In der «Autostadt Grenchen» sind nicht weniger als 18 Ferraris eingelöst (Olten 10, Solothurn 5). Im Rahmen unserer Serie über spezielle Autos haben wir auch den einen oder anderen Grenchner Besitzer eines Supersportwagens angefragt, ob er sein Fahrzeug präsentieren wolle. Es gab aber lauter Absagen.

Einer, der auch öffentlich zu seinem Ferrari steht, ist Peter Stalder aus Bettlach. «Ein Freund und ich haben gewettet, dass wir beide mit vierzig einen Ferrari besitzen werden.» Doch gewonnen habe niemand, so Stalder.

«Wir besitzen inzwischen zwar beide einen Ferrari, doch das vierzigste Lebensjahr haben wir überschritten.» Der Ferrari war das erste Auto, das Stalder aus einer Emotion heraus erstanden hat. Was ist denn das Besondere am «Youngtimer» Ferrari F550 Maranello von 1998?

«Nun, ich möchte zunächst mal festhalten, dass man damit auch einfach von A nach B fährt. Es ist ein Sportwagen und er hat einen anderen Klang. Was man sich ebenfalls vor Augen halten muss: Bei einem Ferrari fallen sehr viele Kosten an. Er braucht mehr Benzin und ist für den Alltag deswegen nicht wirklich geeignet, dafür aber für den gelegentlichen Gebrauch. Dann ist es einfach fantastisch, damit zu fahren.»

Technik fasziniert

Der Ferrari läuft mit einem V12-Zylindermotor mit 5,5 Liter Hubraum und hat eine Leistung von 485 PS. Was Stalder damals wie auch heute vor allem fasziniert ist das Leistungsvermögen und die hochkomplexe Mechanik des Fahrzeugs.

Auch die Gewichtverteilung sei grandios. «Wenn man den Ferrari mit heutigen Fahrzeugen oder gar mit neuen Ferraris vergleicht, so sieht man, dass er daran nicht herankommt. Doch zu seiner Zeit war er ein Hit. Die neusten Ferraris sind Luxussportwagen und agiler.»

Stalder ist in Grenchen aufgewachsen, hat eine Mechanikerlehre in der Ebosa abgeschlossen und eine zweite Ausbildung als Flugzeugmechaniker angehängt. Seit 24 Jahren wohnt er in Bettlach und seit dem Kauf des Ferrari vor dreizehn Jahren sind Autos zu einer Leidenschaft geworden, der er in seiner Freizeit sehr intensiv nachgeht.

Er sammelt technisch spannende Oldtimer. Dabei nimmt er mit Ausnahme der Spenglerei und Malerei die Reparaturarbeiten selbst vor und orientiert sich am damaligen Stand der Technik. Teile, die nicht mehr hergestellt werden, produziert er selbst. Sein neustes Projekt ist die Instandsetzung eines Lancia Flavia Coupé mit Jahrgang 1965.

Dieser muss praktisch von Grund auf neu gebaut werden. «Es gibt zwei Arten der Restauration, die ich anwende: Man kann so reparieren, dass das Auto wie neu aussieht, oder so dass man die Gebrauchsspuren bemerkt.»

Ein weiteres wichtiges Kriterium beim Kauf der Fahrzeuge stellt für ihn der Werterhalt dar. «Dieser muss gegeben sein, das ist wichtig, denn solche Reparaturen sind sehr zeitaufwendig und sehr kostspielig.»

Heutzutage eher vorsichtig

Stellt man Stalder die Frage, weshalb Besitzer von teureren Wagen eher ablehnen, diese in der Öffentlichkeit zu präsentieren, denkt er an Neider und die Angst, zur eigenen Leistung zu stehen. «Man hat praktisch auf jedem Gebiet einen Gegner, einer der es einem übel nimmt, wenn man hart arbeitet und sich dafür etwas leisten kann», erklärt er.

«Deshalb werden Leistungen häufig versteckt, dies ist anders als früher. Wenn man in Zürich ein teures Auto stehen lässt, wird man es am Abend zerkratzt vorfinden, im Raum Solothurn ist dieses Phänomen zum Glück noch nicht so verbreitet.» Doch auch die Angst vor Diebstahl besteht. So lässt auch Stalder Vorsicht walten und möchte nicht, dass der die Öffentlichkeit weiss, wo seine Autos stehen.

Auch ein Ferrari hat Mängel

Um zum Ferrari F550 Maranello zurückzukommen, so hat Stalder noch eine weitere interessante Anekdote anzufügen: «Fünfzehn bis siebzehn Jahre später stellte man einen Mangel fest. Das Kunststoffmaterial, der Softlack, mit dem das Interieur beschichtet wurde, hat sich aufgelöst und ist ganz klebrig geworden.»

Man habe zwar damals Prüfungen durchgeführt, aber natürlich keine Langzeittests. Davon sei auch sein Ferrari betroffen. «Immer wenn ich dazukomme, bessere ich einen betroffenen Teil aus, dies ist sehr aufwendig.»