?

Es ist ähnlich wie in einem Betrieb mit seinen Produkten: So lange man die Kunden hat, die sich für das Produkt interessieren, der Laden «brummt», ist es relativ einfach, eine Organisation aufzubauen, gut zu funktionieren, eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren und sogar Gewinne zu erzielen. Aber was, wenn plötzlich die Kunden wegbleiben oder sich niemand mehr für das Produkt interessiert? Dann wird es schwierig, manchmal sogar unmöglich, die bestehende Infrastruktur aufrecht zu erhalten. So lange man das Steuersubstrat zur Verfügung hat, ist das in einer Stadt wie Grenchen nicht anders. Vieles ist vom Kanton vorgegeben und nicht beeinflussbar, aber es wären schon längst Strukturbereinigungen möglich gewesen. Und betrachtet man den Steuerfuss von 124 verglichen mit anderen Städten und Gemeinden, kann man ja nicht behaupten, Grenchen sei ein attraktiver Wohnort. Dafür wurde in der Vergangenheit zu wenig gemacht und daran muss man in Zukunft arbeiten.

Aber war das nicht schon seit je ein Thema, auch unter dem Präsidium von Boris Banga? Eine attraktive Gemeinde mit einer guten Durchmischung der Steuern zahlenden Firmen zu sein? Keine wirtschaftliche Monokultur und Klumpenrisiken zu schaffen?

Ja, er hat es angesprochen, aber meiner Meinung nach zu wenige Massnahmen ergriffen. Wenn ich schaue, was da alles für Begehrlichkeiten vorhanden sind, kann man sich diese nur dann leisten, wenn genügend Steuersubstrat da ist. Wenn man redimensionieren muss, weil das Geld fehlt, hat man plötzlich zu grosse Strukturen und zu viele Dinge «am Hals», die nicht mehr opportun sind und die man einerseits überdenken oder gegebenenfalls reduzieren muss.

Stichwort Personalpolitik: Wollen Sie jetzt, wo diverse Abteilungen der Verwaltung überprüft und redimensioniert werden, Boris Banga diesbezüglich Versäumnisse in seiner Amtszeit vorwerfen? Sind unter seiner Führung Wasserköpfe entstanden?

Das würde ich ihm nicht unterstellen. Boris Banga hat auch gute Arbeit für Grenchen geleistet. Es ist unter anderem auch sein Verdienst, dass wir nun das Velodrome mit seiner internationalen Bedeutung hier haben. Primär geht es mir um die Anfeindungen, die nicht korrekt sind und um die Vorwürfe an die bürgerliche Seite. Beispielsweise ist es ohne gesetzliche Anpassungen, die im Grunde längst überfällig sind, nicht möglich, sinnvolle Strukturbereinigungen durchzuführen. Die Instrumente fehlen ganz einfach. Uns vorzuwerfen, wir seien an dieser Situation schuld, ist einfach nicht korrekt und nicht fair.

«Servir et disparaître» war Bangas Slogan, als seine Abwahl feststand. Und daran hat er sich doch weitgehend gehalten?

Abgesehen davon, dass er einige seiner ehemaligen politischen Gegner, aber auch Gemeinderatskollegen in der Öffentlichkeit nicht mehr grüsst oder gar beschimpft, Leute, mit denen er jahrzehntelang eng zusammengearbeitet hat als unfähig und dumm bezeichnet, hat er sich in den Medien tatsächlich nicht mehr geäussert. Seine Reaktion auf die Feststellung, dass unter seiner Ägide gewisse Dinge versäumt wurden, wie beispielsweise der Einbezug ins Aggloprogramm, ist nun einfach unfair. Und das lasse ich nicht auf mir, auf den Bürgerlichen sitzen. Er hat tatsächlich manches verpasst. Er hätte damals als Chef auch hinstehen können und sagen «Ich will». Uns für diese Nachlässigkeit jetzt die Schuld zu geben ist unfair.

Stichwort ungenügende Rückstellungen, welche Sie Banga vorwerfen: Waren es nicht immer die Bürgerlichen, die den Sparhebel überall ansetzten, auch zu Bangas Zeit?

Das Budget oder seine Bilanz hätte doch niemals so gut ausgesehen in seinen Jahren als Stadtpräsident, wenn die Versäumnisse nicht da gewesen wären. So war es relativ einfach, eine ausgeglichene Rechnung und Bilanz zu präsentieren. Aber jetzt kommen die Dinge an den Tag, die zum Teil versäumt wurden.

Ihre Kritik richten Sie als FDP-Präsident also nicht an die politischen Gegner, die SP?

Banga schadet sich nicht nur selber mit seinen Äusserungen, sondern auch seiner Partei. Ich kann mich auch mit gewissen SP-Vorlagen einverstanden erklären, habe nicht per se Mühe mit der SP. Ich schätze auch Exponenten der Partei wie zum Beispiel Urs Wirth, den Leiter der Heilpädagogischen Schule, oder Jean-Pierre Thomsen als engagierten Lokalpolitiker. Meiner Meinung nach täte die Partei gut daran, sich offiziell etwas von BB zu distanzieren. Um die aktuellen Probleme zu lösen, sollte man jetzt primär Sachpolitik und nicht Parteipolitik betreiben. Die Probleme sind zu komplex, als dass man jetzt «parteipolitische Schlachten» führen sollte. Es geht nur gemeinsam!