Der hintere Teil der Werkzeugfabrik Perles am Büttenbergweg in Pieterlen kann abgerissen werden. Das erleichtert dem kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA) die Messung der dortigen Altlasten. Zugleich ist bei der Perles-Liegenschaft in Lengnau der Bau eines Mehrfamilienhauses geplant.

Die 1936 gegründete heutige Perles Elektrowerkzeuge und Motoren AG hat, um wettbewerbsfähig zu bleiben, die Herstellung ihrer Produkte über die Jahre schrittweise nach Slowenien und anderswo ausgelagert. Bis zur gänzlichen Produktionseinstellung am Sitz Büttenbergweg 5 in Pieterlen.

Es blieb die Handelsfirma und die firmeneigenen Immobilien. Das erhaltenswerte, über 100-jährige Hauptgebäude, ursprünglich als Uhrenfabrik erstellt zusammen mit der 1962 angebauten, westlichen Produktionshalle, prägen das Quartierbild beim Bahnhof Pieterlen nach wie vor markant. Nachdem die Abbruchbewilligung demnächst eintreffen sollte, kann mit dem Rückbau der ehemaligen Produktionshalle begonnen werden.
Die Einsprachefrist ist Ende Februar ungenutzt verstrichen, wie Ueli Hofer, Leiter Bau und Energie in Pieterlen, bestätigt.

Verschmutzung messen

Das ist eine gute Nachricht für das kantonale Amt für Wasser und Abwasser AWA. Denn der Boden und damit das Grundwasser des Areals sind mit chlorierten Kohlenwasserstoffen belastet. Diese werden in der Metall verarbeitenden Industrie zum Entfetten verwendet.
Während der Gebrauch heute unter strengen Auflagen stattfindet, gelangten diese Stoffe früher oft ins Erdreich. Da diese Lösungsmittel schwerer sind als Wasser, haben sie sich metertief unter den betreffenden Gewerbe- und Industrieliegenschaften im Boden angesammelt.

Der Abbruch erleichtert den AWA-Fachleuten die Messung der Verschmutzung und die Planung der Sanierung. «Die Bodenplatte des Gebäudes bleibt vorerst bestehen. Damit können wir unsere Sondierbohrungen durch diese Bodenplatte machen, ohne oben auf eine Zimmerdecke Rücksicht nehmen zu müssen. Analysen der Feststoff- und der Grundwasserproben werden uns über das Ausmass und die Konzentration der Belastung Auskunft geben.» Das sagt Olivier Kissling vom Fachbereich Grundwasser und Altlasten des Amts für Wasser und Abfall.

Selbst wenn das Grundstück ungenutzt bleiben sollte, bestehe Handlungsbedarf, so Olivier Kissling. Bei einer erneuten Überbauung, besonders im Fall einer Umnutzung, zum Beispiel für eine Wohnüberbauung, sei natürlich ebenfalls eine Sanierung angezeigt. «Manchmal kann diese gleich mit dem Aushub für den Keller und die Autoeinstellhalle erledigt werden.»

Wohnbau auch in Lengnau

In der Nachbargemeinde Lengnau sind weitere bauliche Aktivitäten durch Perles vorgesehen. Dort entsteht am Gummenweg 23a, auf Parzelle 3377, ein Mehrfamilienhaus mit acht Eigentumswohnungen, Autoeinstellhalle und Garagen (neu: Gummenweg 31). Auch in diesem Fall ist die Auflagefrist Mitte Februar ohne Einsprachen verstrichen, wie Ueli Bärtschi vom Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne auf Anfrage erklärt.

Die treibende Kraft hinter den Bauprojekten ist der Geschäftsmann Robert Nussbaumer. Über ihn ist wenig bekannt, ausser, dass er eine Beteiligungsfirma mit Adresse in Grenchen führt. Auch bei einem Augenschein in der verfallenden Perles-Liegenschaft in Pieterlen sind ihm kaum Informationen über seine Geschäftstätigkeit zu entlocken. «Ich handle im Auftrag des Eigentümers», sagt er lediglich.

Genossenschaftswohnungen

Nussbaumer erarbeitet seit dem Frühling 2018 ein Konzept um die Umnutzung der Perles-Liegenschaften mit über 7000 m2 Bauland. Im erhaltenswerten Perles-Fabrikbau ist die Umwandlung in Loft-Einheiten auf vier Geschossen vorgesehen. «Die Umnutzung von Gewerbeliegenschaften ergibt Sinn und ist begehrt», meint Nussbaumer.

Südlich zum Zälgliweg, auf weiteren ca. 900 m2 ist ein Mehrfamilienhaus «mit Genossenschaftswohnungen zu moderaten Mietzinsen» geplant. «Günstigen Wohnraum braucht es in der Region», ist er überzeugt. Nach erfolgtem Teilabbruch und der Altlastensanierung sollen auf der Restfläche der firmeneigenen Grundstücke Gewerbeliegenschaften erstellt werden. Davon erhofft sich Perles neue Arbeitsplätze für das Dorf und damit auch die Reduktion des örtlichen Leerwohnungsbestandes.