Ortsplanungsrevision
Bauliche Durchmischung in Grenchen: Rührei oder Spiegelei – das ist hier die Frage

Wie die Siedlungs- und Bebauungsqualität Grenchens in Zukunft gesichert werden soll, darüber gibt der revidierte Zonenplan Auskunft: eine Übersicht der wichtigsten Anpassungen.

Andreas Toggweiler
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Entwurf des neuen Zonenplans von Grenchen: gelb: Wohnzone; orange: Gewerbe- und Wohnzone: (dunkel-)violett: Kern-, bzw. Kernrandzone; blau: Industrie- bzw. Technologiezone; crème: Sportstättenzone; lila: Flughafenzone.

Entwurf des neuen Zonenplans von Grenchen: gelb: Wohnzone; orange: Gewerbe- und Wohnzone: (dunkel-)violett: Kern-, bzw. Kernrandzone; blau: Industrie- bzw. Technologiezone; crème: Sportstättenzone; lila: Flughafenzone.

Baudirektion Grenchen

Im Rahmen des Leitbildes, der Analyse und der Strategiepläne (Grundlagendokumente der Ortsplanungsrevision) wurde immer wieder das Thema der Nutzungsmischung, der heterogenen Siedlungsstruktur von Grenchen diskutiert: Nicht selten trifft man hier Industriegebäude in den Wohnzonen an, eine historisch gewachsene Entwicklung.

Plakativ wurde diese Diskussion anhand des Vergleichs von «Spiegelei» oder «Rührei» geführt. Fazit: Grundsätzlich soll die bestehende Durchmischung in Grenchen als besonderes Qualitätsmerkmal anerkannt und bestätigt werden.

«So soll beispielsweise in Zukunft Wohnen in historischen Fabriken möglich sein»,

erklärt Stadtplaner Fabian Ochsenbein.

Es werden also Anreize geschaffen, welche sowohl die Identität der Stadt bewahren und gleichzeitig das Wohnen in ehemaligen Uhrenfabriken zulassen – «eine Win-win-Situation», wie Ochsenbein meint.

Mit teilweise neuen Zonenbezeichnungen soll der Verständlichkeit besser Rechnung getragen werden. Anstelle von Arbeitszonen wurde neu eine Kernrandzone und eine Gewerbe- und Wohnzone geschaffen. Der Bereich der Zentrumszone wird reduziert und konzentriert sich neu auf den effektiven Zentrumsbereich der Stadt Grenchen.

Siedlungsqualität sicherstellen

Im Kompass-Projekt hat der Gemeinderat beschlossen, künftig der Wohnqualität besonderes Augenmerk zu schenken. «Damit Grenchen seine Attraktivität als Wohnort besser fördern kann, werden verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Siedlungsqualität vorgeschlagen», erklärt der Stadtplaner: Im erweiterten Stadtzentrum wird ein Bereich mit erhöhten städtebaulichen Anforderungen ausgeschieden.
Zur allgemeinen Qualitätsförderung soll bei wichtigen Bau- oder Planungsvorhaben eine «Fachberatung Gestaltung» aus externen Fachleuten beigezogen werden können.

Der Wohnungsbau in Grenchen war in den vergangenen Jahren intensiv.

Der Wohnungsbau in Grenchen war in den vergangenen Jahren intensiv.

Andreas Toggweiler

Alte, nicht mehr zeitgemässe oder nicht realisierte Gestaltungspläne sollen aufgehoben werden. Damit realisierte Überbauungen bzw. deren Einheit nicht gefährdet werden, werden teilweise anstelle der aufgehobenen Gestaltungspläne erhaltenswerte «Siedlungseinheiten» definiert. Areale mit einem besonderen Entwicklungspotenzial werden neu mit einer Gestaltungsplanpflicht belegt. Im Anhang des Zonenreglements werden die wichtigsten Anforderungen an die jeweiligen Gebiete umschrieben.

Verdichtung nach innen

Seit dem neuen Raumplanungsgesetz, das kaum mehr Einzonungen zulässt, heisst das Zauberwort «Verdichtung nach innen». Basierend auf der Analyse des Siedlungsgebietes und einzelner Quartiere wurden Gebiete mit möglichen Aufzonungen vorgeschlagen.

