Parktheater
«Spatz und Engel» – das Spiel zweier Diven

Die Freundschaft von Marlene Dietrich und Edith Piaf auf der Bühne des Parktheaters dargeboten vom Tournee-Theater Thespiskarren.

André Weyermann
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«Spatz und Engel» mit Heleen Joor und Susanne Rader begeisterte das Grenchner Publikum.

«Spatz und Engel» mit Heleen Joor und Susanne Rader begeisterte das Grenchner Publikum.

Helmut Seuffert

Endlich wieder Theater live. Und was für eines. Das musikalische Schauspiel «Spatz und Engel» begeisterte die zugelassenen 50 Personen in Parktheater. Die erstaunlicherweise kaum bekannte tiefe Freundschaft zwischen den ebenso launischen wie genialen Diven Marlene Dietrich und Edith Piaf wurde erst vor knapp 10 Jahren durch das Duo Thomas Kahry und Daniel Grosse Boymann auf die Bühne gebracht. Das Tournee-Theater Thespiskarren liess nun auch Theateraffine aus der Region in den Genuss dieses Leckerbissens kommen.

Die Geschichte setzt dort ein, wo Edith Piaf, in Europa bereits ein gefeierter Star, bei ihrem ersten Auftritt 1948 in den USA beim Publikum gründlich durchfällt. Die als Zuschauerin anwesende Dietrich nimmt sich der Kollegin tröstend an. Es entwickelt sich eine bisweilen auch amouröse Beziehung zweier Jahrhundertsängerinnen, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten: einerseits die aus dem preussisch-bürgerlichen Milieu stammende Stilikone, andererseits die graue Maus aus den Elendsvierteln Frankreichs. Männer – Alkohol – Drogen – Liebe und Verlust Und doch verbindet die beiden so einiges (neben den Gesangskünsten natürlich). Ihr Männerverschleiss ist ebenso gross wie ihr Konsum von Alkohol und anderen Drogen.

Beide verlieren sie ihre vermeintlich grosse Liebe: Marlene den Schauspieler Jean Gabin, der ihr nach dem Krieg nicht folgen mag (was allerdings im Theaterstück aus-gespart wird), Edith den Boxer Marcel Cerdan nach einem Flugzeugabsturz. Die zweistündige Aufführung ist gespickt mit grossar- tigen Interpretationen der bekannten Chansons wie «Sag mir wo die Blumen sind», «Just a Gigolo», «Milord», «La Vie en rose» oder natürlich «Non, je ne regrette rien».

Aber auch bei den etwas weniger bekannten Stücken punkten die Hauptdarstellerinnen beim Publikum. Heleen Joor ist als Piaf schlicht eine Wucht. Sie gibt den oft an sich zweifelnden Spatz mit grosser Authentizität. Ihre Bühnenpräsenz bei den Songs ist atemberaubend, die Stimme kommt nah ans Original heran. Susanne Rader verkörpert glaubhaft die unterkühlte Schönheit, die sich nicht zu schade ist, auch einmal in der Haushaltsschürze bei ihrer Freundin zum Rechten zu schauen. Sie meistert auch die nicht ganz einfache Aufgabe, den Chansons der Dietrich diese einzigartige, lakonisch-rauchige Atmosphäre zu vermitteln. Die Protagonistinnen ernteten verdientermassen tosenden Applaus und bedankten sich auf ihre Art: Die Piaf mit dem berührend-beschwingten «l’accordeoniste», die Dietrich mit der ebenso schwungvollen Soldatenhymne «The Boys in the Backroom ...»

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