Orpund
Ex-Gemeinderat der SVP soll die Gemeinde um eine sechsstellige Summe betrogen haben

Der ehemalige Präsident der Baukommission hat Rechnungen in Zusammenhang mit dem Schulhausneubau und der Sanierung gefälscht. Er hat die Tat gestanden und ist von allen Ämtern zurückgetreten, als sein Betrug aufflog.

Oliver Menge
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Der Betrug flog auf, als ein Unternehmen die gefälschten Rechnungen im Zusammenhang mit der Sanierung und dem Neubau der Schulanlage entdeckte.

Der Betrug flog auf, als ein Unternehmen die gefälschten Rechnungen im Zusammenhang mit der Sanierung und dem Neubau der Schulanlage entdeckte.

Anke Eckardt/Archiv

Eine offizielle Mitteilung des Orpunder Gemeindepräsidenten Oliver Matti (SP Plus) dürfte in der beschaulichen Gemeinde Orpund wohl wie eine Bombe eingeschlagen haben. Denn es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein gewähltes Mitglied der Exekutive so dreist aus einer Gemeindekasse bedient. Und das erst noch in grossem Stil. Denn laut Matti soll SVP-Gemeinderat Michael Tuma die Gemeinde um einen Betrag in sechsstelliger Höhe betrogen haben. Tuma war bis Mitte Januar Präsident der für den Neubau und das Sanierungsprojekt der Tagesschule und der Primarschule Orpund zuständigen Kommission und soll in dieser Funktion mehrere Rechnungen gefälscht haben. Als der Betrug aufflog, trat Tuma von allen Ämtern in der Gemeindeverwaltung und als Gemeinderat freiwillig zurück.

Wie Gemeindepräsident Matti gegenüber dem «Bieler Tagblatt» sagte, habe Tuma den Betrug gestanden, als er mit den Betrugsvorwürfen konfrontiert worden sei und habe sogleich mit der Rückzahlung der erschwindelten Summe begonnen. «Nach dem Konfrontationsgespräch hat er die Rückzahlung freiwillig in die Wege geleitet. Er wollte für den Schaden aufkommen», sagte Matti gegenüber dem BT. Gegen Tuma laufe ein Strafverfahren wegen Betrug und Urkundenfälschung, wie die zuständige Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätige.

Externe Firma endeckte den Betrug

Den Betrug entdeckt hat offenbar eine externe Firma, die mit Arbeiten für das Sanierungs- und Neubauprojekt beauftragt worden war. Ende 2020 teilte der Unternehmer der Gemeinde mit, sie habe eine Rechnung bezahlt, die er nie gestellt habe. Als die Gemeindeverwaltung daraufhin alle Rechnungen genauer unter die Lupe nahm, stellte sich heraus, dass es sich hier nicht um einen Fehler handelte, sondern um gefälschte Dokumente. Bei einer flächendeckenden Überprüfung aller Rechnungen im Zusammenhang mit dem Schulhausprojekt stellte sich heraus, dass Tuma zwischen Sommer 2018 und Dezember 2020 zahlreiche Rechnungen gefälscht hat. «Insgesamt betrifft es fünf Bundesordner voller Rechnungen», sagte Gemeindeschreiber Peter Schmutz gegenüber dem BT.

Tuma, für den trotz seines Geständnisses die Unschuldsvermutung gilt, sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen, schreibt das BT. Gemeindepräsident Oliver Matti will hingegen so offen wie möglich kommunizieren und informieren. Im laufenden Verfahren habe man die erste Einvernahme abwarten müssen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Deshalb sei man erst drei Monate nach der Konfrontation mit dem Beschuldigten an die Öffentlichkeit getreten. Noch weiss man nicht genau, wie hoch die Summe ist, die Tuma ergaunert hat. Dazu will man den Schlussbericht der hinzugezogenen Treuhandgesellschaft abwarten. Laut Gemeindepräsident Matti habe Tuma aber bereits einen «recht grossen Betrag» zurückbezahlt und die restliche Summe dürfte sich im fünfstelligen Bereich bewegen.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Laut Marti seien die gefälschten Rechnungen weder von der Verwaltung noch von der Revisionsstelle im Controlling entdeckt worden. Das liege aber nicht an der Qualität der Arbeit oder der Prozesse. «Ohne Vertrauen funktioniert es nicht», sagte Matti gegenüber dem BT. «Eliminieren können wir das Risiko nicht gänzlich», meinte der Gemeindepräsident. Allerdings hat die Gemeinde aufgrund dieses Vorfalls das Controlling überdacht und erste Massnahmen ergriffen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann, etwa im Ablauf der Rechnungstellung. Weitere Anpassungen würden erst nach Abschluss des Strafverfahrens und Schlussbericht der Revisionsstelle vorgenommen. «Wir möchten nun keine Schnellschüsse machen, die wir dann später wieder revidieren müssen», sagte Matti.

Zu den Gründen für den Betrug wollte sich der Gemeindepräsident nicht äussern. Verdacht habe indes niemand geschöpft und es habe auch keine Anzeichen gegeben. Das Vertrauen in Tuma sei gross gewesen, weshalb man ihm auch die Leitung des Grossprojekts übertragen habe, sagte der Gemeindepräsident. Der Neubau der Tagesschule alleine belief sich auf 2,25 Millionen Franken, das gesamte Schulhausprojekt auf rund 11 Millionen.

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