Schon möglich, dass der Besitzer der Cessna175B mit der Mythengestalt Ikarus mehr gemein hatte, als ihm lieb sein kann. Während Ikarus mit den selbst erfundenen Flügeln so nah an die Sonne flog, dass das Wachs schmolz und er abstürzte, scheint auch der Besitzer des Flugzeuges auf dem Grenchner Flughafen zu hoch hinaus gewollt zu haben. Jedenfalls hat sich der früher offenbar gut betuchte Geschäftsmann so stark verschuldet, dass ihm sogar sein Fliegerchen mit der Kennung HB-CMK genommen wird. Abenteuerlicherweise soll sich der Oberaargauer inzwischen nach Südamerika abgesetzt haben.

Am Mittwoch konnte die Maschine mit Baujahr 1960 beim Airport besichtigt werden. «Vielleicht gibt es das in Basel oder Zürich öfter, aber bei uns ist das schon extrem selten, dass wir ein Flugzeug versteigern», sagt Petra Lerch, die zuständige Sachbearbeiterin, die die betreibungsamtliche Versteigerung für das Amt im Oberaargau übernommen hat. Eine Handvoll Leute waren zum rund halbstündigen Augenschein gekommen.

«Nur Bares ist Wahres»

Spannend macht die Versteigerung aber nicht allein der Seltenheitswert. Schon das betreibungsamtliche Inserat liess aufhorchen: Letztmals geflogen wurde die Cessna am 9. Oktober 2010 – die offizielle Flugerlaubnis des Bundesamts für Zivilluftfahrt Bazl war aber bereits zwei Wochen zuvor abgelaufen. Das hiess es zumindest bis am Mittwoch, danach stellte sich aber heraus, dass die Flugerlaubnis doch noch länger gültig war.

Geschätzt wird der Wert der veralteten Maschine vom Betreibungsamt auf rund 14000 Franken. So viel jedenfalls ist klar: Wer sie kauft, muss mit dem dicken Aktenköfferchen antraben, denn abgegeben wird sie vom Betreibungsamt nur gegen Barzahlung. Was zwar üblich ist, sagt Sachbearbeiterin Petra Lerch. «Nur Bares ist Wahres», erklärt sie; selbst ganze Liegenschaften werden nur gegen bar versteigert.

Nicht nur der Schlüssel fehlt

Auch wer den Schlüssel zum Flieger sucht, sucht vergebens, da er verloren ging. Zwar soll beim Vorbesitzer der Cessna diese Woche noch ein Zweitschlüssel aufgetaucht sein, bis fehlte aber auch der.

Die Flugzulassung erneuern zu können, scheint nicht einfacher zu sein, wie jedenfalls Flughafendirektor Ernest Oggier die Lage einschätzt, der die Besucher übers Gelände lotste. Interessiert ist Oggier schon allein deshalb, weil der Besitzer dem Flughafen seit gut zwei Jahren die Miete für den Stellplatz schuldig bleibt. Bis auf die Sitze und das Innendach sei alles sehr alt. Die Avionik besteht aus den Minimalanforderungen, es gibt kein GPS, zwar einen zuverlässigen Franklin-Motor, der aus Seltenheitsgründen aber teuer in Unterhalt und Wartung ist. Zwar sei dies nur seine persönliche Einschätzung als Pilot, sagt Ernest Oggier – das sei aber wohl nur «ein gutes Flugzeug für jemanden, der viel Geld hat und nur ab und zu bei wirklich schönem Wetter fliegen will – oder überhaupt wenig Zeit zum Fliegen hat».

Versteigert wird morgen

Nicht sehr angetan zeigten sich die Leute an der gestrigen Besichtigung. Geflogen wurde die gelb-blaue Maschine seit dem ersten Start fast 5000 Motorstunden. Der Neuwert eines solchen Flugzeuges wurde früher bei rund 60000 Dollar veranschlagt. Die letzte Handänderung des Fliegers in Grenchen passierte im März 2010. Die Maschine stand eineinhalb Jahre im Freien, wodurch ihr auch das Wetter zugesetzt haben dürfte.

Einer der Interessenten erklärte, er sei sich nicht so sicher, ob er zur Versteigerung gehe. «Da muss man mindestens 20000 Franken investieren, wenn nicht sogar das Doppelte.» Ein anderer potenzieller Käufer suchte schon nach einigen Minuten wieder das Weite. Und ein dritter Mann, der aus Luterbach zur Besichtigung kam, erklärte: «Das ist zwar ein Oldtimer, aber kein Liebhaberstück.» Auch er wisse noch nicht, ob er wirklich bieten wolle, meinte der ehemalige Pilot, der sich trotzdem gerne noch den Traum vom eigenen Flugzeug erfüllen würde.

Natürlich liess sich keiner der Anwesenden in die Karten blicken, ob er dann zur Auktion doch noch aufkreuzt. Die Versteigerung der Cessna175B findet schon am Freitag, 21.Dezember, auf der Amtsschreiberei in Grenchen statt. Wird die Maschine nicht veräussert, ist fraglich, was damit passiert. Denkbar wäre noch ein Export oder das Ausschlachten der Maschinenteile. Immerhin: Der Franklin-Motor allein dürfte immer noch rund 1000 Franken einbringen, meinte ein anwesender Fachmann.