Hindernis-Billard
Pit-Pat: Der Regen war nur ein Hindernis unter vielen

Am Wochenende fand in der Tennishalle Grenchen die Pit-Pat-SchweizerMeisterschaft statt. Mal müssen mit dem Ball kleine Bowling-Kegel aus dem Weg geräumt werden, mal fliegt er über eine Rampe in einen Korb.

Christoph Neuenschwander
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Ein umfunktionierter Aussenplatz der Tennishalle Grenchen: Menschen in Regenjacken stehen gebannt um Tische herum, die aussehen wie Minigolfbahnen auf Stelzen. Jeder hat einen Queue in der Hand, wie man es vom Billard kennt. Der Regen trommelt unerbittlich auf Tischoberflächen, Bälle und Hindernisse.

Im Restaurant steht Roland Rüetschi, Geschäftsleiter der Tennishalle, an einer Fensterscheibe und schaut den Spielern zu. «Pit-Pat spielt man bei jedem Wetter», sagt er anerkennend. Da er selbst gelegentlich dem Pit-Pat (oder «Hindernis-Billard») frönt, kann er den Reiz gut verstehen. «Das Spiel ist sehr witzig, verleiht den Teilnehmern einen gewissen Kick – denn natürlich will jeder der Beste sein.» Auch die taktische Komponente ist, gerade bei momentaner Witterung, nicht zu unterschätzen. «Die Bahnen sind nicht immer gleich zu spielen», weiss Rüetschi. «Wie der Ball rollt, ist wetter- und temperaturabhängig.»

Nervenkitzel des Wettkampfs

Draussen lässt man sich von den Regenschauern indes nicht beirren. Es wird gelacht und gratuliert, Hände werden geschüttelt und dazwischen immer wieder hoch konzentriert und souverän Bälle eingelocht. Diverse Teams aus den drei noch existierenden Schweizer Pit-Pat-Klubs haben sich hier eingefunden, um gegeneinander anzutreten.

Gefochten wird um den Schweizer-Meister-Titel: am Samstag die Mannschaften, sonntags die Einzelspieler. Wer sich auf der 18 Bahnen umfassenden Anlage etwas umsieht, versteht schnell die Faszination, die in dem Spiel steckt. Mal müssen mit dem Ball kleine Bowling-Kegel aus dem Weg geräumt werden, mal fliegt er über eine Rampe in einen Korb.

Der Wettkampf, der Nervenkitzel der direkten Begegnung, mache dabei die Spannung aus, erklärt Andreas Ramseier, Präsident des Schweizerischen Pit-Pat-Verbands. «Es legt jeweils jemand vor und der Kontrahent muss dann nachspielen – das macht das Ganze noch interessanter.» Denn in Turnieren werden nicht die Anzahl Stösse pro Bahn aufgeschrieben, sondern für jede Bahn nur ein Punkt an den Spieler oder das Team mit den wenigsten Stössen vergeben.

Wunsch nach mehr Klubs

«Schön wäre es, wenn es in der Schweiz wieder mehr Klubs gäbe – momentan sind es nur noch drei», sagt Ramseier. Auch Rüetschi hofft: «Vielleicht wird ja in Grenchen bald ein Klub entstehen. Derzeit wird die Anlage hauptsächlich von Firmen und Familien genutzt – halt ähnlich, wie wenn man Minigolfen geht.» Vor vier Jahren wurde die Pit-Pat-Anlage in Grenchen gebaut. Weil die Tennisplätze zu wenig ausgelastet und ohnehin sanierungsbedürftig waren. Und weil Rüetschi etwas Neues machen wollte. Seither wurden hier schon etliche Turniere, auch ein internationales, ausgetragen. Heuer auch erstmals die Schweizer Meisterschaft, die sonst in Saas Fe stattfand. «Aber die Infrastruktur dort ist weniger gut und die Anfahrt lang», findet Ramseier. «Hier ist es optimal.»