Ständeratskandidaten

Pirmin Bischof ist in der Solothurner Tradition verwurzelt

Pirmin Bischof am Stand von Marktfahrerin Lucy Maurer aus Diessbach b. Büren.

Pirmin Bischof am Stand von Marktfahrerin Lucy Maurer aus Diessbach b. Büren.

Pirmin Bischof (Solothurn) will für die CVP einen Sitz im «Stöckli» erobern. Der Ständeratskandidat hängt an Solothurn und dem Märet. Dieser gehört für Bischof zu jeder Woche dazu.

Es ist Samstag, acht Uhr früh, kühl, es nieselt leicht – der erste wirkliche Herbsttag in diesem Jahr. Während viele Solothurner noch in den Federn liegen, ist Pirmin Bischof mit seinem Einkaufskorb auf dem Märet unterwegs. «Nein, nein, ich bin eigentlich kein Frühaufsteher», winkt er ab.

Der wöchentliche Gang über den Markt aber muss sein, selbst wenn der dicht gedrängte Zeitplan dies momentan kaum zulässt. «Der Märet, auf dem man sich trifft und Frischprodukte kaufen kann, gehört zu Solothurn und zu mir.» «Herr Bischof, was darf i euch gä?», heisst es immer wieder vonseiten der Marktleute. Und sein Korb füllt sich allmählich mit frischem Obst, Gemüse, Brot und Käse.

In die Kochkunst eingeweiht

«Hallo zäme», «Grüessech zäme» – der Markt belebt sich mit kauffreudigen Kunden, darunter viele Bekannte. An einem Marktstand bekommt Bischof eine Paprika in der CVP-Farbe Orange geschenkt – und ersteht gleich etliche weitere. Nicht vorbei kommt der CVP-Politiker an den aufgeschnittenen, leuchtend-orangen Kürbissen, wobei eine Kundin aus dem linken Lager deren Farbe anders deutet: «Politisch gesehen sind die Kürbisse aussen grün und innen rot», meint sie keck, was Bischof nicht unwidersprochen lässt, um sich nur kurz darauf einige Mini-Pelati «für eine schöne Caprese» einpacken zu lassen. «Jetzt habe ich doch noch etwas Rotes gekauft.»

Pirmin Bischof, Ständeratskandidat der CVP, erklärt, was für ihn der Solothurner Märet bedeutet

Pirmin Bischof, Ständeratskandidat der CVP, erklärt, was für ihn der Solothurner Märet bedeutet

«Gut essen und auch selber kochen macht mir Spass», sagt er. Für Letzteres aber bleibt ihm neben der Anwaltskanzlei und der politischen Arbeit als Nationalrat und Solothurner Gemeinderat kaum noch Zeit. «Früher war das anders.» Eingeweiht in die Kochkunst hatte ihn seine Mutter. «Wir sind viel gemeinsam in der Küche gestanden.» Auch seine erklärte Lieblingsspeise stammt aus der Familientradition: «Spitzgüegi», ein Gericht aus dem Schwarzbubenland, der Heimat der Mutter seiner Mutter. Die Basis dieses süsssauren Eintopfs bilden harte kleine Birnen, die weich gekocht und caramelisiert in Einmachgläser abgefüllt werden.

Marxistische Theorie gebüffelt

Die Familie ist auch nicht ganz unschuldig daran, dass für Bischof die CVP zur politischen Heimat geworden ist. «Ich bin in einem unpolitischen, aber religiösen, römisch-katholischen Haus aufgewachsen.» Da war es zum Beispiel auch selbstverständlich, dass der kleine Pirmin über mehrere Jahre hinweg als Singknabe wirkte. Heute ist es aber weniger eine bestimmte Konfession, die ihn persönlich und seine politische Arbeit prägt. «Wichtig ist für mich in erster Linie eine christlich-humanistische Grundhaltung.»

Politik begann ihn früh zu interessieren. «Schon in der Schule hatte ich den Wunsch, meine Umgebung mitzugestalten.» Gegen Ende seiner Kantizeit hat er sich mit «einigen guten Kollegen» dem Wiederaufbau der jungen CVP gewidmet. Sein politisches Weltbild sei dabei wesentlich mitbestimmt worden durch die liberale, freisinnige Tradition der Kantonsschule Solothurn – aber auch durch eine sozialdemokratische Geschichtslehrerin, die ihren Schülern marxistische und sozialistische Theorie näherbrachte. «Wir haben uns im Geschichtsunterricht eingehend mit den französischen Frühsozialisten beschäftigt.»

Der Liberalismus und der Sozialismus, so Bischof, haben sein politisches Verständnis geprägt. «Ich sehe mich einerseits einem auf Selbstverantwortung beruhenden Menschenbild verpflichtet, andererseits darf aber die Marktwirtschaft nicht ausufern.»

Vier Göttikinder sichern Bezug zur Jugend

Wenn Pirmin Bischof einkaufen geht, dann wandern jeweils nur kleine Mengen in seinen Einkaufskorb. So viel eben, wie es für einen Einpersonenhaushalt braucht. «Es war kein bewusster Entscheid, als Junggeselle zu leben», sagt der 52-jährige Vertreter der CVP, die bei der Familienpolitik einen wichtigen Schwerpunkt setzt. «Mit meinem beruflichen und politischen Engagement könnte ich heute einer Familie nicht die Zeit widmen, die sie verdient.»

Seine vier Göttikinder aber sichern ihm den Bezug zur Jugend. Und: «In der politischen Arbeit setze ich mich neben dem Bereich Wirtschaft und Finanzen auch für Familien ein.»

Solothurn – und die Welt

«Ich bin ein positiver Mensch und mache das Beste aus der Situation, wie sie eben ist.» Besonders gefordert war Bischof diesbezüglich Anfang der 90er-Jahre, als er, selber Bankrat, den Zusammenbruch der Solothurner Kantonalbank miterlebt. «Das war eine sehr schwierige Zeit», gibt er unumwunden zu. Da waren zum einen die «vielen persönlichen Anfeindungen», mit denen er fertig werden musste. Und: «Ich habe mich auch selber immer wieder gefragt, wie ich als Bankrat vielleicht mit noch kritischeren Fragen Fehlentwicklungen hätte vermeiden können.»

«In Solothurn bin ich ‹deheime›, hier bin ich aufgewachsen, hierher bin ich immer wieder zurückgekehrt», unterstreicht Bischof seine Verbundenheit mit der Stadt und dem Kanton. Neben dem wöchentlichen Gang über den Märet ist das Engagement an der Solothurner Fasnacht fix in seinen Kalender eingetragen. Seit 27 Jahren ist er aktiv mit dabei, dichtet und komponiert, seit vielen Jahren als Mitglied der «Stedtlischiiisser». «Eine Woche Musik, Poesie und Satire ist ein kreativer Ausgleich, Fasnacht ist für mich ein echtes Stück Kultur.»

Bischof reist gerne

Obwohl in der heimischen Tradition verwurzelt, interessiert sich Bischof immer auch für die Welt jenseits der regionalen und der nationalen Grenze. Als junger, ehrgeiziger Jurist lebte er zwecks Weiterbildung Ende der 80er-Jahre länger in den USA. Zudem unternimmt er gerne Reisen in aller Herren Länder: «Mein Interesse gilt dabei vor allem den Menschen und ihrer Art zu leben», sagt er, ganz Politiker.

Bereits erschienen Roberto Zanetti (SP, Gerlafingen) 8.10., Walter Wobmann (SVP, Gretzenbach) 10.10. und Kurt Fluri (FDP, Solothurn) 11.10. 2011.

Meistgesehen

Artboard 1