Als Kind stand er auf dem Flugplatz Grenchen und träumte davon, Pilot zu werden. Heute kämpft Simon Winkelhausen an vorderster Front gegen die Pistenverlängerungspläne des Flughafens. Wer ist der Mann, der 3000 Projektgegner hinter sich versammelt hat, der Bauern, Selzacher und Umweltschützer gleichzeitig vertritt?

«Ich bin kein Grüner», stellt Winkelhausen in seinem Büro bald einmal klar. Der frühere FDP-Kantonsrat ist ein Mann der Wirtschaft, er ist Unternehmer. Der Eingriff in die Witi-Schutzzone spielte für ihn keine allzu grosse Rolle, als er sich vor einem halben Jahr gegen die 450 Meter Pistenverlängerung zu wehren begann. Jetzt aber sitzt er in seinem Büro und spricht vom Wildtierkorridor, der sich bei einer Osterweiterung verengen würde. Der Präsident des Komitees gegen die Osterweiterung ist inzwischen überzeugt, dass die Umweltschützer eigentlich die bessern Argumente haben als er selbst.

Mehr Lärm über Altreu

Winkelhausen wischt mit der kräftigen Hand über den Bürotisch und stösst bald einmal zu seinem persönlichen Hauptargument vor: Er fürchtet, die Flugzeuge würden vermehrt und tiefer über Altreu fliegen und dem Storchendorf, in dem er aufgewachsen ist, mehr Lärm bringen. Der Flughafen kann da noch lange das Gegenteil behaupten. Die Fronten sind verhärtet. Viel Vertrauen scheint es zwischen dem Flughafen und seinen Gegnern nicht zu geben. Winkelhausen spricht von einer diffusen Informationspolitik. «Es ist zusammengerechnet worden, bis alles passt», kommentiert er die Zahlen des Flughafens.

Warum er sich so sehr engagiert, das weiss Simon Winkelhausen nicht genau. Unzählige Stunden hat der Elektroingenieur für den Widerstand gegen die Pistenverlängerung seit dem Paukenschlag im Mai aufgewendet. Damals kehrte der frisch gewählte Baudirektor Roland Fürst die Planungen seines Vorgängers um 180 Grad um. Statt der zuvor favorisierten Erweiterung nach Westen, wo die Archstrasse im Weg liegt, steht jetzt wieder die Osterweiterung im Vordergrund. Winkelhausen engagierte sich spontan, als er von den Plänen hörte, die sein Dorf ungleich mehr betreffen. Er schrieb den Regierungsräten, er stellte Fragen, er gründete gemeinsam mit weiteren Mitstreitern das Komitee und organisierte eine Informationsveranstaltung. Dort sprach er vor weit über 200 Personen, er erhielt viel Spontanapplaus, wenn er gegen den Flughafen sprach.

Nein, persönlich profitiere er gar nicht vom Engagement, sagt der 50-Jährige. Im Gegenteil. Er hat eine Firma mit zehn Angestellten, er hat Familie. Er hätte genug zu tun. Aber er habe sich halt einfach immer engagiert, sagt Winkelhausen. Mit 28 sass er im Gemeinderat, später im Kantonsrat. Er war immer in Vereinen aktiv.

«Inzwischen wird mit härteren Bandagen gekämpft», beobachtet der Elektroingenieur. Er musste schon Stunden aufwenden, um abzuwehren, dass die Polizei die grossen Plakate entfernt, die entlang der grossen Strassen in der Region stehen. Flughafen-Befürworter hatten sich bei der Polizei gemeldet. Und auch Winkelhausen selbst will mit dem Komitee in den nächsten Monaten möglichst viel Druck machen. Denn sobald sich die Regierung erst einmal für die Pistenverlängerung entschieden habe, dann beginnt das entscheidende Verfahren auf Bundesebene. «Die Einflussmöglichkeit für die Region wird dann ungleich schwieriger», sagt er.

Winkelhausen blickt durch ein grosses Fenster aus seinem Büro in die Werkhalle seines Betriebes hinunter. Zehn Mitarbeitende sind hier tätig. Sie verchromen Zahnräder für Velos oder Walzen für die Lebensmittelindustrie. Er wäre der Letzte, der sich gegen den Ausbau wehren würde, «wenn dieser der Wirtschaft bringen würde, was die Flughafenpromotoren vorrechnen», sagt der 50-Jährige.