Grenchen
Polizeieinsatz wegen Prügel im Lager des Pfadibundes Seeland

Das Sommerlager des Pfadibundes Seeland im bernischen Studen sorgt für Aufruhr. Es kam zu Prügelein zwischen Leitern und Angestellten. Die Polizei musste einschreiten. Nun decken sich die Parteien mit Klagen ein. Mittendrin ein Paar aus Grenchen.

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Im Zelt des Zirkus Balloni konnten die «Pfader» üben

Im Zelt des Zirkus Balloni konnten die «Pfader» üben

PS Wilen

Die Vorwürfe an die Lagerleiter sind happig. So sollen sie ein achtjähriges Mädchen zur Strafe im Pyjama an einer Leine im Regen durch den Dreck gezogen haben, der Lagerleiter soll das Personal tätlich angegriffen haben, und das Gelände bei der Mehrzweckhalle in Studen, wo das Circus-Lager letzte Woche stattfand, sei zum Schlachtfeld geworden, berichtet die Zeitung «Der Bund». Am Schluss musste die Polizei eingriffen und zwar gleich zwei Mal, bestätigt eine Sprecherin der Berner Kantonspolizei.

Mittendrin im Geschehen ist das Grenchner Paar Alexander und Sabine Symons, die das Lager geleitet haben. Sabine Symons weist diese Vorwürfe gegenüber az vehement zurück und redet von einer Lügenkampagne. Sie deckt ihrerseits Lagermitarbeiter, insbesondere die Küchencrew, mit Vorwürfen ein. Diese habe die Lagerleitung tätlich angegeriffen und versucht, Kinder zu entführen, so Symons. Sie hat gegen die Chef-Köchin Pia Maurer, Präsidentin des Frauenvereins Dotzigen, inzwischen Klage eingereicht. Die Polizei kann den Eingang nicht bestätigen. Maurer nimmt es auf Anfrage gelassen und hält an den Vorwürfen fest.

Verunglückte Tauffeier

Der Steit entbrannt ist wegen einer verungeglückten Pfadfinder-Taufe eines achtjährigen Mädchens. Diese fand im Dreck und Regen statt. Sie wurde von einer Fussball-Mannschaft beobachtet und von dieser heftig kritisiert. Die Beobachter reden im «Bund» von Kindsmisshandlung. Sie wollten von der Lagerleitung Erklärungen. Stattdessen wurden sie laut Zeugen beschimpft und mit rassistischen Beschimpfungen eingedeckt. Symons degegen redet von Deeskalation.

Sie habe nach diesem Vorfall die Verantwortung für die Kinder aus Dotzigen nicht mehr übernehmen können und daher entschieden, dass Lager mit jenen 13 Kindern, die über ihren Frauenverein dazugestossen sein, zu verlassen, sagt Maurer. Dabei kam es wegen eines Rucksackes zu einem Handgemenge und zu Tätlichkeiten. Zwei Küchenmitglieder riefen darauf die Polizei. Diese will auch Symons gerufen haben. Die Polizei selbst äusserst sich nicht.

Ungereimtheiten gab es bereits im Vorfeld des Lagers. Der Austragungsort musste kurzfristig von Arch nach Studen verlegt werden. Die Behinderten-Organisationen «Insieme» ging nach anfänglicher Zusage zum Circus-Lager auf Distanz, weil für sie die fachgerechte Betreuung nicht gegeben war - was die Symons nicht daran hinderte, weiter mit der «Zusage» von Iniseme zu hausieren. Maurer erklärt, dass sie erst am Freitag vor Lagerbeginn erfahren habe, dass «Insieme» nicht mitmache. Auch bei der Finanzierung gab es Knatsch.

Nicht bei Schweizer Pfadi dabei

Fakt ist, dass der Pfadfinderverbund Seeland trotz seines Namens nicht der offiziellen Pfadibewegung Schweiz angehört. Laut «Bund» ist er auch nicht Partner der Bundesstelle Jugend und Sport (J+S). Dadurch entzieht dich der Verbund jeglicher Kontrolle. Er muss auch keinerlei Auflagen einhalten und die Leiterqualifikationen werden ebenfalls nicht hinterfragt. Einzig beim Weltverband der unabhängigen Pfadfinder sind sie dabei.

Maurer kritisiert, dass die Pfadfinderverbund gegen aussen den Anschein erwecke, Teil der Pfadi zu sein, das aber in Tat und Wahrheit gar nicht ist. Ebenfalls viele Fragen auf wirft das Leiterpaar Symons. In der Pfadibewegung im Seeland sind die beiden nämlich keine Unbekannten, sondern Teil wüster Auseinandersetzungen, die vor Gericht endeten.

Lange Vorgeschichte

Das Paar wurde laut «Bund» 2008 in zweiter Instanz wegen verschiedener Delikte verurteilt, die ihren Anfang 2003 bei den «Seeland Scouts» nahmen.

Der ehemalige Aktuar des Pfadfinderbundes beschuldigte die beiden, Geld aus der Verbandskasse gestohlen zu haben. Er warf dem Paar Betrug, Veruntreuung und Unterschlagung vor. Die Beschuldigten wiesen alle Schuld von sich und beschuldigten den Aktuar im Gegenzug, ihre Tochter sexuell missbraucht zu haben.

Ein langjähriges Verfahren kam in Gang und neue Anklagepunkte dazu. Das Obergericht verurteilte das Obergricht Alexander Symons zu zwei Jahren bedingt. Seine Frau Sabine wurde vom Obergericht wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 400 Franken verurteilt. (rsn)