Generationentalk
Postillon d’Amour statt Facebook und Handy

Dass früher nicht alles besser war, auch darum ging es an der Finissage der Projektausstellung «Wie lebten unsere Grosseltern» im Kultur-Historischen Museum.

Hans Peter Schläfli
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Solothurner Zeitung

Mit einer kleinen Finissage verabschiedete sich die Projektausstellung «Wie lebten unsere Grosseltern» aus dem Kunst-Historischen Museum an der Absyte, Fünf Schüler der 3. Sek stellten sich den Gästen, die ihre Grosseltern hätten sein können – oder es zum Teil sogar wirklich waren – zum Generationentalk.

Viele Gegenstände und Interviewtexte hatte die 3. Sek von Ueli Zumstein zusammengetragen und so die kleine Projektausstellung im Kultur-Historischen Museum kreiert. Vom Passevite über ein altes, schwarzes Klingeltelefon bis zum Einmachglas waren Objekte zu sehen, die vor 60, 70 Jahren alltäglich waren und nun verschwunden sind.

Früher wurde genauso geflirtet

Etwas scheu waren die fünf Schüler, die sich dem Gespräch stellten, schon. Sie hätten sehr viel gelernt, war ihr einhelliges Urteil über die Interviews, die sie mit Menschen der älteren Grenchner Generation geführt hatten. Vieles sei früher ganz anders gewesen, das habe sie überrascht. Die Wohnungen waren früher klein und die Familien gross, heute ist es umgekehrt. In den Läden wurde man bedient, es gab keine Zentralheizungen, sondern nur Öfen in den Zimmern, man spielte mit Murmeln und nicht mit Computern.

Facebook und Handys gab es nicht, man musste sich konkret verabreden und pünktlich am vereinbarten Ort treffen. «Dafür gab es an manchen Orten den Postillon d’Amour», erzählte Klaus Vogelsang, der es als Einziger der älteren Generation wagte, sich zusammen mit den Schülern dem Publikum gegenüber zu setzen. «In einem solchen Restaurant hatten alle Tische eine Nummer. Man konnte eine Nachricht auf einen Zettel schreiben und von der Serviertochter an den gewünschten Tisch bringen lassen. Dann hoffte man natürlich, eine Antwort zu erhalten.» So viel anders als das Internetflirten war das ja auch wieder nicht – ausser, dass man physisch präsent war, nicht nur digital.

«Nur der Fussballer ist derselbe geblieben», meinte ein Schüler. «Nicht ganz», widersprach Klaus Vogelsang, «wir spielten noch auf der Durchgangsstrasse und mussten nur ab und zu zur Seite gehen, wenn ein Auto vorbeikam.» Und wie viel sich gerade im Fussball geändert hat, zeigte ganz diskret ein Ausstellungsobjekt. «Ich war ein talentierter Fussballer und Schütze», war da im Interview mit Res Fankhauser zu lesen. Wie talentiert er war, verriet Fankhauser den Schülern nicht mit Worten, sondern mit seiner Leihgabe. Ob diese die wirkliche Bedeutung des etwas über fünfzigjährigen Lederballs mit Unterschriften der damaligen Cupsiegermannschaft des FC Grenchen erkannt haben?

Interesse war verhalten

Aber den wichtigsten Unterschied nannten alle Schülerinnen und Schüler der 3. Sek einhellig: «Die Erziehung war strenger und die Jungen anständiger.» Doch mit dem Kennenlernen der Generation der Grosseltern ist auch der Respekt bei den Jugendlichen gewachsen – und umgekehrt.

Nachdem die Projektausstellung «Wie lebten unsere Grosseltern» seit dem 8. November mit rund 1000 Besuchern ein Erfolg war, konnte die Finissage am Donnerstagabend nur etwa zwei Dutzend Grenchnerinnen und Grenchner ins Kultur-Historische Museum locken. Nun ist die Ausstellung bereits aufgelöst. Was bleibt davon erhalten? «Wir haben die Idee, einen Erinnerungsklub zu gründen», sagt Museumsleiterin Angela Kummer. «Das viele wertvolle historische Wissen, das noch nirgends aufgezeichnet ist, könnte man so erfassen.»

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