Eines haben die Bieler Fasnächtler in diesem Jahr einmal mehr bewiesen: auch wenn bei den Umzügen der Grösse der Wagen aufgrund der Trolleybus-Leitungen Grenzen gesetzt sind und diese deswegen nicht so gross und imposant ausfallen wie beispielsweise in Solothurn: Die Bieler Fasnacht braucht sich nicht zu verstecken. Was gezeigt wurde, war witzig und bis ins Detail ausgearbeitet, die Bieler Wagen- und Laternenbauer haben ihre Sujets gekonnt umgesetzt und mit viel Elan dem Publikum gezeigt.

Besonders beeindruckend: Die Bieler Guggenmusiken scheinen jedes Jahr zu wachsen, nicht nur personell, sondern auch musikalisch. Bereits am Nachtumzug am Freitagabend überzeugten sie mit herrlichen, schrecklich schönen Kostümen und sattem, gut arrangiertem Guggensound. Viele der Guggen hatten ihre Kostüme extra für den Nachtumzug hergerichtet und mit einer Beleuchtung versehen. Und kam da so eine Gruppe gemächlichen Schrittes daher mit ihren «grausigen» Masken, die einen das Fürchten lehren konnten, wusste man, auch ohne den Wetterbericht zu konsultieren: Der Winter MUSS ja ob so gut inszeniertem Grusel einfach nur noch Reissaus nehmen.

Am Kinderumzug am Samstagnachmittag säumten Tausende die Strassen der Bieler Innenstadt. Diese gehörte für zwei Stunden ganz den Kleinen und dem Nachwuchs. Prinzessinnen, Zauberer, Clowns, Piraten und Cowboys lieferten sich auf dem Weg durch die Stadt wilde Konfettischlachten mit dem Publikum, deweil die Nachwuchsgruppen verschiedener Guggenmusiken ihr Können demonstrierten. Schade nur, dass viele der Eltern, welche ihre Kinder am Umzug begleiteten, darauf verzichteten, sich selber zu kostümieren und der Blick auf die kleinen Schönheiten oft verdeckt war.

Samstagabend dann die Strassenfasnacht auf der Bahnhofstrasse und am Zentralplatz. Zwar hatte der Beobachter zwischenzeitlich Zweifel daran, ob denn tatsächlich Fasnacht sei, weil die Mehrzahl der Anwesenden wenig oder gar nicht kostümiert oder maskiert war. Beim näheren Hinsehen konnte man allerdings ausgefallene und äusserst fantasievolle Gruppen ausmachen, die sich mit tollen Kostümen und Masken dem bunten Treiben hingaben. Die Jury, welche die besten Kostüme prämierte, war jedenfalls über den Einfallsreichtum und die Liebe zum Detail derjenigen, welche sich ihrem Urteil stellten, absolut begeistert.

Gruppen von jungen Männern in ihren Kunstlederjäggli, welche vom Testosteron angetrieben allen anderen zeigen mussten, dass sie «Sibesieche» sind, machten es leider oft schwierig, die Strassenfasnacht unbeschwert zu geniessen.

Am Sonntagnachmittag präsentierten sich die vielen Guggenmusiken, die Wagenbauer und die prämierten Einzelmasken dann nochmals dem zahlreich erschienenen Publikum am grossen Umzug. Mit Konfetti zuhauf, aber auch mit Täfeli wurde das Publikum eingedeckt. Der Umzug mit insgesamt 63 Nummern, darunter auch auswärtige Guggenmusiken und Cliquen, dauerte über zwei Stunden. Danach trafen sich die Guggenmusiken auf dem Zentralplatz zur kakofonischen «Monschterguggete».