Biberist
Papieri-Schliessung: Befürchtet und doch überraschend

Die Papierfabrik Biberist geht Ende August ganz zu - es kommt zu weiteren 341 Entlassungen. Die Suche nach einem Unternehmen, das das Werk übernimmt, ist damit definitiv gescheitert.

Andreas Toggweiler
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Die Fabrik geht zu. Die Mitarbeiter der «Papieri» haben vergebens um «ihre» Fabrik und ihren Arbeitsplatz gebangt (Archiv)

Die Fabrik geht zu. Die Mitarbeiter der «Papieri» haben vergebens um «ihre» Fabrik und ihren Arbeitsplatz gebangt (Archiv)

Solothurner Zeitung

«Trotz intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, für das Werk Biberist einen Käufer zu finden», begründete Berry Wiersum, CEO von Sappi Fine Paper Europe den definitiven Schliessungsentscheid des südafrikanischen Papierkonzerns für sein Werk in Biberist. Das Management hatte sich im Frühjahr bereit erklärt, zusammen mit der Belegschaft nach Lösungen zusuchen, um zumindest einen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Dazu hätte jemand die Papierfabrik kaufen müssen.

«Kaufen ist in diesem Zusammenhang wohl nicht ganz der richtige Ausdruck», präzisierte Wiersum vor den Medien. Der letzte interessierte Investor, eine Private Equity Firma, habe einen hohen Millionenbetrag verlangt, damit er die Papierfabrik übernimmt. Es handelt sich um einen zweistelligen Millionenbetrag, «sehr viel höher als 10 Millionen Franken», wie Wiersum durchblicken liess.

«Er sagte uns gestern, dass er diese Summe im voraus braucht. Dazu konnten wir aber nicht Hand bieten.» Es habe zuvor auch schon durch andere Firmen «konkrete und vertiefte Analysen», gegeben, die zunächst zu Hoffnung Anlass gegeben hätten. «Die Forderung von gestern traf uns aber überraschend.» Sie hat schliesslich das Schicksal der Papierfabrik besiegelt. Ein anderer Interessent sei bereits vor drei Wochen ausgestiegen.

Kontakt mit zehn Interessenten

Insgesamt habe man zu ungefähr zehn Interessenten Kontakt gehabt, davon zwei aus der Branche, der Rest Finanzinvestoren. Die grossen Papierhersteller seien «ziemlich schnell ausgeschieden». Die Volumen im Markt für Verpackungspapier seien als zu klein beurteilt worden, um die grossen Bibersister Maschinen auszulasten. Die Umstellung auf die Produktion von Verpackungspapier war nach Ablauf der Konsultationsfrist als mögliches Szenario weiter verfolgt worden.

Nachdem im Mai Bereits eine Papiermaschine stillgelegt wurde und 134 Angestellte entlassen wurden, trifft es jetzt praktisch den ganzen Rest der insgesamt 550-köpfigen Belegschaft. Nur ein kleiner Rest von vielleicht 20 Personen soll auch weiterhin auf dem Gelände tätig sein, wo immer noch drei riesige Papiermaschinen stehen. Der Entscheid, was mit der Vertriebsabteilung geschehe, sei bis Ende Jahr zu erwarten, hiess es.

Eine rasche Schliessung des Werks sei nötig, denn die Kosten der Weiterführung seien hoch. Vor einigen Tagen wurde die grösste Papiermaschine der Schweiz heruntergefahren. Die letzte Maschine wird im August abgestellt.

Was mit dem Areal geschieht ist noch offen. Noch immer stehe es samt Maschinen zum Verkauf. Auf einen Sozialplan hatte man sich am 11. Juli geeinigt, Er wird von den Gewerkschaften als akzeptabel bezeichnet.

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