Kommunalwahlen 2013
Politiker buhlen via Facebook um die Gunst der Wähler

In sozialen Netzwerken um die Gunst der Wähler zu buhlen, kann nützen, muss aber nicht - auch wenn diese Werbung nichts kostet und potenziell jüngere Generationen anspricht. Noch werden Social Media von den Parteien unterschiedlich stark genutzt.

Patrick Furrer
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Parteien sammeln Stimmen auf Facebook – wen er wählt, entscheidet aber allein der User.

Parteien sammeln Stimmen auf Facebook – wen er wählt, entscheidet aber allein der User.

Illustration: gs

Es dürfte kaum Zufall sein, dass derzeit genau die Parteien ihre Aktivitäten auf Facebook intensivieren, die auch im realen Leben schon in den Wahlkampf gestartet sind. So wird die FDP demnächst dem bürgerlichen Stapikandidaten François Scheidegger einen neuen, virtuellen Auftritt verpassen.

Knapp die Hälfte der FDP-Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten nutzt bereits Facebook. Die Freisinnigen haben sogar eigens eine Arbeitsgruppe eingesetzt, wodurch die Partei seit dem 4. Dezember 2012 auch mit einer eigenen Facebook-Fanseite präsent ist.

Eine ganze Nasenlänge voraus ist momentan aber noch die SP, die schon seit Mai 2011 im Netzwerk mit Mitteilungen, Bildern etc. auf sich aufmerksam macht. Auf der «gefällt mir»-Beliebtheitsskala haben die Sozialdemokraten das Vierfache an Sympathisanten, was angesichts der recht tiefen, effektiven Zahlen aber wenig aussagekräftig ist. Bei der SP haben etwas mehr als die Hälfte der 15 Gemeinderatskandidierenden einen eigenen Account. Als Titelbild hat die Partei das Gruppenfoto aller Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunal- und Kantonsratswahlen gewählt. Eindeutig: Der virtuelle Wahlkampf hat längst begonnen.

Kleines Facebook-Abc

Facebook: Eine interaktive Plattform im Internet, auf der jeder passwortgeschützt eigene Inhalte teilen kann. Facebook gehört zu den Social Media, wie beispielsweise auch Twitter. Durch das Hinzufügen von «Freunden» erweitert man sein Facebook-Netzwerk.

Account: Per Registrierung wird ein Account (Konto) eröffnet, der Zugang zum Netzwerk ermöglicht.

User: Der einzelne Nutzer; die Person, die ein Konto benutzt.

Profil: Der von einem User eigens, über sich selbst verfasste Personenbeschrieb inklusive Fotografie.

posten: Das aus dem englischen stammende Wort «posten» bedeutet, Inhalte (Text, Foto, Datei etc.) zu veröffentlichen und zu teilen.

Like: Ein «Like» bedeutet, dass einem etwas gefällt. Wer einen sogenannten «gefällt mir»-Button anklickt, «liked» damit einen Inhalt, eine Seite, eine Gruppe etc. Wie mehr «Likes» eine Person hat, desto beliebter ist sie folglich. (fup)

Spezialformen des Gruppendrucks

Ein weiteres Beispiel dafür ist auch die Seite der GLP Grenchen-Bettlach. Deren internetaffiner Präsident Eric von Schulthess postet regelmässig Texte zu verschiedenen, ortsspezifischen Themen, wie beispielsweise «Einkaufen» und «Sicherheit». Auf Facebook vertreten ist die Partei seit April 2012, bis Ende Jahr konnte sie rund 26 «Likes» sammeln. Ganz neu auf Facebook ist die BDP. Seit Mitte Dezember wurden einige kleine Bilder oder Texte publiziert. Wie auch bei den anderen Parteien ist die kantonale Partei schon länger auf Facebook vertreten, kommunal besteht Aufholbedarf. Besonders bei der SVP, die noch über keine eigene Facebook-Seite verfügt.

Zwar ist Ortsparteipräsident Richard Aschberger aktiver User, ob und wie man sich aber als Partei für die Wahlen rüstet, werde erst im Januar besprochen, erklärt er. Im Vordergrund stehe vorerst die Kandidatensuche, die noch nicht abgeschlossen ist.

Mit Ausnahme der CVP sind übrigens alle Ortsparteipräsidenten auf Facebook aktiv. Dafür hat die CVP bereits einen Twitter-Account und als einzige der sechs Stadtparteien auf Facebook eine eigene Gruppe statt «nur» einer Fanseite. Wobei der Beitritt zur Facebook-Gruppe nicht zeitgleich den Parteibeitritt bedeutet. Dass die Gruppe seit ihrer Gründung im Februar 2011 über 120 Mitglieder hat, ist daher noch kein Anzeichen für Wahlpräferenzen.

Mitunter stiftet eine virtuelle Zugehörigkeit sogar mehr Verwirrung: So liess beispielsweise der CVP-Fraktionspräsident kürzlich alle seine Facebook-Freunde - die die Sicherheitseinstellungen nicht zuvor entsprechend geändert hatten - zur Gruppe hinzufügen. Seine Freunde zuvor gefragt hatte er nicht. Ein Vorgehen, dass zwar virtuell, nicht aber in der Realität Erfolg haben kann.

Wer später kommt ...

Doch werden 2013 nicht bloss Parteien, sondern auch deren Kandidaten gewählt. Und da gibt es vor allem einen, der seit geraumer Zeit auf Stimmenfang ist, Freundschaften knüpft, höfelt, sich von seiner sympathischsten, menschlichsten Seite zeigt. SP-Stadtpräsident Boris Banga geht virtuell mit den Hunden spazieren, zeigt, wo er als Politiker unterwegs ist, oder welche Anlässe er empfiehlt...

Immerhin 1125 Facebook-Freunde hat Banga aktuell. Doch 1125 Wählerstimmen sind das noch nicht, und die Bürgerlichen werden ihm das Feld kaum kampflos überlassen. Wessen sich Banga durchaus bewusst ist - zumindest liesse dies sein Lieblings-Onlinezitat «Wer stets nur rennt, verliert den Schnauf. Wer später kommt, fällt viel mehr auf» vermuten. Oder meint er damit doch etwas anders? Eines jedenfalls ist klar: Bei Wahlen lohnt es sich, zweimal hinzuschauen. Man sollte nicht alles (und damit auch nicht jeden) allzu ernst nehmen, ohne vorher die Versprechen kritisch geprüft zu haben. Das gilt auch im schnelllebigen, wenig verbindlichen Internet.