Ausstellungen vorbereiten bedeutet mitunter auch, dass Vergessenes wieder entdeckt wird. So wurden bei der Vorbereitungen der Ausstellung zum Hundertjahr-Jubiläum des Grenchenbergtunnels vergessene Pläne entdeckt.

Bei der Durchsicht alter Unterlagen zum Tunnelbau stiess Hansruedi Kronenberg auf einen Bericht in der «Schweizerischen Bauzeitung» vom 1. Dezember 1917. Ab Seite 10 berichtete damals die Redaktion über einen Gesamt-Bebauungsplan für Büren a. A. Um gute und realistische Resultate zu erhalten, führte die Behörde einen Planungswettbewerb durch.

Im Preisgericht amteten die Architekten Bernoulli und Klauser. In der erwähnten Bauzeitung wurden die Pläne des ersten und zweiten Ranges vorgestellt. Dazu die Redaktion: «Zum Verständnis der Pläne sei bemerkt, dass der sog. «Neue Bahnhof», nordwestlich des oberhalb des Städtchens am Hang liegenden S.B.B.-Bahnhofs, an der projektierten direkten Linie der B.L.S.: Münster-Grenchen-Büren-Bern gedacht ist». Hier hätte auch ein Industriegebiet mit zahlreichen Anschlussgeleisen entstehen sollen.

Büren sollte also einen zweiten Bahnhof erhalten? Im 1. Rang kam der Entwurf.»Büre-Reibe-Schüre-Oberbüre». Die Verfasser: Moser, Schürch & v: Gunten, Architekten in Biel. Das Preisgericht beantragte, dieses Projekt umzusetzen.

Es schreibt: «Die Vorschläge für Anlage von Grünplätzen, Aussichtspunkten, Reservaten und Promenaden sowie Friedhof sind wertvoll und können für die Entwicklung des ganzen Ortes von grosser Bedeutung werden, auch ist die Ausbildung des Festplatzes in der vorgeschlagenen Art wirkungsvoll und ohne grosse Kosten durchführbar. Das Schulhaus ist in günstiger Lage angenommen. Der neue Bahnhof mit seinem Platze und seiner Lage zu den Strassen, sowie der nördliche Brückenkopf der alten Brücke sind gut disponiert.»

Der zweite Preis ging an das Projekt «Büren –Lötschberg» der Architekten Schneider & Hindermann, Bern.

Die Geschichte des zweiten Bahnhofes in Büren ist spannend, lässt aber verschiedene Fragen offen. Vor allem eines ist in dieser Geschichte unklar: Bereits in den entscheidenden Planungsphasen war es klar, dass die ursprünglich vorgesehene und auch von Frankreich gewünschte direkte Linie Moutier–Grenchen–Lyss–Bern nicht realisiert werden konnte, nachdem sich die Stadt Biel derart prominent für das Projekt eingesetzt hatte und die Anbindung der MLB an Biel wünschte. Vielleicht wird sich im Verlaufe der Zeit diese Frage beantworten lassen.

Die Ausstellung «100 Jahre Grenchenbergtunnel» startete im Kultur-Historischen Museum Grenchen mit der Vernissage am Donnerstag, 17. September 2015.

Die Ausstellung zum gleichen Thema im Museum von Moutier beginnt am 1. Oktober 2015, exakt dem Tag, an dem vor 100 Jahren der Grenchenbergtunnel eröffnet wurde.