Ständerat Kt. Solothurn
Pirmin Bischof konnte nicht lange sprachlos bleiben

An den Solothurner Ständeratswahlen hat der CVP-Mann Primin Bischof einen Erdrutschsieg errungen – der zweite Wahlgang bestätigte die historische Niederlage für die FDP. Eine Analyse.

Urs Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Gratulation für den neuen CVP-Ständerat Pirmin Bischof: FDP-Mann Kurt Fluri (r.) zeigt sich im Solothurner Rathaus als fairer Verlierer.

Gratulation für den neuen CVP-Ständerat Pirmin Bischof: FDP-Mann Kurt Fluri (r.) zeigt sich im Solothurner Rathaus als fairer Verlierer.

Hanspeter Bärtschi

«Ich bin sprachlos», mit diesen Worten betrat ein strahlender Pirmin Bischof, soeben frisch gewählter Ständerat des Kantons Solothurn, gestern um 12.41 Uhr den «Steinernen Saal» des Rathauses. Die Sprachlosigkeit hielt aber nur einige Zehntelsekunden an. Nicht nur deshalb, weil Pirmin Bischof bekanntermassen immer etwas zu sagen hat. Vielmehr vor allem deshalb, weil die versammelte Schar der Medienschaffenden von Bischof eine erste Beurteilung seines erdrutschartigen Erfolges in acht von zehn Bezirken erwartete. Denn jetzt war klar, dass er als Nachfolger von Rolf Büttiker (FDP), zusammen mit Roberto Zanetti (SP), den Kanton im «Stöckli» vertreten wird.

Die Deutlichkeit des Resultates hatte so niemand erwartet: Mehr als die Hälfte, 51,24% der Wählenden votierten für CVP-Mann Pirmin Bischof, nur ernüchternde 37,74% für FDP-Kandidat Kurt Fluri, während der parteilose Aussenseiter Peter Brudermann auf achtbare 11,02% kam. Sein Vorsprung von fast 8400 Stimmen auf Fluri sei auch für ihn «völlig überraschend hoch» ausgefallen, erklärte ein strahlender Pirmin Bischof in etliche Mikrofone.

Bischof «dank» SVP gewählt

Der Verlierer im Duell der bürgerlichen Schwesterparteien, Kurt Fluri, gestand sichtlich enttäuscht und um Fassung ringend: «Ich habe auch mit einer Niederlage rechnen müssen, aber dass der Abstand so deutlich ist, das habe ich nicht erwartet.»

Im Vergleich zum ersten Wahlgang konnte er den Rückstand auf Bischof zwar um rund einen Drittel verringern - doch das reichte bei weitem nicht. Eines der wenigen Highlights des gestrigen Tages dürfte deshalb für Fluri gewesen sein, dass er immerhin in «seinem» Stadtbezirk Solothurn diesmal 661 Stimmen vor Bischof lag. Dies im Gegensatz zum 23. Oktober, als Bischof ihn um wenige Stimmen geschlagen hatte. Im Bucheggberg lag der Stadtpräsident auch diesmal vor dem CVP-Kandidaten.

«Wir konnten das Blatt nicht mehr wenden», musste auch FDP-Kantonalpräsident Christian Scheuermeyer eingestehen. Dass diese Schlappe - nach Querelen um den bisherigen Ständerat Rolf Büttiker vor dem ersten Wahlgang - auch eine «hausgemachte» ist, sei nicht auszuschliessen. Offensichtlich ist: Je weiter von Solothurn entfernt, desto geringer der Sukkurs für FDP-Mann Fluri.

«Schlicht unverständlich» ist laut Scheuermeyer, dass die SVP Kurt Fluri die Unterstützung verweigert und damit die Wahl des - nach SVP-Lesart - noch «linkeren» Bischof ermöglicht hat. Die SVP hatte ihren Kandidaten Walter Wobmann zurückgezogen und - angesichts der zwei «Blocher-Abwähler» von CVP und FDP - demonstrativ keine Wahlempfehlung abgegeben. Anderseits konnte der Aufruf von SP-Exponenten und Kulturschaffenden zur Wahl Fluris die Strahlkraft Bischofs, immerhin Sekretär des Staatspersonalverbandes, im linken Lager nicht aufheben.

FDP erstmals ohne Ständerat

Tatsache ist, dass die einst staatstragenden Solothurner Freisinnigen erstmals seit 1848 keinen Ständerat mehr stellen. Die Liberalen sind in den zwei Wahlgängen vom 23. Oktober und von gestern in jeder Beziehung auf ein Durchschnittsmass zurückgestutzt worden.

Ja, unter dem Strich bleibt ihnen (bei einem Wähleranteil von immerhin 18,4% bei den Nationalratswahlen), nur gerade der Nationalratssitz von Kurt Fluri, während die CVP (Wähleranteil 17,9%) jetzt nicht nur zwei Nationalräte, sondern auch einen Ständerat stellt. Selbst dieses «Gespenst», von der FDP in den letzten Wochen eifrig an die Wand gemalt, mochte die Massen nicht zu bewegen.

Der «Bauernsitz» wurde gesichert

Mit dem Sprung von Pirmin Bischof in den Ständerat rückt der erste Ersatz auf der CVP-Liste, der Deitinger Meisterlandwirt Urs Schläfli (48), in den Nationalrat nach. Dass Solothurn wieder einen Bauern nach «Bern» schickt, ist umso bemerkenswerter, als der Landwirtschafts-Sektor im Dienstleistungs- und Industriekanton einen Anteil von nur gerade noch 2,74 Prozent der Erwerbstätigen hat.

Der «Bauernsitz» hat allerdings Tradition, fuhren doch in jüngerer Zeit stets CVP-Landwirtschaftsvertreter nach Bern: zuletzt Elvira Bader; davor Urs Nussbaumer. Die Aussicht auf das Nachrücken Schläflis und damit auf den Erhalt des «Bauernsitzes» dürfte denn ebenfalls ein Stück dazu beigetragen haben, dass in ländlichen Regionen auch freisinnige Stimmen an Bischof gingen.

Achtungserfolg für Brudermann

Der parteilose Peter Brudermann trat erst im zweiten Wahlgang an und hatte aus finanziellen Gründen seinen Wahlflyer nur in ein paar wenigen Gemeinden verteilen können. Sein Resultat kann sich vor diesem Hintergrund sehen lassen.

Es zeigt, dass wohl etliche Protestwähler, die weder Fluri noch Bischof wählen mochten, dessen Namen auf den Wahlzettel geschrieben haben. Dies umso mehr, als Brudermann im Wahlkampf in einigen Fragen durchaus SVP-Positionen vertreten hatte.

Brudermann selber sagte gestern selbstkritisch, dass er mehr Stimmen erwartet habe. Seinem politischen Sendungsbewusstsein tut dies aber keinen Abbruch: «Ja,» sagt Brudermann, «ich überlege mir, 2012 für den Regierungsrat zu kandidieren.»