Grenchen

Orgel der Eusebiuskirche erstrahlt in neuem Glanz

Organist Alberto Knechtle freut sich über die Orgelrenovation und auf das Jubiläumsfest. Vor genau 200 Jahren ist die Grenchner Eusebiuskirche nämlich eingeweiht worden. Das wird im September gross gefeiert.

Alberto Knechtle spielt die Orgel der Eusebius Kirche, die in neuem Glanz erstrahlt. «Die 1973 gebaute Genfer-Orgel besitzt 43 Register und ist wohl eine der schönsten neuzeitlichen Orgeln im Kanton Solothurn», schwärmt er. Während der Orgelrenovation begleitete er den Gottesdienst vom Seitenaltar aus auf seiner privaten Hausorgel. «Eine ganz eigene Erfahrung, so nahe bei den Gläubigen zu sein. Man ist mittendrin, kann den Gesichtern die Emotionen ablesen.» Gefühlen gibt er Raum, als Mensch und als Musiker. Das Quirlige, Spontane und Warmherzige weist - neben dem Vornamen - auf den grossmütterlichen Schuss Italianità des Appenzellers hin.

Vorfreude auf Jubiläumskonzert

Ein typischer Appenzeller sei er aber nicht, winkt er ab und fragt, was Appenzell und Grenchen unterscheide. «Der weitere Horizont von Grenchen», antwortet er lachend. Die appenzellische Sturheit teile er nur im Bezug auf die Qualität. Der Perfektionsanspruch zeichnet den Musiker aus, der den letzten Schliff bei der berühmten Helga Schauert in Paris holte. Mit ihr wollte er am Jubiläumsfest konzertieren. Wegen einer Verletzung der Organistin treten sie erst bei einem späteren Konzert zusammen auf. «Eigentlich wurde ich fast ausschliesslich von weiblichen Orgelkoryphäen geprägt, wie Janine Lehmann, Marie-Louise Büchler und eben Helga Schauert», schmunzelt er.

Als junger Chorleiter und Organist landete der humorvolle Allrounder denn auch in einem «Vierfrauenhaus» zur Untermiete. Ausschlafen war bei der resoluten Schlummermutter verpönt. Frühmorgens fuhr er mit dem Töffli nach Brülisau. «Dort wohnen Originale mit dem Herzen auf dem rechten Fleck,» erzählt Knechtle von den Anfängen. «In Brülisau und Gonten erarbeitete ich mein Grundrepertoire. Zwei wichtige Stationen in meinem Berufsleben.»

In Grenchen angekommen

Angenommen fühlt er sich auch in Grenchen. Hier bereitet sich der Vollblutmusiker auf die Grenchner Kulturnacht und das Eusebius-Jubiläumskonzert vor. Feilt an den Stücken von Gustav Adolf Merkel. «Durch den Sammelband «Aus tiefster Not» bin ich zu meiner Freude auf diesen fantastischen Komponisten aufmerksam geworden», lacht er.

Merkel werde auch der Vidor Deutschlands genannt. Seine virtuosen Orgelkompositionen gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den meistgespielten Werken. Eine Kostprobe davon wird er dem Publikum auf der Eusebius-Orgel kredenzen.

Jubiläums-Sonntag, 23. September, 10 Uhr Festgottesdienst mit Weihbischof Martin Gächter, 17 Uhr Festkonzert mit Werken von Mulet, Merkel, Gigout.

«Die Eusebius-Orgel besitzt 2807 Pfeifen», berichtet Rolf Emmenegger, von der Orgelbau Genf AG. Er habe sie extra für das Grenchner Tagblatt gezählt, weil diese Frage immer gestellt werde. Rund zwei Monate hat er auf der Empore verbracht. Die russige Reinigungsbürsten und die schwarzen Hände deuteten eher auf einen Kaminfeger als auf einen Orgelbauer hin. «Der Vergleich passt», meint Emmenegger. Kerzen und Weihrauch seien der Grund für die Russablagerungen in den Pfeifen. «Daran erkennt man die «katholischen» Orgeln», scherzt er. «Einmal mit dem Finger über die Orgelpfeife fahren und schon weiss man, welcher Konfession sie angehört.» Das Gebläse der Orgel zieht die Luft an und verteilt sie anschliessend. Dabei rede man im Fachjargon nicht von Luft, sondern von Wind, ergänzt Rolf Emmenegger. Genau so, wie eine Pfeife nicht blase, sondern spreche. (srb)

Rolf Emmenegger von der Orgelbau Genf AG

«Die Eusebius-Orgel besitzt 2807 Pfeifen», berichtet Rolf Emmenegger, von der Orgelbau Genf AG. Er habe sie extra für das Grenchner Tagblatt gezählt, weil diese Frage immer gestellt werde. Rund zwei Monate hat er auf der Empore verbracht. Die russige Reinigungsbürsten und die schwarzen Hände deuteten eher auf einen Kaminfeger als auf einen Orgelbauer hin. «Der Vergleich passt», meint Emmenegger. Kerzen und Weihrauch seien der Grund für die Russablagerungen in den Pfeifen. «Daran erkennt man die «katholischen» Orgeln», scherzt er. «Einmal mit dem Finger über die Orgelpfeife fahren und schon weiss man, welcher Konfession sie angehört.» Das Gebläse der Orgel zieht die Luft an und verteilt sie anschliessend. Dabei rede man im Fachjargon nicht von Luft, sondern von Wind, ergänzt Rolf Emmenegger. Genau so, wie eine Pfeife nicht blase, sondern spreche. (srb)

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