Grenchen

Philipp Ubeländer: «Parteien sind für mich absolut tabu»

Das Spital wieder zu eröffnen, ist eines der Ziele Ubeländers.

Das Spital wieder zu eröffnen, ist eines der Ziele Ubeländers.

Der Kandidat für das Grenchner Stadtpräsidium, Philipp Ubeländer (26, parteilos) sagt im Interview, was er alles anders machen möchte. Er erklärt zudem wieso er sich klar gegen Parteien ausspricht.

Philipp Ubeländer ist der krasse Aussenseiter im Wahlkampf um das Stadtpräsidium Grenchens. Seine Kandidatur wird von seiner Gegnerschaft eher weniger ernst genommen. Aber der politisch unerfahrene Grenchner hat durchaus auch ernstzunehmende Anliegen. So setzt er sich für die Benachteiligten der Gesellschaft ein, möchte dem Volk mehr Mitsprachemöglichkeiten einräumen und will in Sachen Energie völlig neue und radikale Lösungen anstreben.

Philipp Ubeländer, warum sind Sie der Richtige für das Amt?

Ubeländer: Weil ich mit dem Herz politisiere und nicht mit dem Kopf. Ich will für das Volk da sein. Und dieses soll sich mehr einbringen und mitbestimmen können. Diese Möglichkeit bestand bisher viel zu wenig.

Ihr parteiloser Gegenkandidat, Daniel Flury, hat angekündigt, er würde im Fall seiner Wahl auf einen Teil seines Gehalts verzichten. Sie auch?

Nein, auf keinen Fall.

Was steht zuoberst auf Ihrer Prioritätenliste?

Grenchen braucht wieder ein Spital. Denn in Grenchen fehlt die Erstversorgung, insbesondere für Familien mit Kleinkindern oder für alte, pflegebedürftige Personen, die nicht so viel Geld haben. Ist ein Kleinkind krank, muss man nach Biel fahren, sofern man bei seiner Krankenkasse überhaupt für ausserkantonale Spitäler versichert ist. Und ruft man die Ambulanz, heisst es dort: «Wir sind doch kein Taxi-Unternehmen.» Deshalb braucht es in Grenchen dringend wieder eine Notfallstation, damit auch Menschen mit geringeren finanziellen Möglichkeiten einen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung erhalten.

Weitere Themata, die Ihnen wichtig sind?

Ich setze mich für eine gesunde Familienpolitik ein, die insbesondere bedürftige Familien unterstützt. Das Sozialamt beispielsweise muss mehr helfen, statt bloss Bedingungen zu stellen. Es kann ja nicht sein, dass einer, der Sozialhilfe bezieht und zusätzlich arbeitet, am Ende weniger verdient als der, der nur auf der faulen Haut liegt und nichts tut. Die Anzahl Bewerbungen, die man schreiben muss, ist zum Beispiel viel zu hoch. Und viele wissen auch gar nicht, wie man das machen muss.

Wie soll die Hilfe aussehen?

Man muss den Leuten bei den Bewerbungen helfen, die Anzahl der erforderlichen Bewerbungen verringern und ihnen mit Rat und Tat beim Verfassen zur Seite stehen. Bei Rechtsstreitigkeiten sollten Anwälte einen Teil ihrer Zeit kostenlos zur Verfügung stellen und den bedürftigen Familien ehrenamtlich beistehen, das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit.

Auf Ihrem Flyer machen sie sich für den Ausstieg Grenchens aus der Atomenergie stark. Wie genau?

Wir müssen den Strom, den wir hier verbrauchen, auch in Grenchen herstellen. Deshalb statt nur drei Windräder auf dem Berg gleich fünf oder noch mehr. Den Kühen, die dort grasen, ist egal, wie viele Windräder da oben stehen. Und auf jedes Gebäude, wie Velodrome, Stadtdach, Centro und so weiter muss man eine Solaranlage bauen. Denn sobald man irgendwo Strom einkauft, weiss man nicht, ob es nicht doch Atomstrom ist, den man bezieht. Nur wenn man ihn selber herstellt, hat man die Gewissheit.

Was meinen Sie zur Attraktivierung und Belebung der Innenstadt, wie sie von allen Seiten gefordert wird?

Es braucht ein Warenhaus, das ist auch meine Meinung. Aber ich würde es nicht dort bauen, wo es vorgesehen ist (südlich der Schild-Rust-Strasse gegenüber der ETA, Anm. der Redaktion), sondern ich würde eher das Coop aufstocken, falls das bautechnisch möglich ist. Das käme wahrscheinlich sowieso billiger, weil die Infrastruktur schon da ist, und die Lage wäre auch günstiger. Und um das Image zu verbessern – das übrigens ausserhalb des Kantons gar nicht so schlecht ist – müssten mehr Veranstaltungen wie der «Ice-Breaker» regelmässig stattfinden. Man könnte auch das Jodlerfest nach Grenchen holen.

Was meinen Sie zum Lingeriz?

Das Lingeriz ist ja eigentlich ein schönes Quartier. Aber es gäbe doch Einiges zu verbessern und zu verschönern. Ich unterstütze auch die Unterschriftenaktion der SP für einen Kindergarten im Lingeriz. Denn ein Kinderleben ist viel wichtiger als Geld. Der Gemeinderat nimmt mit seiner Entscheidung in Kauf, dass Kinder zu Tode kommen.

Apropos Gemeinderat: Sie haben sich immer klar gegen die Parteien ausgesprochen. Wie muss man das verstehen?

Parteien sind für mich absolut tabu. Denn sie politisieren am Volk vorbei, und nur das Volk ist wichtig.

Aber um im Gemeinderat Mehrheiten zu finden und um in Kommissionen arbeiten zu können, braucht es doch die Parteien, oder nicht?

Ja natürlich. Ich würde mich auch einer Fraktion anschliessen, am ehesten der der SP. Mit SP-Präsident Remo Bill hatte ich diesbezüglich auch schon Kontakt. Denn die Bürgerlichen haben mich bis jetzt nicht mal mit der linken Arschbacke angeschaut.

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