Bettle-Gwösch
Pointen-Feuerwerk mit Lego, Logo und Lacher am «Bettle-Gwösch»

Zum ersten Mal seit dem Neustart vor sechs Jahren gab es beim Bettle-Gwösch einen Sketch von Frauen. Auch sonst gab es viel zu lachen. Für die Lach- und Bauchmuskeln gab es keine Schonung.

Daniela Deck
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Am «Bettle Gwösch» gabs keine Schonung für die Lachmuskeln

Hanspeter Bärtschi

Die Pointen am Bettlacher Fasnachtsanlass waren dieses Jahr so dicht gesät, dass dem Publikum in der vollen Büelenhalle vor Heiterkeit fast der Schnauf ausging. Ob sie ein Versprechen von der letzten Fasnacht einlösten oder gar eine Wette, war nicht so ganz auszumachen. Jedenfalls haben sich die Frauen mit einer pfiffigen Idee Zutritt zur Männerbastion Gwösch verschafft.

Fränzi Rohrbach und Evelyne Christen gaben dem guten alten Prokischreiber ein Comeback. Frech verschönerten sie auf den Folien bekannte Bettlacher und liessen ihre eigenen Reize spielen. Die Fasnacht haben beide im Blut. Christen ist die Schwester des neuen Gwösch-Direktors Thomas und des alt gedienten Spasstalents Marco (Copin) Christen. Rohrbach führte die Babeligugger zum würdigen Ende.

Ganz beerdigt sind die Babeli zum Glück nicht. Vizegemeindepräsi Joël Mussilier servierte in ihrem Kostüm, und die Babeli-Gruppe (Thomas Christen, Ramon Zumstein und Christian König) parodierte mithilfe der Leinwand die Fernsehnachrichten. Die Zuschauer erfuhren, dass das Grenchner Velodrome sich verzögert, weil man sich nicht über die Vortrittsregelung einigen kann.
Auch der eigene Gemeinderat kam an die Kasse - in Form von zänkischen Legomännchen. Wo sich hierzulande SF zu Wort meldet, ist das rätselhafte Logo der roten Klötze nicht weit. Die Gwöschtruppe hat diesen ein Gesicht gegeben, sie lebendig werden und quer durchs Dorf rennen lassen.

Neuling in der Trinkrunde

«Dinner mit Spinner» katapultierte den zeitlosen Silvestersketch ins Jahr 2046 und ins Haus von «Madam» Widmer-Schlumpf in Graubünden. Mit Roman Weber assistierte ein Neuling Copin bei den alkoholintensiven Trinkrunden um den Tisch, bei denen dieser abwechselnd Peter Bichsel, Hans Jucker, Christoph Blocher und HD Läppli mimte.

Später trat Weber solo ins Scheinwerferlicht, mit einer Kollektion bitterböser Witze über den Zustand der Welt und ein paar geschickten Improvisationen, etwa, wenn ein rauchendes Kleinkind zu früh erschien oder ein Song gar nicht ertönen wollte.

Balkan und Co. in Herz geschlossen

Die Rückkehr von Alleinunterhalter Roger Rossier hat den Abschied von DJ Horse wettgemacht. «Ich schwöre bi minere Muetter», «dr Röschu und dr Quitim» war eine Hommage an die Bevölkerungsgruppen, die sich aus dem östlichen Europa bei uns angesiedelt haben. Seit dem Gespräch der beiden Teenies ist nun klar, warum sich im näheren Osten, auf dem Weissenstein, nichts tut: Sie finden einfach keine Gondeli, in denen elf Solothurner Platz haben.
Auch Reini Seeberger hat es diese Bevölkerungs- und Altersgruppe angetan. Als fauler, aber gewitzter Werkhoflehrling im achten Lehrjahr analysierte er den Zustand der Grenchner Strassen. Das Urteil fiel vernichtend aus. Mit dem Bauch voller Redbull werde einem dort todsicher schlecht.

Geschickte Dramaturgie

Ohne die Krachwanzä, die heuer gleich zweimal auftraten, und Zauberer Ron Bertolla, der den Gemeindepräsi auf Pokerkarten schiessen liess, wäre das Gwösch nicht denkbar. Gemeinsam verhalfen sie dem Abend zu einer stimmigen Dramaturgie: Die Wanzä heizten so sehr ein, dass, wer nicht schunkeln mochte, unweigerlich den Takt klopfte. Der Zauberer verschaffte dem Publikum mit einer poetischen Manipulation von Ringen eine dringend nötige Atempause.
Entscheidend hat Moderator Philipp Schluep zum Erfolg beigetragen. Erst hatte er als Bettle-Ängu einen Unfall, dann vertraute er im Bademantel und begleitet von Plastikente Jürg dem Saal weltbewegende Probleme über Hygiene an. Schliesslich erfuhr das Publikum dank der Rolle der doofen Sprechstundenhilfe einer Gemeinschaftspraxis, wie schwierig es ist, Telefone abzunehmen.

Zuguterletzt tat er sich mit den Spassgrössen Copin und Reini zusammen. Als schwerhörige und leicht inkontinente alte Herren sorgten sie für ein fulminantes Finale. Warum das altersschwache Bänkli, auf dem sie sassen, nicht zusammenbrach, gehört zu den Geheimnissen dieser Fasnacht.