So schnell wie die Solothurner Regierung wollte, geht es nun doch nicht: Anfang 2015 hätte sie eigentlich den Grundsatzentscheid treffen wollen, ob das entscheidende Verfahren für die 450-Meter-Pistenverlängerung in Grenchen an die Hand genommen wird oder ob das Projekt abgebrochen wird. Doch nach den ersten Gesprächen zwischen Flughafen, Gemeinden, Behörden und Verbänden steht nun fest: Es sind noch zu viele Fragen offen, weitere Abklärungen sind nötig.

Es ist noch nichts beschlossen

Vor Mitte des nächsten Jahres sei kaum mit einem Entscheid zu rechnen, erklärt Bernard Staub, Chef des federführenden Amtes für Raumplanung. Im kommenden Januar wird es eine zweite Gesprächsrunde geben, allenfalls folgt eine dritte im Frühling. Einmal mehr betont Staub: «Das Verfahren ist ergebnisoffen. Es ist noch nicht klar, ob die Pistenverlängerung kommt.» In folgenden Punkten sind noch Fragen offen:

- «Die wirtschaftliche Bedeutung ist bisher nicht genügend aufgezeigt worden. Aus der Wirtschaft waren kaum Stimmen zu hören», sagt Staub. «Den wirtschaftlichen Mehrwert der Pistenverlängerung haben die Verantwortlichen des Regionalflugplatzes bisher noch nicht überzeugend und transparent darlegen können.»

- Die Grenzen der heutigen Landwirtschafts- und Schutzzone Witi müssten bei einer Pistenverlängerung neu gezogen werden. Denn das für die Pistenverlängerung benötigte Stück Land liegt in der Schutzzone. Raumplanerisch wäre die Anpassung des Perimeters nicht einfach, es gäbe mehrere Beschwerdemöglichkeiten.

- Für das umgezonte Landwirtschafts- und Schutzland müsste andernorts Ersatzland gefunden werden. Es besteht die Idee, ein Stück Reservezone des Grenchner Baulandes an der Neckarsulmstrasse in die Landwirtschaftszone zurückzuzonen. Für die Stadt Grenchen würde dies bedeuten, dass die bauliche Entwicklung der heutigen Wirtschaftszone an der Neckarsulmstrasse Richtung Osten klar begrenzt wird.

- Mit welchen Auswirkungen muss die betroffene Bevölkerung rechnen? Gibt es geeignete Massnahmen, um negative Auswirkungen wie etwa die Lärmbelastung zu mindern? Das sind weitere offene Fragen. Der Flughafen hat bisher angeboten, über Mittag die Sperrzeiten um 15 Minuten zu verschieben. «Das ist gar nichts», sagt Staub. «Wo liegen die möglichen Spielräume im Betriebsregelement? Das müssten die Verantwortlichen noch aufzeigen.»

- Es gibt mehrere Bauern, die Land verlieren würden. Ihnen müssten Ersatzangebote gemacht werden. «Ohne Realersatzflächen kann man das Projekt vergessen», sagt Staub. Welcher Bauer wie viel Land verliert und was dies für den einzelnen ökonomisch bedeutet, klärt das Amt für Raumplanung derzeit ab. Staub will verlässliche Daten. «Jeder Bauer ist Unternehmer. Ein Landverlust kann existenziell sein.» (lfh)