Am Mittwoch, dem letzten Tag des Monats Oktober, kreisten nochmals die Motorsägen durch das Haldenquartier. Rund 50 Bäume müssen aufgrund einer lange vergessen gegangenen Sonderbauvorschrift von 1978 gefällt oder zumindest auf Gebäudehöhe gestutzt werden. Viele sind der Vorschrift in den letzten Wochen bereits zum Opfer gefallen.

Am Mittwoch war auch Marcel Niggli vom Allround-Service Grenchen (ASG) damit beauftragt, am Molerweg nochmals drei Bäume zu entfernen. Der grösste wurde gleich ganz gefällt, zwei kleiner nur gestutzt. «Zum Gränne», findet Marcel Niggli die kopflosen Bäume an Molerweg, Halden- und Bergstrasse. Patrik Mosimann, Forstchef der Bürgergemeinde, ist gleicher Meinung. Die Bürgergemeinde und die Firma Niggli arbeiteten für diesen speziellen Auftrag zusammen. «Das tun wir schon seit längerem», erklärt Marcel Niggli, «und das funktioniert immer super.»

«Monster-Kran» frisst die Bäume

Um die Bäume oder ihre Wipfel am Hang fachgerecht entfernen zu können, haben der ASG und die Bürgergemeinde grobes Geschütz aufgefahren: Ein 72 Tonnen schwerer Autokran der Bieler Firma Christen versperrte vom frühen Morgen an die Strasse. Selbst Marcel Niggli staunte: «Das ist erst das zweite Mal in 15 Jahren, wo wir so ein Riesending für unsere Arbeiten brauchen.»

Wenn die Vernunft fehlt

Das Gestürm in der Wohnzone Halden – auch «Banga-Quartier» genannt – begann vor zwei Jahren, als die Anwohner Urs und Elsbeth Furigo mit ihren Nachbarn, dem Stadtpräsidenten-Ehepaar Banga, in Clinch gerieten, nachdem Furigos die 30 Jahre alte Vorschrift wieder ausgegraben hatten und Bangas ihren Bergahorn fällen lassen mussten. Furigos erklären, es seien immer Bangas gewesen, die mit dem Streit angefangen hätten. Schuld am ganzen Schlamassel sei das Stadtpräsidenten-Ehepaar. Die einen Quartierbewohner wollten die Vorschrift künftig durchsetzen, die anderen lieber die Bäume erhalten. Danach herrschte Feuer im Quartier.

In Grenchen geht die Baumguillotine um

In Grenchen geht die Baumguillotine um

Nach vergebener Gegenwehr veranlasste die Baudirektion der Stadt schliesslich, dass alle Anwohner per Verfügung gezwungen werden, ihre Bäume auf die Firsthöhe zurückschneiden zu lassen. Am Mittwochmorgen erinnerten nur noch ein paar wenige Bäume an frühere Zeiten, als die Nachbarn die Angelegenheit noch friedlich unter sich ausmachen konnten. Der Allround-Service und der Forstbetrieb jedenfalls hatten ordentlich zu tun: Erst die Bäume «köpfen», dann die Teile mit dem Kran auf die Strasse transportieren, wo sie mit der Motorsäge verkleinert wurden und schliesslich im Schredder landeten. Was von den einstigen Prachtexemplaren bleibt, ist nur noch Sägemehl.