Der Grund: Mit ihm und dem Geschäftsführer der GTG, dem Basler Theatermacher Alex Truffer, trafen zwei Alphatiere aufeinander. Das ging laut Wüthrich eine Zeit lang gut, aber irgendwann hätten sie zu sehr in verschiedene Richtungen gezogen. Folglich habe er eine Entscheidung treffen müssen, «entweder er oder ich muss gehen».

Das Ende nach 16 Jahren

Die Gesamtschule für Theater war 1995 als Schule für das Laientheater von Iris Minder, Andreas Tschui und Heini Bürkli gegründet worden, Wüthrich wurde von Minder schon ein Jahr später ins Boot geholt. Er leitete die Schule zusammen mit Esther Stähli-Martin, die bis vor vier Jahren als Geschäftsführerin amtete, wurde Präsident des Trägervereins und machte die Theaterschule als grösste ihrer Art schweizweit bekannt.

Von rund 30 Kursen finden alljährlich 22 bis 24 in Grenchen statt. Als Esther Stähli-Martin 2008 ihren Rücktritt bekannt gab, hinterliess sie eine Lücke. Ein Jahr lang sprang ihr Sohn ein, bis man mit Alex Truffer jemanden fand, der die GTG bereits seit Jahren als Dozent begleitet hatte.

«Die Zusammenarbeit mit Esther war über all die Jahre immer gut gewesen. Wir konnten uns zusammensetzen und uns sachlich mit den anstehenden Fragen und Problemen befassen. Nach ihrem Rücktritt vor vier Jahren machte mir die Arbeit zunehmend weniger Freude». Denn Truffer hatte laut Wüthrich eine völlig andere Auffassung von Schule.

«Mit Esther als Geschäftsführerin pflegten wir eine enge Bindung zu unseren Kunden, boten Mediationen und eine Betreuung auch ausserhalb des ordentlichen Schulbetriebs an. Diese Auffassung teilte Alex nicht». Er habe die Schule als Business betrachtet und wollte diese ausserschulischen Dienstleistungen nicht anbieten.

Auch andere Konflikte zwischen den beiden Alphatieren seien immer mehr in den Vordergrund getreten, so Wüthrich. Er selber habe seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, dem Ganzen durch einen Rücktritt ein Ende zu setzen. Vor drei Wochen sei dann nach einer Differenz zwischen ihnen «das Fass übergelaufen». Er habe sich in der Folge vor etwa einer Woche dazu entschlossen, die Schule per sofort zu verlassen und sein Präsidium beim Trägerverein zur Verfügung zu stellen.

Der geborene Theatermensch

Aber: Truffer sei ein exzellenter Theatermann, ein ausgezeichneter Regisseur und Dozent, der der Schule bisher viel gebracht habe. Zwar ein sehr emotionaler Typ, der sich seiner Meinung nach manchmal nicht über die Konsequenzen seiner Handlungen und Aussagen im Klaren sei, sagt Wüthrich.

Der Abgang seines «Chefs» werde Truffer aber sicherlich anspornen, auch wenn er jetzt gerade vermutlich nicht nur freundliche Worte für Wüthrich übrig habe. «Truffer ist ein Top-Mann, der geborene Theatermensch. Wenn er mit dem Rücken zur Wand steht, liefert er Höchstleistungen, so wie ich ihn kenne. Und genau deshalb habe ich keine Angst, dass es jetzt etwa nicht mehr weitergeht mit der Gesamtschule für Theater Grenchen. Im Gegenteil: Wenn wir uns nicht mehr gegenseitig ausbremsen, ist das auch gut für die Schule.»

Für ihn sei klar gewesen, dass es einen totalen Schnitt brauche, nicht einen «Rückzug auf Raten». «Ich gehe auch nicht mit einer Wut im Bauch oder enttäuscht», sagt Wüthrich. Im Gegenteil: Der Schritt erfolge genau zum richtigen Zeitpunkt. Das neue Schuljahr ist noch nicht geplant und festgelegt, erst einige Rahmenbedingungen seien «genagelt», wie die provisorische Reservierung einzelner Räumlichkeiten für die Kurse.

Auf eigene Projekte konzentrieren

«Nun haben neue Leute die Gelegenheit, ihr Ding durchzuziehen und ich kann mich auf meine eigenen Projekte konzentrieren.» Wüthrich ist ein gefragter Regisseur: Momentan steckt er mitten in den Vorbereitungen zum 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel in Windisch Königsfelden.

Weitere Projekte für 2013 und 2014 sind geplant. Wüthrich hat aber sogar noch weitere Pläne: «Ich wurde bereits von verschiedenen Theatern angefragt, ob ich die Leitung übernehmen wolle», und das sei etwas, das ihn schon lange gereizt habe. «Theater verkaufen, das ist meine Stärke».

Alex Truffer hat kurz vor Redaktionsschluss ebenfalls Stellung bezogen: Die letzten Wochen seien sehr aufreibend gewesen und die Nerven teilweise blank gelegen. Er sei nicht überrascht. Truffer sieht die Problematik in ähnlicher Weise, auch er hege aber keine «schlechten Gefühle». Wüthrich habe ja auch schon länger eine mögliche Demission signalisiert.