Um bestehende Strukturen zu erhalten, also unverhältnismässige Aufstockung und damit weitere Brüche in der Siedlungsansicht zu verhindern, wird für einzelne Areale jedoch auch eine Beschränkung der Bauklasse (Geschosszahl) vorgeschlagen. Die Ausnützungsziffern werden durch eine Geschossflächenziffer ersetzt (Verhältnis der Summen aller Geschossflächen zur anrechenbaren Grundstücksfläche).

Explizit ist festgehalten, dass in Wohnquartieren keine Sexbetriebe zugelassen sind.

In den Industrie- und Gewerbezonen werden neu minimale Baumassenziffern festgeschrieben. Sie misst das Verhältnis des Bauvolumens zur anrechenbaren Grundstücksfläche. Mit einer «minimalen» Baumassenziffer soll eine möglichst haushälterische Nutzung des Bodens erreicht werden.

Keine Hangzone mehr

Die bisherigen «Hangzonen» sollen aufgehoben werden. Um den Terrainverhältnissen in Grenchen auch zukünftig Rechnung zu tragen, wird neu im Zonenreglement festgehalten, dass ab einer Hangneigung von acht Prozent entsprechende Regelungen bezüglich Fassadenhöhe und Geschosszahl gelten.

Aus der Weilerzone Staad wird neu die Sonderzone Staad. Die geschützte Siedlungseinheit wird erhalten, bei geringfügigen Anpassungen. So sollen in Staad auch Nutzungsänderungen möglich sein, sofern sich diese mit dem Charakter der bestehenden Siedlung vereinbaren lassen.

Von der Industriezone zur Technologiezone (Luftaufnahme von 2013).

Von der Industriezone zur Technologiezone (Luftaufnahme von 2013).

Simon Dietiker

Neu mit einer «Technologiezone»

Neben den Entwicklungsschwerpunkten (Zentrum und Bahnhof Süd) will Grenchen auch neue Entwicklungspotenziale aktivieren werden. Das gemäss der Hauptstadtregion und dem kantonalen Richtplan bezeichnete Topentwicklungsgebiet «Neckarsulm»(-strasse) soll aktiviert werden. Der Hauptprozess für dieses Vorhaben läuft bereits in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bettlach unter Federführung des Kantons. Die Entwicklung des Arbeitsplatzgebietes ist auch ein wichtiger Bestandteil des Agglomerationsprogramms.

Die Stadt schlägt vor, bestehende Reservezonen einer «Technologiezone» mit spezifischen Nutzungsvorgaben zuzuordnen: Durch die gezielte Ansiedlung von Unternehmen aus der Uhrenbranche, der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie der Medizinaltechnik wird eine Clusterbildung dieses Branchenmixes angestrebt.

Auch im Bereich des Bahnhofs Nord (BLS-Areal) sieht die Stadt ein Potenzial, an bestens erschlossener Lage eine Arealentwicklung voranzutreiben.

«Sowohl die Entwicklung Neckarsulm wie auch das Areal Bahnhof Nord stellen für Grenchen langfristige Entwicklungsziele dar, welche entsprechend sorgfältige Planungsverfahren voraussetzen», präzisiert Ochsenbein. «Es wird sich zeigen, mit welchen Massnahmen im Rahmen der Ortsplanungsrevision dafür die richtigen ersten Schritte gemacht werden können.»

Die Mitwirkungsfrist für die Bevölkerung dauert bis 16. Juli. Sämtliche Dokumente der Ortsplanungsrevision befinden sich auf der Website der Stadt Grenchen. «Für spezifische Fragen stehe ich gerne zur Verfügung», erklärt Stadtplaner Fabian Ochsenbein.

Kulturobjekte im Bild festgehalten

Mit der Überprüfung und Überarbeitung des Inventars der Kulturobjekte liegt neu eine Grundlage für den Erhalt von Einzelobjekten und Siedlungseinheiten vor. Mit dem Verweis auf das ISOS (Inventar der schützenswerten Ortsbilder), Baukultur Solothurn oder andere Grundlagen sollen auch diese Instrumente in Zukunft systematischer berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für das Inventar von Bäumen und Grünflächen. Der Erhalt, der Unterhalt und, wenn möglich, die Erweiterung dieser wichtigen Objekte für das Ortsbild und das Mikroklima sollen pragmatisch in Zusammenarbeit mit den Eigentümern und mit Stadtgrün Grenchen erreicht werden.

Mehr Informationen: Nutzungszonenplan.pdf und Aenderungsplan Nutzungszonenplan.pdf