Die Papeterie Mohr an der Kirchstrasse 51 ist Geschichte. Auf Ende Juni schloss Verena Mohr ihr Geschäft. Und das nach genau 30 Jahren. Es ist ein planmässiger Abschied. «Es war mein Ziel, den Betrieb 30 Jahre zu führen», erklärt die Geschäftsfrau. Dazu seien sie und ihr Lebenspartner und Mitarbeiter Roland Péquignot längst im Pensionsalter. «Es ist der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen», führt Verena Mohr weiter aus.

Sie hat den Beruf von der Pike auf gelernt: «Mich hat das Metier immer fasziniert und ich absolvierte die Lehre in der damaligen Firma Niederhäuser AG.» 1986 hat sie sich dann selbstständig gemacht, zu einer Zeit, als in unserer Stadt die Konkurrenz in der Branche noch gross war (Bichsel und Rätz, Gschwind, Büromaschinen AG, Niederhäuser). Dazu gesellten sich die Grossverteiler und in den letzten Jahren natürlich der Online-Handel. Man habe sich mit den Konkurrenten immer arrangiert, auch wenn die Umsätze in den letzten Jahren zurückgegangen seien. Verena Mohr konnte in all den Jahren vor allem auf treue Geschäftskunden zählen. Die Laufkundschaft wurde zudem mit ausgefeilten Schaufenster-Dekorationen in den kleinen, aber feinen Laden gelockt. Das meiste haben sie dabei alleine bewerkstelligt, einiges aber auch mithilfe einer befreundeten Künstlerin oder der Firma «Creaworld».

In diesen 30 Jahren hat sich natürlich auch die Bürobedarf-Branche rasant entwickelt. So standen am Anfang noch die «normalen» Schreibmaschinen zum Verkauf, danach die elektronischen Modelle mit Display und schliesslich die Computer und Laptops. Etwas verpasst hätten sie das Geschäft im Internet, gibt Verena Mohr zu Protokoll. «Aber es hat auch Kunden gegeben, die im Internet gesucht und dann bei uns nachgefragt haben», sagt sie schmunzelnd.

In den letzten Wochen wurden die Möblierung und die Lagerware veräussert. Die Ladeneinrichtung konnte via Internet abgesetzt werden, langjährige Kunden deckten sich noch mit Material ein, etliches konnte dank Sonderrabatten verkauft werden.

Keine Nachfolger gefunden

Verena Mohr und Roland Péquignot sind zufrieden, wie es gelaufen ist und freuen sich nun auf mehr Freizeit. Was aber passiert mit dem Lokal? «Zuerst hofften wir auf eine Nachfolge-Regelung. Diese hat sich aber schliesslich nicht realisieren lassen», führt die Papeteristin aus.

Für das Stadtbild wäre es wichtig, würde sich oberhalb des Bürgerhauses wieder ein Gewerbebetrieb ansiedeln. Immerhin haben die Räumlichkeiten an der Kirchstrasse 51 schon vor Verena Mohrs Bürobedarf diverse Geschäftszweige beheimatet. Eine Metzgerei bot einst ihre Waren feil, die Galerie Gigot machte mit teilweise provokanten Ausstellungen Furore oder Dino Arn brachte damals mit seinem «Musik-Joker» frischen Wind in das Tonträger-Business.