Seeland/Kanton Bern

Pfadikrieg: Der Streit spitzt sich immer mehr zu

Der Ort des Geschehens: Pfadilager in Studen

Der Ort des Geschehens: Pfadilager in Studen

Nach dem Bekanntwerden der Vorfälle im Lager des Pfadfinderbund Seeland in Studen häufen sich die Vorwürfe gegen das einschlägig bekannte Leiterehepaar, Alexander und Sabine S.. Hauptgrund ist dessen Umgang mit Pfadern, Eltern oder Behörden.

Das Leiterpaar Alexander und Sabine S. bestreiten in zahlreichen Mails und Telefonaten die Vorwürfe vehement. Tatsächlich: Es gibt auch Kinder, welchen das Lager gefiel.

Hintergrund zum neuen Konflikt ist der zweifache Polizeieinsatz der Berner Kantonspolizei in Studen, wo der Pfadfinderbund Seeland das Sommerlager abhielt. Bestätigten Informationen zufolge musste die Polizei nach einer missglückten Pfadfindertaufe - ein achtjähriges Mädchen musste angeblich im Regen im Pyjama angeleint durch den Schlamm kriechen - zum ersten Mal ausrücken. Später wurde die Polizei ein zweites Mal wegen eines Handgemenges und Tätlichkeiten zwischen dem Leiterpaar und der Küchencrew gerufen und schickte eine Präventionsgruppe auf das Lagergelände in Studen. Seither bekämpfen sich die Parteien offen. Fakt ist, dass ein Grossteil der Vorwürfe nicht neu ist (siehe Chronologie).

«Die Kinder stehen im Vordergrund»

Das Ehepaar leitete seit mehreren Jahren in Grenchen auch Ferienpasskurse, welche im Schnitt überdurchschnittlich besucht wurden. Bereits nach einer rechtskräftigen Verurteilung von Alexander S. vor drei Jahren wegen Brandstiftung gingen die Verantwortlichen dort zwar über die Bücher. Die Behörden entschieden aber, die Kurse weiterhin durchzuführen.

Mit den erneuten Vorfällen haben aber nun auch die Ferienpass-Verantwortlichen in Grenchen genug. «Die Kinder stehen im Vordergrund», erklärt Tamara Sitter von «Netzwerk Grenchen», welche im Auftrag der Stadt die Kurse organisiert. Sie teilte dem Ehepaar gestern mit, dass die beiden Kurse dieses Jahr ersatzlos gestrichen werden. Für Kurt Boner, Leiter Soziale Dienste Oberer Leberberg, dem das Netzwerk unterstellt ist, ist die Entscheidung der Verantwortlichen völlig logisch und klar und wird von ihm begrüsst. Er selber habe nichts unternommen, da er sich nicht ins operative Geschäft einmische, sagt er auf Anfrage. Aber natürlich sei ihm das Paar bestens bekannt.

Drohungen und Beleidigungen

Happige Vorwürfe kommen auch von den Archer Behörden, wie das «Bieler Tagblatt» gestern berichtete. Tatsächlich zeigen weitere Recherchen: Das Dorf bot dem Pfadfinderbund Seeland mehrere Jahre kostenlosen Unterschlupf in der Zivilschutzanlage. Verschiedenen Angaben zufolge sind während dieser Zeit sogar Partys abseits der Pfadiaktivität in der Anlage gefeiert worden. Im vergangenen Jahr eskalierte dann die Lage zwischen der Burgergemeinde und dem Dorf. Das Ehepaar wollte im östlichen Dorfteil ein Lager veranstalten und bat um eine Bewilligung, um eine Feuerstelle und einen Unterstand zu erbauen. Schliesslich erbauten sie aber eine riesige Holzkonstruktion, die noch immer auf dem Gelände Schlosshubel steht. «Eigentlich sollte diese schon lange abgerissen werden, aber das Ehepaar reagierte nicht», so ein Burgerratsmitglied. Und wenn sich das Paar doch einmal an die Gemeinde wandte, wurde höchstens gedroht und beleidigt. So verbot dieses Jahr die Burgergemeinde der Pfadi die Lager-Durchführung in Arch, nachdem sie über das Internet vom Vorhaben erfahren musste.

«Von den Archer Kindern ist sowieso keines mehr dabei», erzählt eine Mutter, welche ihre Kinder während mehrerer Jahre im Pfadfinderbund Seeland hatte. Sie war nicht erstaunt, als sie von den neuen Vorwürfen erfuhr. «Schon damals wurden die Kinder systematisch unter Druck gesetzt, wenn sie beispielsweise nicht im Lager übernachten wollten. Zudem war die Pfadi ein organisatorisches Chaos, im Gegenzug wurde aber die anderen immer als unfähig und schuldig dargestellt.» Das Ehepaar S. sei auch gegenüber den Eltern ausfällig geworden und einmal seien sogar falsche Rechnungen für zu späte Lagerabmeldungen verschickt worden.

Keine Strafanzeigen eingegangen

Im Gegenzug gibt es auch positive Stimmen. So sei die Betreuung ihres Sohnes gut gewesen, erzählt eine Mutter eines autistischen Kindes aus Dotzigen. Ihr Sohn sei rücksichtsvoll begleitet worden. Den Konflikt im Lager zwischen der Küchencrew und dem Leiterehepaar könne sie sich nicht erklären. Dieser müsse sich um belanglose Dinge gedreht haben, bis er eskaliert sei. Diese These stützt auch eine andere Lagerteilnehmerin, welche das Lager als «cool» bezeichnet. Der Streit sei nur zwischen den Leitern ausgebrochen und ausgetragen worden.

Fakt ist, im aktuellen Fall holt nun das Ehepaar S. wieder zum Rundumschlag gegen alle Kritiker aus und spricht gegen Journalisten und Fotografen Drohungen aus. Obwohl von allen Seiten im Anschluss an die Eskalation im Zirkuslager in Studen mehrere Strafanzeigen angedroht wurden, ging bisher bei keiner Kantonspolizei eine derartige Anzeige ein. Sie seien gerade auf dem Weg auf den Polizeiposten, erklärt Sabine S. am Handy. Für weitere Auskünfte sei der Anwalt zuständig, der aber nicht erreichbar war.

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